Schwerbehinderung und Ausweis Autor: Sascha Franz

Die Feststellung einer Behinderung ist ein absolut einschneidendes Erlebnis für jeden Menschen. Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen erhalten Rehabilitationsleistungen, um ihre Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken.

Zum Ausgleich ihrer Nachteile stehen behinderten Menschen verschiedene Leistungen zu. Um diese zu erlangen, müssen sie einen Antrag auf Feststellung der Schwerbehinderung und auf die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises beim zuständigen Versorgungsamt stellen. In dem Bescheid und dem zugehörigen Ausweis werden, entsprechend der unterschiedlichen Schwere einer Behinderung, der Grad der Behinderung und die Merkzeichen festgehalten (siehe weiter hinten in diesem Kapitel). Schwerbehindert sind Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von wenigstens 50. Die Feststellung der Schwerbehinderung führt je nach Bundesland das für Ihren Wohnsitz zuständige Versorgungsamt oder die Kreis- oder Stadtverwaltung durch. Anträge und Adressen finden Sie in Ihrer Stadtverwaltung, beispielsweise beim Sozial- bzw. Versorgungsamt. Die gesetzlichen Grundlagen für die Feststellung der Schwerbehinderung und des GdB finden sich in § 69 des Sozialgesetzbuchs Neun (SGB IX).

Der GdB im Sinne des § 69 Abs. 1 Satz 3 SGB IX kann – ebenso wie der Grad der Schädigungsfolgen (GdS) im Sinne des Bundesversorgungsgesetzes – zwischen 20 und 100 variieren. Er wird in Zehnerschritten gestaffelt. Behinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber wenigstens 30 können auf Antrag bei der Agentur für Arbeit schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden. Die Agentur für Arbeit erteilt die Gleichstellung, wenn behinderte Menschen aufgrund ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht behalten oder nicht erlangen können und ihre wöchentliche Arbeitszeit mindestens 18 Stunden beträgt. Gleichgestellte behinderte Menschen haben die gleichen Rechte wie schwerbehinderte Menschen. Ausgenommen ist der Anspruch auf den für schwerbehinderte Menschen geregelten Zusatzurlaub, die unentgeltliche Beförderung schwerbehinderter Menschen im öffentlichen Personennahverkehr und die vorgezogene Altersrente.

Zuletzt geändert am 21.04.2013 22:16