Therapie der AMD

Für die trockene Form der AMD existieren keine geprüften Therapien. In einigen Fällen ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit so genannten Antioxidantien (Radikalfänger) in Absprache mit dem Augenarzt sinnvoll. Dafür schreitet diese Form langsamer voran und führt nur selten zur vollständigen Erblindung. Für die aggressive feuchte Form sind jedoch Therapien geprüft und zugelassen, die einen Teil des Sehverlustes rückgängig machen können und häufig die Sehkraft stabilisieren. Je früher die Behandlung beginnt, umso mehr Sehkraft kann erhalten werden. Doch generell gilt: Heilbar ist eine AMD nicht.

Medikamente gegen die feuchte AMD

Seit mehreren Jahren stehen Medikamente gegen die feuchte Form der AMD zur Verfügung. Diese hemmen so genannte Wachstumsfaktoren (VEGF), die für die Bildung neuer Blutgefäße verantwortlich sind. Bei Menschen mit feuchter AMD werden diese Wachstumsfaktoren im Auge aufgrund der Stoffwechselstörung in der Netzhaut in zu großen Mengen produziert. Direkt injiziert in den Augapfel, blockieren die Medikamente die Wirkung der Wachstumsfaktoren und werden darum auch kurz VEGF-Hemmer genannt. Mit dieser Therapie kann zu Beginn einer feuchten AMD das Sehvermögen bei den meisten Patienten wieder verbessert und in der Regel der Krankheitsverlauf aufgehalten werden.

Zwei Medikamente sind aktuell zur Behandlung der feuchten AMD zugelassen: Ranibizumab (Handelsname: Lucentis®) und Aflibercept (Handelsname Eylea®). Lucentis® und Eylea® werden von den augenärztlichen Fachorganisationen in ihrer Stellungnahme vom November 2014 als „Mittel der ersten Wahl“ eingestuft.

Häufig setzen die Augenärzte das Medikament Bevazizumab (Avastin®) ein. Das Medikament ist therapeutisch vergleichbar wirksam wie Lucentis®. Das zeigen internationale klinische Studien. Allerdings gibt es in ihrer Bedeutung derzeit noch unklare Hinweise auf mögliche Unterschiede im Sicherheitsprofil der Arzneimittel. Avastin® ist zwar nicht zur Anwendung am Auge zugelassen, wird aber aus Kostengründen auch ohne Zulassung („off-label“) eingesetzt.

Früherkennung

Wichtig: Je früher die Diagnose gestellt und mit der Behandlung begonnen wird, umso größer sind die Erfolgsaussichten der Therapien. Wenn der Arzt die Diagnose „feuchte AMD“ stellt, müssen Patienten oft erfahren, dass Diagnostik und Therapie anders ablaufen können als bei anderen Erkrankungen. Viele Augenärzte haben mit den Krankenkassen gesonderte Verträge abgeschlossen. In diesen Verträgen sind die Therapie, die Qualitätssicherung und die Nachuntersuchung zumeist mit der OCT geregelt. Oft wird dann das für dieses Anwendungsgebiet nicht zugelassene Medikament Avastin® eingesetzt. Ansonsten ist die Injektion mit den zugelassenen Medikamenten eine Regelleistung der Krankenkasse.

Näheres dazu finden Sie unter „Hintergrundinformationen“.

Therapieschema bei der feuchten AMD

Die feuchte AMD ist eine chronische Erkrankung. Einzelne Injektionen können die feuchte AMD in der Regel nicht aufhalten. Mit den jetzt vorliegenden Medikamenten lässt sich allerdings zumeist bei frühzeitiger Diagnose und regelmäßiger Behandlung der Verlust der Sehkraft aufhalten und etwas verbessern.

Halten Sie daher die Kontroll- und Therapietermine konsequent ein.

In den Zulassungsstudien wurden die Medikamente in festen Behandlungsabständen verabreicht. Darauf basierend haben die Zulassungsbehörden dann für die Medikamente Behandlungsphasen mit regelmäßigen Injektionen empfohlen. Ärzte sprechen in so einem Fall von „kontinuierlicher Behandlung“.

Der Verlauf der AMD kann aber von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Bei vielen Patienten bleibt die Sehkraft über einen langen Zeitraum stabil, wenn sie regelmäßig die Injektionen erhalten. Bei anderen lässt sich der Abstand zwischen den Injektionen ausdehnen, ohne dass die Sehkraft sich verschlechtert. In seltenen Fällen können die anfänglichen drei Injektionen ausreichen. Bei anderen Patienten schlägt die Therapie leider gar nicht an. Die Behandlung einer feuchten AMD muss häufig über Jahre konsequent durchgeführt werden.

Deshalb wurden für die AMD individualisierte Therapieschemata entwickelt. Diese Behandlungsschemata sollen sicher stellen, dass Ihre Sehkraft optimal erhalten bleibt und die Belastung für Sie durch Arztbesuche und für Ihr Auge durch Nebenwirkungen möglichst niedrig gehalten wird.

Entsprechend der Empfehlungen der augenärztlichen Verbände hat sich folgender Ablauf der Therapie ergeben:

  • Schneller Einsatz der Therapie nach der Diagnose ohne Zeitverlust. Sonst schreitet die Erkrankung zu weit voran.
  • Zu Beginn drei Injektionen im Abstand von je vier Wochen – unabhängig von dem eingesetzten Medikament.
  • Für den weiteren Verlauf ergeben sich zwei alternative Therapieschemata:

Therapieschema a)
nach Bedarf behandeln (PRN-Schema – PRN steht für die lateinische Wendung pro re nata; auf Deutsch: nach Bedarf)

„Nach den anfänglichen drei Injektionen kommen die Patienten alle vier Wochen zur Untersuchung. Wenn bei der Untersuchung keine Aktivität der Erkrankung festgestellt wird, wird nicht therapiert, der Patient aber für die nächste Untersuchung in vier Wochen wieder einbestellt. Wenn die Erkrankung aber wieder aktiv ist, dann empfehlen die Augenärzte wieder drei Injektionen im Abstand von vier Wochen. Erst wenn der Patient ein halbes Jahr lang keine neuen Krankheitsanzeichen aufweist, können die Kontrolluntersuchungen nur noch halbjährlich stattfinden.“

Therapieschema b)
Behandeln und Verlängern des Untersuchungsabstands (Treat and extend Schema, TAE-Schema)

"Nach den anfänglichen drei Behandlungen kommen die Patienten nach vier bzw. acht Wochen zur nächsten Behandlung (vier Wochen bei Lucentis® und Avastin®, acht Wochen bei Eylea®). Wenn die AMD nicht aktiv ist, wird der Zeitpunkt für die nächste Behandlung um zwei Wochen auf sechs bzw. zehn und später wieder um zwei Wochen verlängert und so weiter. Bei jedem Arztbesuch wird aber vorsichtshalber das Medikament injiziert, aber immer gleichzeitig auch eine Untersuchung durchgeführt, um über den nächsten Behandlungstermin zu entscheiden. Zeigt sich bei der Kontrolluntersuchung eine Aktivität der AMD, wird der Behandlungsabstand wieder um zwei Wochen verkürzt. Wenn der Patient bei einem Behandlungsabstand von drei Monaten keine weiteren Krankheitsanzeichen zeigt, wird die Behandlung beendet, keine Spritzen mehr gegeben und weiter vierteljährlich kontrolliert.“

Diese Behandlungsschemata stellen sicher, dass Sie die optimale Anzahl an Therapien erhalten. Aber sie sorgen auch dafür, dass eine Injektion nur dann erfolgt, wenn sie wirklich nötig ist. So kann der Aufwand für die Arztbesuche vermindert werden. So kann das Risiko für Nebenwirkungen klein gehalten werden. Die Vor- und Nachteile sollten Sie mit Ihrem Augenarzt besprechen. Wir sehen die Vorteile beim Treat and Extend Schema in der geringeren Anzahl an nötigen Arztbesuchen, da bei jeder Kontrolle sofort injiziert wird. Allerdings könnte evtl. das Risiko einer durch die Injektion bedingten Augenentzündung bei diesem Schema durch die vielleicht etwas häufigeren Injektionen höher sein. Dies liegt nach den Studien für jede einzelne Injektion bei 1 zu 2.000. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie sie die optimale Therapie für Ihre persönliche Situation erhalten.

Bisher war es in Deutschland aus unterschiedlichen Gründen so, dass die Patienten in der Regel nicht die nötige Anzahl an Injektionen erhielten und so ihre Sehkraft langsam verloren. Nur eine sehr sorgfältige Wahrnehmung der verabredeten Termine kann dies vermeiden.

Regelmäßige Kontrolle

Unabdingbar sind bei diesen Behandlungsschemata die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt und gegebenenfalls anschließend die direkte Injektion. Nur so können die besten Resultate erzielt und das Risiko eines schleichenden Sehverlustes verringert werden.

A. M., Patientin: „Ich gehe alle vier Wochen zur Kontrolluntersuchung, musste dann aber länger auf die nächste Injektion warten. Der Abstand zwischen der letzten und der nächsten Injektion ist zu lang. Die Behandlung sollte in engeren Abständen erfolgen. In der Realität ist der Abstand meist größer.“

Allerdings werden Veränderungen durch eine reine Sehschärfenbestimmung häufig zu spät erkannt. Bei einer Untersuchung mit einer OCT und/oder der Gefäßdarstellung werden die Zeichen, dass die Erkrankung wieder aufflackert, früher sichtbar. Entsprechend kann auch die Therapie rechtzeitig (wieder) einsetzen. Daher empfehlen Augenärzte den regelmäßigen Einsatz der hochauflösenden OCT. Mit ihr lässt sich der Verlauf der AMD dokumentieren und von Untersuchung zu Untersuchung vergleichen.

Hinweis: Zurzeit wird im Rahmen von Versorgungsverträgen von einigen Krankenkassen eine regelmäßige Kontroll-Untersuchung mittels der OCT erstattet. Außerhalb der Verträge in der sogenannten Regelversorgung mit den zugelassenen Arzneimitteln muss der Patient bis zu 100 € für diese Untersuchung zahlen. Dann ist diese Untersuchung eine sogenannte Individuelle Gesundheits-Leistung (IGeL). Mehr dazu finden Sie hier. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Augenarzt nach der entsprechenden Kostenregelung.

Zuletzt geändert am 22.08.2016 12:40