Wo Essen „Schwarzarbeit“ ist …von Peter Glatz

Bis vor wenigen Tagen hatte ich oft darüber gelesen oder davon gehört, es aber nie selbst erlebt. Und ganz offen gesagt: Ich mit meinem sehr kargen Sehrest und selbst als RP Betroffener, wäre wohl nie auf den Gedanken gekommen, mal "vollblind" zu speisen oder speisen zu gehen.

Diese Erfahrung durfte ich dann kürzlich, im lustigen Kreise meiner Freunde, in Schmiedefeld am Rennsteig (nahe Suhl), im "Rennsteighotel Grüner Baum" machen. In diesem Hotel gibt es auch einen "Fuchsbau", ein Dunkelrestaurant zum Essen in völliger Finsternis.

Um es vorweg zu nehmen: Fürchtet euch nicht! (grins) ... so lautet auch der Leitspruch unserer Stammtischrunde - mehr siehe unten

Es war ein toller Abend und wirklich ein Erlebnis der besonderen Art. Die Idee zu diesem Abend kam von unserer Stammtischwirtin Andrea, bei der Suche nach einem besonderen Ort für die diesjährige Weihnachtsfeier. Und der Anstoß: Andrea hat eine Gaststätte in Großbreitenbach und die heißt auch "Fuchsbau" … das passte ja haargenau!"

So fuhren wir am Mittwoch, dem 3. November, mit zwei privaten Fahrzeugen von Großbreitenbach nach Schmiedefeld, fast alle nicht ahnend, wohin es genau gehen würde. Erst als wir am Hotel einparkten, dämmerte es uns allmählich, dass es bald (ganz) dunkel werden könnte … und auch wurde.

Die Chefin des Hauses empfing uns sehr nett und weihte uns in die Grundregeln in ihrem "Fuchsbau" ein. Wir bekamen eine Nummer zugeteilt und durften uns entscheiden, ob wir lieber asiatisch oder klassisch essen möchten. Auch wurde wir nach Abneigungen und Allergien gegen irgendwelche Speisen oder Zutaten gefragt – was zur allgemeinen Beruhigung und meiner persönlichen Erleichterung betrug.

Anschließend ging es ab in den Keller, wo uns am "Eingang zur Nacht" die blinde Kellnerin Erika in Empfang nahm. Sie führte uns zielsicher in Dreiergruppen, in einer Art "Minipolonaise" (Hand auf die Schulter legen), zu unseren Plätzen.

Ich möchte nun nicht alles bis ins Detail schildern, sondern mich nun etwas kürzer fassen. Schließlich sollte ein jeder - der das möchte - seine eigenen Eindrücke sammeln.

Wir verspeisten in geselliger "Nachtschicht" (alles in allem dauerte etwas über 2 Stunden) eine Vorsuppe, den zuvor gewählten Hauptgang und ein süße Nachspeise und leerten dazu einige Gläser an verschiedensten (kühlen) Getränken. Denn Heißgetränke sind aus verständlichen Sicherheitsgründen tabu im "Fuchsbau".

Es war beeindruckend, mit welcher Präzision und Geschwindigkeit unsere große Gruppe, insgesamt 13 Personen, von Erika (und den sehenden Helfern außerhalb des Kellers) bedient wurden. Zumal nebenbei noch der ein oder andere aus der Runde von Erika "abgeführt" werden musste -zum freiwilligen Toilettengang.

Wir alle hatten sehr viel Spaß, es wurde reichlich gescherzt und gelacht und bis auf einige selbst verschuldete Fleckchen auf Bluse, Hemd oder Hose gab es keinerlei "Katastrophen" am ganzen, wunderschönen Abend zu beklagen. Was wir auf dem Teller hatten konnten wir uns später im Hellen auf Fotos anschauen. Es hatte aber uns allen auch im Dunkel ganz lecker gemundet. Wir sagen herzlichen Dank nach Schmiedefeld und wünschen dem tollen Team weiterhin reichlich neugierige und zufriedene Gäste!

Für alle Leser, deren Interesse geweckt wurde hier ein paar Daten für eine Kontaktaufnahme mit Familie Brandt:

Rennsteighotel "Grüner Baum"
Familie Brandt
Suhler Straße 3
98711 Schmiedefeld am Rennsteig
Telefon: (03 67 82) 7 01 95
Fax: (03 67 82) 7 01 21
Internet: http://www.gruener-baum-schmiedefeld.de (externes Angebot)

Zu guter letzt möchte ich mich persönlich und im Namen der Sonntagsrunde vom Stammtisch bei unsern netten Wirtsleuten, bei Andrea und Thomas Stuhl, vom anderen "Fuchsbau" aus Großbreitenbach, für den tollen Abend und die familiäre und freundliche Art sowie die vielen kleinen Aufmerksamkeiten über das ganze Jahr hinweg, ganz herzlich bedanken.

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Zuletzt geändert am 07.10.2012 17:50