Stellungnahme des Arbeitskreises Klinische Fragen des Wissenschaftlich-Medizinischen Beirats der PRO RETINA Deutschland e.V. zur Epimakulären Brachytherapie in Ergänzung der Stellungnahme zur Epimakulären Brachytherapie der Retinologischen Gesellschaft, Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands vom 28.11.2011Stand: 07.03.2012

Die Epimakuläre Brachytherapie wird zur Behandlung der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) angeboten. In einer gemeinsamen Stellungnahme haben die augenärztlichen Fachgesellschaften (Retinologische Gesellschaft, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands) aufgrund der begrenzten Datenlage eine Anwendung nur in Studien empfohlen.

Im Februar 2012 wurden die 2-Jahres-Ergebnisse der CABERNET-Studie bekannt gegeben. Im Rahmen dieser Studie wurde die Epimakuläre Brachytherapie in Kombination mit Lucentis® verglichen mit einem festen Behandlungsschema von Lucentis® allein. Während die Zwischenergebnisse der CABERNET Studie noch positiv bewertet wurden, zeigen die auf einem wissenschaftlichen Kongress vorgestellten und im Internet veröffentlichten endgültigen Ergebnisse, dass die Epimakuläre Brachytherapie in Kombination mit Lucentis® einer alleinigen Therapie mit Lucentis® unterlegen war. Bei der Beurteilung ist zu ergänzen, dass nach den ersten drei Behandlungen die Weiterbehandlung mit Lucentis® nach einem festen 3-Monats-Schema erfolgte, von dem wir heute wissen, das dieses Schema der heute eingesetzten Anti-VEGF-Behandlung nach Bedarf (pro re nata, PRN) mit monatlichen Kontrollen deutlich unterlegen ist. Somit sind die Ergebnisse der Epimakuläre Brachytherapie der Anwendung von Anti-VEGF-Medikamenten noch weiter unterlegen, als die CABERNET Studie es zeigt.

Fazit für die Patienten:

  1. Der Standard für die Behandlung einer neu diagnostizierten feuchten AMD bleibt die Anti-VEGF-Therapie mit dreimaliger intravitrealer Medikamenteneingabe zu Beginn im Abstand von 4 Wochen sowie weiteren intravitrealen Medikamenteneingaben nach Bedarf. Zur optimalen Behandlungskontrolle sind im Verlauf vierwöchentliche Kontrollen mit dem hochauflösenden OCT für 6 Monate nach der letzten Behandlung erforderlich (aktuelle Stellungnahme zur Therapie der feuchten AMD vom Februar 2012, Retinologische Gesellschaft, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands).
  2. Ob eine Epimakuläre Brachytherapie bei bereits mehrfach erfolgter Anti-VEGF Therapie zur "Beruhigung" oder Verringerung der Injektionshäufigkeit sinnvoll ist, ist derzeit völlig offen. Um diese Frage zu untersuchen, wird die MERLOT-Studie durchgeführt. Entsprechend der bisherigen Stellungnahme vom 28.11.2011 sowie den aktuellen Ergebnissen wird empfohlen, dass die Epimakuläre Brachytherapie nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden sollte.
  3. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen erneut, wie wesentlich die Durchführung von Studien für die qualitätsgesicherte Behandlung von Patienten ist. Sie zeigen auch, dass ein Einsatz von neuen Verfahren vor Abschluss der notwendigen Studien unter Umständen mit Schaden für den Patienten verbunden sein kann.

Für den Arbeitskreis Klinische Fragen der Pro Retina
Prof. Dr. U. Kellner

Zuletzt geändert am 11.03.2012 17:13