Trockene AMD-Spätform: Genetische Faktoren ohne Einfluß auf Krankheitsverlauf

 Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine multifaktorielle Erkrankung. In den letzten Jahren wurden eine Reihe von genetischen Faktoren entdeckt, die für diese Erkrankung mitverantwortlich sind. Das Vorhandensein dieser Genvarianten (Polymorphismen) erhöht das Risiko, an einer AMD zu erkranken. Allerdings scheint der Krankheitsverlauf unabhängig zu sein von der vorhandenen Genvariante.

In einer Studie unter der Leitung von PD Hendrik Scholl (Universitätsaugenklinik Bonn) und unter Mitwirkung von insgesamt acht Zentren wurden über einen Zeitraum von drei Jahren untersucht, mit welcher Geschwindigkeit sich bei Patienten mit einer trockenen Spätform der AMD (geografische Atrophie) diese verschlechterte. Gleichzeitig wurden genetische Untersuchungen (Prof. Weber, Regensburg) vorgenommen. Dabei wurde der Zusammenhang zwischen AMD-Erkrankungsrisiko und dem Vorhandensein bestimmter Genvarianten v.a. im Komplementsystem (hier CFH, C3 und ARMS2) bestätigt. Überraschenderweise konnte ein Zusammenhang zwischen der Schnelligkeit des Erkrankungsverlaufs und den untersuchten Genvarianten nicht gefunden werden.

Was bedeutet das? Laut den Autoren könnte diese Studie große Auswirkungen auf zukünftige Forschungsarbeiten zur Therapiefindung bei trockener AMD haben. Da die untersuchten Genvarianten verantwortlich sind für die erhöhte „Anfälligkeit“, eine AMD zu bekommen, scheint der Verlauf der AMD aber nicht von der vorhandenen genetischen Variante abhängig zu sein (hier untersucht wurden bestimmte wichtige Genvarianten des Komplement-Systems). Die Erbanlagen spielen beim weiteren Verlauf der Erkrankung, sollte diese erst einmal im fortgeschrittenen Stadium sein, keine Rolle mehr. Damit könnte die Hoffnung auf Therapiestrategien, die über die Beeinflussung des Komplementsystems sich günstig auf den Krankheitsverlauf auswirken sollen, vergeblich sein. Stattdessen kann es ausschlaggebend werden, die exogenen Faktoren und mögliche weitere genetische Faktoren zu finden und zu definieren, die verantwortlich sind für das Fortschreiten einer trockenen AMD.

Studie:
Scholl HPN, Fleckenstein M, Fritsche LG, Schmitz-Valckenberg S, Göbel A, et al. 2009 CFH, C3 and ARMS2 Are Significant Risk Loci for Susceptibility but Not for Disease Progression of Geographic Atrophy Due to AMD.
PLoS ONE 4(10): e7418. doi:10.1371/journal.pone.0007418

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Zuletzt geändert am 28.12.2014 19:06