Retinitis Pigmentosa

RP-Patientenseminar in Saulgrub - Ein tolles Seminar für Geist, Sinn und Körper

Von Christiane Bernshausen

48 Teilnehmer aus allen Teilen der Republik – von Schleswig bis Konstanz, von Gronau bis Berlin – konnten die Organisatoren Jutta Joost und Jochen Robra vom 8.-11. Mai in Saulgrub willkommen heißen. Wieder bot das dortige Aura Hotel den idealen Rahmen.

Mit Spannung und viel Freude erwarteten die Teilnehmer die Vorträge. Dr. Helmut Roth, Biologe und Genetiker und Laborleiter des diagnostischen Institutes für Humangenetik der Universität Regensburg , referierte zu Beginn. Er gab einen Einblick in ein molekulargenetisches Labor. Nach seiner kurzen Einführung in die Genetik des Menschen erklärte er den Ablauf in seinem Labor vom Probeneingang bis zum Befund. Er wird vor allem auf die verschiedenen Erbgänge und die familiären Zusammenhänge angesprochen. Es sind mittlerweile sehr viele Gene gefunden worden, , die ausschlaggebend für die RP verantwortlich sind.

Laura Kutter vom Reisebüro "tour des sens", ein Reisebüro für Blinde und Sehbehinderte aus Stuttgart, wies in ihrem Vortrag darauf hin, wie schwierig es für diese Zielgruppe ist, an barrierefreie Informationen zu kommen. Das beginnt mit dem aussuchen des Urlaubziels, dem richtigen Angebot, dem Service, der Begleitung und dem Weg zum Reiseziel. Wie auch die anderen Reiseunternehmen für Blinde und Sehbehinderte werden hier die Urlaubsorte gezielt ausgesucht und das Programm auf die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderte abgestimmt. Je nachdem, wie die Betreuung für die Einzelpersonen aussehen muss, variieren die Preise. Verschiedene Reiseziele wurden durch Geräusche, Fühlproben und durch kulinarische Genüsse vorgestellt.

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch von Thomas Reichel, psychologischer Berater aus Braunschweig. Er sprach über Gelungene Beziehungen, ob im beruflichen Alltag, unter Freunden und Bekannten oder in der Partnerschaft. Sie scheinen eine besondere Herausforderung darzustellen. Besonders wenn einer von einer Erblindung bedroht ist. Wie können Beziehungen gut gestaltet werden, welche Voraussetzungen brauchen wir dafür und wie kann ein authentischer Dialog gelingen?

Thomas Reichel vertritt die Ansätze der Logotherapie. Trotz aller Schwierigkeiten soll ein „Ja“ zum Leben erreicht werden und die Selbstannahme gelingen. Zum Abschluss des Tages vermittelte Manfred Dittmann, Physiotherapeut des Hauses, einige Lockerungs- und Entspannungsübungen. Diese kann jeder zu Hause, am Arbeitsplatz oder anderswo durchführen. Denn gerade blinde und sehbehinderte Personen sind durch das Langstocklaufen, durch den Führhund oder einfach durch das konzentrierte Gehen in der Schulter- und Nackenmuskulatur verkrampft.

Last but not least gab Norbert van Bebber aus Sachsenheim einen Einblick in sein Leben. Er ist von Geburt an stark sehbehindert, jetzt schon lange erblindet und war noch lange im Berufsleben. Seinen Haushalt erledigt er selber, er ist nur auf wenig Hilfe angewiesen. „Ein Blinder kann (fast) alles, nur eines nicht, sehen“, war seine Schlussbemerkung. Zum Abschluss erklärten alle, dass es ein überaus gelungenes und tolles Seminar war. Alle freuen sich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Ein Dank an Jutta Joost und Jochen Robra für die Organisation!

Zuletzt geändert am 23.04.2016 18:59