Wenn Stress den Blick trübt

„Wenn Stress den Blick trübt“ heißt es in einer aktuellen Presseinfo des Bundesverbandes der Augenärzte Deutschland (kurz: BVA) über die die Redaktion an dieser Stelle gerne berichten und daraus zitieren will.

Gerade auch Betroffene von Netzhautdegenerationen erleben viele Situationen, die täglich Stress verursachen, und nicht selten auch Alltagssituationen zur Qual werden lassen.

Augenarzt als Bindeglied

Seelische Belastungen können Augenerkrankungen verstärken oder auslösen. Die Angst vor Sehverlust wiederum verursacht körperlichen Stress und kann den Betroffenen aus dem seelischen Gleichgewicht bringen. Wenn psychische Probleme am Krankheitsgeschehen beteiligt sind, wird der Augenarzt zum Mittler zwischen Patient, Krankheit und oft auch anderen Therapeuten, etwa Psychotherapeuten.

Redewendungen - Spiegelbild der Seele

Alltägliche Redewendungen legen den Zusammenhang von Seele und Sehkraft nahe: Jemand „sieht schwarz“, „aus den Augen, aus dem Sinn“, andere wiederum sind „blind vor Wut“.

Augenerkrankungen und psychosomatische Beschwerden

Tatsächlich spielen auch bei Augenkrankheiten psychische Faktoren häufig eine Rolle. „Wenn körperliche Beschwerden in erheblichem Ausmaß durch seelische Ursachen bedingt sind, spricht man von psychosomatischer Krankheit“, erklärt Dr. med. Gabriele Emmerich, Sprecherin des Ressorts "Psychosomatik in der Augenheilkunde" im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Zu diesen Augenerkrankungen gehören unter anderem bei einem Teil der Patienten das Trockene Auge, das Glaukom (Grüner Star), der Lidkrampf (Blepharospasmus), Tics wie zwanghaftes Blinzeln und ebenso chronische Augenerkrankungen.

Die Angst vor Sehverlust verändert unsere Lebensbalance. Diese Lebensbalance besteht aus einem Erleben zwischen Familie und Beruf, Körper und einer Zukunftsplanung. Familiäre Konflikte und beruflicher Stress können das vegetative Nervensystem beeinflussen und so die Krankheit verschlimmern.

Hilfen und Therapiemöglichkeiten

Bei stressbedingten Erkrankungen können Entspannungstechniken die Behandlung ergänzen. Bei Verdacht auf eine psychosomatische Erkrankung wird der Augenarzt den Patienten deshalb auch nach seiner Lebensbalance befragen: körperliche Anamnese, Situation in Familie und Beruf sowie Lebenssinn und Zukunftsplanung. Er hilft dem Patienten, seine Krankheit besser zu verstehen, so dass der Patient aktiv bei der Behandlung mitarbeiten kann. Der Augenarzt kann zudem Hinweise geben, welche Therapien eventuell helfen können. „Autogenes Training oder Muskelrelaxation nach Jacobson sind oft eine sinnvolle Ergänzung zur Behandlung stressbedingter körperlicher Erkrankungen“, nennt Dr. Emmerich ein Beispiel.

Angst vor dem Sehverlust

Wenn Patienten an einer chronischen Augenerkrankung wie Glaukom, diabetischer Retinopathie oder Altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) leiden, die das Sehvermögen bedrohen, dann kann alleine die Angst vor dem Sehverlust den Patienten aus dem Gleichgewicht bringen. Auch dann wird der Augenarzt zum Vermittler zwischen Patient und Krankheit. Neben der augenmedizinischen Behandlung spielt die Beratung und das therapeutische Gespräch hier eine besondere Rolle.

Krankenkassen als Hemmschuh

Die aktuellen Verhältnisse im deutschen Gesundheitswesen verlangen Augenärzten allerdings großen Idealismus ab, wenn sie sich für das Gespräch und die Erörterung der Krankheitsbedingungen mit den Patienten die nötige Zeit nehmen. Für die Betreuung gesetzlich Krankenversicherter erhalten Augenärzte eine ungenügende Quartalspauschale. Der zeitliche Aufwand für die erforderliche Zuwendung ist in der pauschalen Vergütung der gesetzlichen Krankenversicherung leider nicht vorgesehen.

Quelle: Pressemitteilung

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Zuletzt geändert am 28.12.2013 12:41