WOC 2010 Größter Fachkongress der Augenheilkunde in Berlin

Mit dem World Ophthalmology Congress (WOC 2010) richtet Deutschland in diesem Jahr den größten internationalen Fachkongress zum Thema Augenheilkunde aus. Neben dem 32. International Congress of Ophthalmology (ICO) finden auch der 108. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) unter dem Dach des WOC 2010 statt. Die Veranstalter erwarten mehr als 8 000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern im Internationalen Congress Centrum Berlin (ICC).

Im Vorfeld des vom 5. bis 9. Juni stattfindenden WOC 2010 werden verschiedene Vorberichte zu einzelnen Veranstaltungen und Symposien in den Medien veröffentlicht.

Gentherapie bei LCA

Für zwei erbliche Netzhauterkrankungen, so heißt es in einer Mitteilung zum WOC 2010, erzielten Ärzte mithilfe der Gentherapie erste Erfolge. Einerseits bei einer seltenen Form der Leberschen kongenitalen Amaurose (LCA), von der etwa 200 Patienten in Deutschland betroffen sind. Durch einen Defekt im RPE65-Gen ist bei ihnen die Bildung des Sehfarbstoffes gestört. "Betroffene haben bereits in den ersten beiden Lebensjahren schwere Sehstörungen. Nach und nach verlieren sie ihre Sehkraft und erblinden häufig noch vor Erreichen des 20. Lebensjahres vollständig", berichtet Professor Birgit Lorenz, Direktorin der Universitäts-Augenklinik Gießen.

Im Rahmen der Gentherapie dieser Form der LCA spritzen die Ärzte den Patienten sogenannte "Genfähren" (virale Vektoren), die sie zuvor mit einer korrekten Version des RPE65-Gens bestücken, unter die Netzhaut. Solche virale Vektoren sind Transportvehikel zur Übertragung von Fremdgenen in eine lebende Empfängerzelle. Die Vektoren legen das Gen in den Pigmentzellen der Netzhaut ab, die daraufhin das korrekte Protein herstellen sollen. Danach setzt die Bildung des funktionellen Sehfarbstoffes wieder ein. "Eine erste Anwendung dieser Therapie an 18 Patienten in England und den USA hat gezeigt, dass sich die Sehleistung - vor allem bei jungen Patienten - langfristig bessert", berichtet Lorenz. Derzeit laufen insgesamt sechs Studien oder sind in der Vorbereitung.

Gentherapie bei Retinitis pigmentosa

Auch Menschen mit der ebenfalls erblichen Retinitis pigmentosa (RP) kann eine Gentherapie helfen. Die Erkrankung führt zu einer Zerstörung der Netzhaut und in späteren Stadien ebenfalls zur Erblindung. Anders als bei der LCA versuchen die Ärzte hier jedoch nicht, den Gendefekt direkt zu beheben. Sie setzen den Patienten vielmehr eine kleine Kapsel ins Auge. Diese enthält gentechnisch veränderte Zellen, die das Protein CNTF, den "ciliary neurotrophic factor", bilden. In der Netzhaut soll CNTF den Zelluntergang verhindern. "Auch hier sind die ersten Ergebnisse viel versprechend. Bei den zehn Studienteilnehmern stabilisierte oder verbesserte sich die Sehfähigkeit", erklärt Lorenz, die die Möglichkeiten der Gentherapie in der Augenheilkunde mit ihren Kollegen auf dem WOC 2010 diskutieren wird. Eine weitere Studie mit diesen CNTF-produzierenden Kapseln wurde mittlerweile an Patienten mit der trockenen Form der AMD durchgeführt. Die Veröffentlichung der Ergebnisse steht noch aus.

Weitere Informationen: Internetseite des WOC 2010

Quelle: Ophthalmologische Nachrichten online

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Zuletzt geändert am 28.12.2014 19:18