Pathologische Myopie (Kurzsichtigkeit) und MD

Erfahrungsbericht - eine Betroffene berichtet

Lebensgeschichte einer Patientin mit myoper Makuladegeneration, Anonym

Bereits im Alter von sechs Jahren merkte ich, dass offensichtlich andere Menschen besser sahen als ich und bekam damit zur Einschulung über die Schulsehtests meine erste Brille.

Im Alter von etwa 13 Jahren wurde ich erneut zu einem Augenarzt geschickt, der bereits eine relativ hohe Kurzsichtigkeit feststellte. Er begründete diese Entwicklung damit, dass ich offensichtlich in meinem vorigen Leben ein schlechter Mensch gewesen sein müsse und sich das nun an meinen Augen rächte.

Meine Brille wurde von Jahr zu Jahr dicker. Ich trug diese kaum noch, denn ich schämte mich dafür und verzichtete lieber auf einen aufmerksamen Alltag und Schulablauf. Möglicherweise hatte ich in dieser Zeit auch eine Aversion gegen die Schule aufgebaut, denn ich konnte weder an der Tafel richtig sehen noch von der Nachbarin abschreiben. Mit 18 Jahren verließ ich Deutschland und ging nach Großbritannien. Dort sparte ich eifrig jeden Pfennig für ein Paar Kontaktlinsen.

Als ich endlich das Geld zusammen hatte, passte mir ein Optiker die ersten Linsen an, die allerdings bei Betreten eines Cafés im Winter noch anliefen und ich dadurch zunächst nichts mehr sehen konnte. Außerdem erschien mir die Eingewöhnung als fast unerträglich, aber ich blieb dabei, denn diese Beschwerden waren immer noch besser als meine dicke Brille. Mit 20 Jahren konnte ich zwar immer noch ohne Brille auf der Straße gehen, erkannte aber schon viele Leute nicht mehr richtig.

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Im 22. Lebensjahr und mittlerweile verheiratet, stellte mir die Firma Soehnges in München die ersten deutschen Linsen her. Diese konnte ich dann nach kurzer Zeit schon relativ beschwerdefrei tragen. In den Jahren danach hatte ich immer wieder Bindehautentzündungen und wohl auch eine Verletzung der Hornhaut, was mich aber nicht vom Tragen der Linsen abhielt.

Mit 30 Jahren sah ich eines Tages vor meinem rechten Auge einen roten Fleck. Ich war derzeit per Tournee unterwegs durch Deutschland und kam erst wieder nach einigen Wochen in meine Heimatstadt. Dort stellte der Arzt eine zentrale Blutung fest, die mittlerweile beim Lesen in der Mitte die Zeilen verschoben hatte. Der Schaden wurde dann zum Fuchs'schen Fleck und damit als Skotom für mich unwiederbringbar verloren mit einem Restvisus von zehn Prozent.

In den Folgejahren habe ich mich damit arrangiert und hatte noch das linke Auge, mit dem ich einen Visus von 100 Prozent mit den Linsen erreichte. Allerdings hatte mein Augenarzt jeweils immer ein bedenkliches Gesicht gemacht, mir war aber dessen Bedeutung nicht klar.

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Ich studierte Betriebswirtschaft und hatte keine Probleme oder Einschränkungen. Immer mal kam es dann zu Netzhautblutungen in der Peripherie des linken Auges. Daraufhin hatte man mich ringsumher peripher gelasert in Südfrankreich und Trier.

Mit knapp 50 Jahren kam es wieder zu einer Netzhautblutung, die im Amslertest zu verbogenen Linien führte. Man entschied sich in der Freiburger Uniklinik zum Lasern, um ein Fortschreiten zu verhindern, nicht weit entfernt von der Stelle des schärfsten Sehens. Noch am gleichen Tag sank mein Visus von 100 Prozent auf 50 Prozent. Alle Versuche, den Zustand wieder rückgängig zu machen, scheiterten. Kliniken in Lyon und Paris bedauerten, dass hier Gewebe zerstört worden war, was nun nicht mehr zu ändern sei. Der Versuch mit Cortison und später Interferon war ebenso vergeblich und hatte enorme Nebenwirkungen.

Es folgten mehrere photodynamische Therapien, die allerdings ebenfalls erfolglos waren, wobei die letztere mir eine Massenblutung einbrachte. Der Visus des linken Auges sank auf etwa 10 Prozent und hat sich auch nach drei Avastin-Spritzen nicht mehr geändert. Allerdings hat sich der Fuchs'sche Fleck des rechten Auges nach Jahren wieder oben etwas geöffnet, was eine Visussteigerung von 10 Prozent auf 25 Prozent einbrachte. Die Myopie von -13 beidseits wurde durch Kataraktoperationen aufgehoben, wobei natürlich die Schädigung der Netzhaut unverändert bestehen blieb. Mit Hilfe von Leselupen, Lupenbrillen und Bildschirmlesegerät habe ich mir mein Leben nun eingerichtet und kann diese Erkenntnisse auch an Betroffene weitergeben.

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Zuletzt geändert am 13.09.2013 18:23