Studie findet weitere Risikogene für die Altersbedingte Makuladegeneration

Das Deutsche Ärzteblatt berichtet aktuell über eine neue Studie im Zusammenhang mit der Altersbedingten Makuladegeneration (AMD). In der bisher größten genomweiten Assoziationsstudie wurden 52 Genvarianten an 34 Stellen des menschlichen Erbguts gefunden, die zusammen mehr als die Hälfte der genetischen Prädisposition (erblich bedingte Anlage oder Empfänglichkeit) bei der altersbedingten Makuladegeneration erklären. Einige Genvarianten lieferten dabei laut der Publikation in "Nature Genetics" wichtige Hinweise für das Verständnis dieser häufigen Erkrankung.

Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) sind ein Mittel in der Wissenschaft, um Abschnitte auf der DNA mit einer Krankheit in Verbindung zu bringen. Das Prinzip: Man nimmt die Genomdaten von tausenden gesunden und kranken Menschen und vergleicht sie miteinander. Als Ergebnis erhält man Zahlenverhältnisse, die beschreiben ob eine bestimmte Stelle im Genom öfter bei Kranken im Vergleich zu Gesunden verkommt oder nicht. Ist ersteres der Fall, so spielen diese Stellen in der DNA möglicherweise eine Rolle in der Krankheitsentstehung und -förderung. Auf diese Art und Weise kann man Abschnitte im Erbgut identifizieren und sie durch weitere Forschung auf ihre genaue Krankheitsrelevanz prüfen.

Verlauf der AMD

Bei etwa 5 Prozent aller Menschen europäischer Herkunft kommt es im höheren Alter zu einer Störung der Netzhaut im Bereich des schärfsten Sehens, das für viele Tätigkeiten des Alltags von Lesen bis Autofahren benötigt wird. Diese altersbedingte Makulade­generation (AMD) ist gekennzeichnet durch eine Funktionsstörung des sogenannten retinalen Pigmentepithels (RPE) mit einem darauf folgenden Verlust von Photorezeptoren.

Es kommt zunächst zu einer trockenen AMD und bei einigen Patienten infolge einer pathologischen Gefäßneubildung auch zur feuchten AMD. Die Ursache ist unbekannt und bei der trockenen AMD gibt es auch keine Therapie. Das Fortschreiten der feuchten AMD kann durch Lasertherapie oder Angiogenesehemmer begrenzt werden.

Studie bringt neue Einblicke

Frühere genetische Studien hatten bereits Genvarianten in 21 Regionen des Erbguts mit einer erhöhten Anfälligkeit der Erkrankung in Verbindung gebracht. Um weitere zu finden, hat das International AMD Genomics Consortium jetzt bei über 43000 Menschen mit überwiegend europäischer Abstammung einen Genvergleich zwischen Patienten mit AMD und Gesunden durchgeführt.

Neue Auswirkungen von Defekten erkannt

Dabei wurde das Erbgut an nicht weniger als 12 Millionen Stellen verglichen. Das Forscherteam um Sudha Iyengar von der Case Western Reserve University, Gonçalo Abecasis von der Universität von Michigan und Iris Heid von der Universität Regensburg konnte die Rolle von zwei Genen, CFH und TIMP3, bestätigen und neue Assoziationen beschreiben.

Die Rolle des Gens CFH (complement factor H), das einen Bestandteil des Immunsystems kodiert, ist unklar. Einige Forscher vermuten, dass es an der Entwicklung der Drusen (Ablagerungen unterhalb der Netzhaut) beteiligt ist, die sich bei der trockenen AMD bilden. TIMP3 kodiert eine Peptidase (Enzym, das Proteine spalten kann), die am Abbau der extrazellulären Matrix beteiligt ist. Die extrazelluläre Matrix besteht aus der Gesamtheit aller Makromoleküle im Interzellularraum. Vereinfacht gesprochen ist sie aus den Strukturbestandteilen eines Gewebes zusammen gesetzt, die sich außerhalb der Zellen befinden. Mutationen im TIMP3-Gen wurden in früheren Studien bereits mit der Fundus-Dystrophie vom Typ Torsby in Verbindung gebracht. Dieses autosomal dominante Erbleiden führt bereits vor dem 45. Lebensjahr zu einer Atrophie der Netzhaut, die der AMD ähnelt.

Zusätzliche neue Defekte gefunden

Die Forscher entdeckten noch neun weitere Genvarianten, die im Stoffwechsel der extrazellulären Matrix von Bedeutung sind. Störungen in diesem Bereich sind möglicherweise für einen Subtyp der AMD verant­wortlich, der ohne Vorwarnung zu einer Verschlechterung der Sehkraft führt.

Sollte sich aus diesen Varianten ein Gentest konstruieren lassen, könnte dies eine Früherkennung möglich machen. Eines der Gene, MMP9, war nur mit der feuchten Variante der AMD assoziiert. Sein Genprodukt könnte für die Integrität der sogenannten Bruch-Membran wichtig sein, die die Netzhaut gegenüber der Aderhaut abdichtet. Eine Störung an dieser Stelle könnte das Einsprossen von Blutgefäßen in die Netzhaut ermöglichen, die für die feuchte AMD kennzeichnend sind.

Weitere Informationen in englischer Sprache zum Thema:

Quelle: Deutsches Ärzteblatt

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Zuletzt geändert am 19.09.2016 11:13