Besuch bei dem Maler und Gartenfreund Max LiebermannVon Ruth Forschbach

Am 20.08.2011 hatten die Mitglieder der Regionalgruppe Köln die Gelegenheit zur Tastführung durch den Künstlergarten und zum Besuch der Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn.

Zwölf Mitglieder trafen sich bei schönstem Wetter in Bonn zum Rundgang mit der Kunsthistorikerin Uschi Baetz. Der Berliner Maler und Gartenliebhaber Max Liebermann (1847-1935) gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Moderne. 1910 bezog er seine Sommervilla am Berliner Wannsee. Die Gartenanlage hat Liebermann genau geplant und in über zweihundert Werken hielt er sein Paradies aus immer wieder neuen Blickwinkeln fest.

Im Rahmen der Ausstellung wurden auf dem circa 6.000 Quadratmeter großen Dach der Bundeskunsthalle Bonn die drei Hauptelemente des Wannseegartens - die Heckengärten, die Birkenallee und der Blumengarten - angepflanzt. Dafür waren Tonnen von Kies, Erde und Sand notwendig um eine Pflanzebene von ca. 25 cm über dem Laufniveau zu ermöglichen. Aus statischen Gründen ist der Besuch des Dachgartens zeitlich beschränkt: Immer nur etwa hundert Besucher zur gleichen Zeit.

Frau Baetz führte unsere Gruppe zunächst auf den Dachgarten. Sie brachte uns mit Hilfe eines taktilen Plans die künstlerisch umgesetzten Ebenen des Liebermann-Gartens nahe.

Wir erfahren die Struktur des Liebermann-Gartens mit einem taktilen Plan.Wir erfahren die Struktur des Liebermann-Gartens durch den taktilen Plan

Bei der Tastführung waren das Berühren der Pflanzen, das Ertasten der zarten Blüten- und Blätterstrukturen und das Entdecken ihres Duftes ausdrücklich erwünscht. So hatten wir im ersten der drei Heckengärten die Möglichkeit die zarten rosa-roten Rosenblätter und den fliederfarbenen Lavendel zu ertasten und den betörenden Duft zu genießen.

Im betörenden Duft zwischen Rosen und LavendelIm betörenden Duft zwischen Rosen und Lavendel"

Der zweite Garten ist ein atemberaubender Kontrast aus blauen Petunien, Salbei, Verbenen und weißem Schleierkraut und Cosmea. Auch hier konnten wir die unterschiedlichen Strukturen der Blüten mit den Fingern entdecken und unsere Nasen in die wohlriechenden Blütenköpfe stecken.

Kontrast der Düfte und der FarbenKontrast der Farben und der Düfte

Eine Symphonie in Grün ist der dritte Garten: Eiben, Hainbuchen und Gras dominieren die Fläche und bilden einen Ruhepool für alle Sinne.

Der anschließende Sommergarten bot uns eine buntblühende Sommerpracht - purpurfarbener und gelbblühener Sonnenhut, die roten Blätter der Süßkartoffeln, grüne Fette Henne, roséfarbene Purpurglöckchen und vieles mehr. Ein Dufterlebnis, das wir so schnell nicht vergessen Nebenbei: Der Dachgarten bietet zwölf Bienenvölkern eine Heimat. Der geerntete Honig kann im Museums-Shop erworben werden. Im Anschluss daran wurden in der Ausstellung drei Gartenbilder Liebermanns vorgestellt. Frau Baetz beschrieb detailgetreu die ausgesuchten Werke und die - für Liebermann typischen - "Sonnenflecken", die geprägt von wechselden Sonnen- und Schattenwirkungen entstanden sind.

Nach Beendigung der circa zweistündigen Tastführung waren wir uns einig - Ein besonderes Sinneserlebnis!

Zuletzt geändert am 19.12.2013 10:12