Sportlich - ökumenisch - inklusiv Der 5. Stadionlauf in Köln (Kirche läuft) lockte unter der Schirmherrschaft von Hannelore Kraft bei bestem Laufwetter weit über 3.000 Besucher und 1.614 Läufer und Läuferinnen an das Rhein-Energie-Stadion. Von Sandra Moqaddem

Nach einem Frühling, der sämtliche sportliche Outdoor-Aktivitäten dem Zufall überließ bis Ende Mai, hat es für uns am Sonntag, dem 02. Juni 2013 gerade noch rechtzeitig den guten Draht nach oben gegeben, denn die kalten und starken Windböen, die bei den Aufbauarbeiten immer wieder das Informationsmaterial der Stände zu Boden warfen, hatten rechtzeitig zum Beginn des Bambinilaufs aufgehört!

Auf den Jahnwiesen vor dem Stadion waren schon am Vormittag mehrere Gruppen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ihren Trainern, die sich dehnten, aufwärmten, Übungen oder Ballspiele machten. Hierzu gesellten sich die Attraktionen für die Kinder des Stadionlaufs - ein durchsichtiger Ball mit Noppen, in das die Kinder einsteigen und über die Wiesen rollen konnten; eine Kletterwand; eine Hüpfburg; ein Kindergarten mit Betreuung, so dass die Eltern sorglos am Lauf teilnehmen konnten; das Gelände für das Bobby-Car-Rennen. Auf der Bühne gab es Musikalisches, ein Tanzprogramm von Kindern und Jugendlichen, einen Zauberer, der die teilweise geschminkten Kinder nach den Läufen in seinen Bann zog, während die Erwachsenen köstliche Mandelmakronen mit italienischem Kaffee zu sich nahmen.

Rechts und links der Bühne reihten sich die Informationsstände des Behindertensportverbands, der Pronova Krankenkasse, der Lebenshilfe, der atz Blindenzeitung, von PRO RETINA, der Diakonie Michaelshoven, des DJK, der Caritas Jugendhilfe und der Gold Krämer Stiftung.

Seinen inklusiven Charakter zeigte die Veranstaltung dadurch, dass behinderte Mitmenschen als Streckenposten und auf der Streckenverpflegung und in der Zielverpflegung eingesetzt waren. Vor dem 5 km-Volkslauf gab es ein Handbike- und Rollstuhlrennen. Auch konnten auf einem Parcours Rollstühle Probe gefahren werden. Am Lauf haben Gehörlose teilgenommen, die den Startschuss der Pistole optisch übermittelt bekamen. Schließlich konnten Sehbehinderte und Blinde mit einem gestellten Begleitläufer mitlaufen.

Elmar Sprink, der seit Sommer letzten Jahres mit einem transplantierten Herzen lebt und kurz nach der Rehabilitation wieder mit dem Ausdauersport angefangen hat, fuhr das Radrennen "Skoda Velodom 2013" Rund um Köln und lief auch bei diesem Lauf mit. Sein sportliches Engagement ist ein deutliches Zeichen für ein erfülltes Leben und eine Leistungsfähigkeit nach einer Organspende, ohne die er sicher nicht das letzte Jahr überlebt hätte.

Ein nettes Symbol ist auch der Family&friends-Lauf, bei dem sich ein Team an den Händen hält und mit gleicher Geschwindigkeit gemeinsam ins Ziel einläuft.

Läufe wurden für alle Altersklassen und Trainingsstände angeboten. Zu Beginn des Laufs gab es ein Jingle als Impuls und einen kurzen Impuls des Pfarrers. Mein Begleitläufer erzählte mir, dass an verschiedenen Stellen auf der Strecke Plakate mit Mut machenden Bibelversen aufgestellt waren.

Angefangen vom 500 m Bambinilauf für die Kindergartenkinder, den 2-km-Schülerlauf, dem 1 km Rollstuhl- und Handbike-Rennen, dem 5 km Volkslauf, dem 5 km Pax-Bank Family&Friends-Lauf über einen 10 km-Lauf bis zu einem 10-Meilen-Lauf.

Unser InformationsstandInformationsstand der Regionalgruppe Köln der PRO RETINA.

Am Informationsstand hatten wir wieder viele verschiedene interessante Kontakte. Broschüren, Flyer und Simulationsbrillen fanden reges Interesse. Selbst ein Optiker kam vorbei. Dank iPhone konnten wir in Beratungsgesprächen sofort nützliche Adressen weitergeben.

Der Lauf war für uns nichts Neues mehr. Aber wie immer, egal ob Radrennen oder Laufveranstaltung, kam im Startblock bei allen Beteiligten eine Anspannung auf, Konzentrieren, Sammeln, Lockern, so ein gewisses elektrisierendes Etwas, das atmosphärisch in der Luft lag. Man wartete förmlich auf die Erlösung, den Startschuss, das Losgelassen-Werden in den Wettkampf. Locker trabten wir die ersten Meter an. Das Tempo zog sodann gleich an und jeder lief nach seinem inneren Bauchgefühl seine persönliche Höchstleistung.

Die Strecke führt flach und stolperfrei, beginnend an den Jahnwiesen, über Asphalt und Waldwege durch den Kölner Stadtwald. Plötzliche Lichtwechsel zwischen Wald und Wiesen oder Kurven machten ja nichts, ich hatte die Sicherheit meines Begleitläufers. Auch dieses Jahr war die Kommunikation perfekt. Nicht schlecht erstaunt waren wir, als uns nach etwa einem Drittel der Strecke ein Schüler auf einem Fahrrad, ein MTB war es wohl, überholte, sich umdrehte und mir "Hallo, Frau Moqaddem!" zurief. Das Geheimnis wird wohl nie gelüftet werden, wer dieser Junge war.

Die Strecke ist während des Wettkampfs nur für diesen freigegeben und für andere Teilnehmer gesperrt, jedoch können diese Wege im Stadtwald kreuzen. Wie üblich (bei Radrennen sind das Polizeifahrzeuge, Fahrzeuge des Sponsors, Mechaniker, Motorräder oder der allseits beliebte Besenwagen) sind auch hier Begleitfahrzeuge unterwegs, allerdings als Hollandräder, Mountainbikes oder Rennräder - als Vorhut, mittendrin oder als "Besenwagen".

Sehr angenehm ist es, im Wald die Frische der Bäume und den Schatten zu spüren und gute Waldluft einzuatmen, das hat doch einen gewissen Erholungsfaktor. Umso mehr spürt man die Sonne auf den Wiesen als zusätzliche Herausforderung - wie die Franzosen richtig sagen "Cela tape sur le système" (etwa frei: das schlägt dich, macht dich nieder, ist eine Belastung für den Körper). Doch bald hörten wir wieder die Sambagruppe, die brasilianisches Ambiente an den Weiher zauberte - wie schon auf den ersten hunderten von Metern des Laufs - näher kommen. Das beflügelte auch auf den letzten Hunderten von Metern ! Wir wussten, das Ende des Rundkurses ist bald erreicht. Schon wurde es insgesamt lauter, der Zielbereich wird bald erreicht sein.

Sandra Moqaddem mit BegleitläuferSandra Moqaddem mit Begleitläufer beim Zieleinlauf.

Um die Ecke gelaufen, gab es einen Händedruck, es war klar: Wir machen noch mal so etwas wie einen Zielsprint !

Ich lief in etwa die Zeit aus dem letzten Jahr - 35:24 (Die zehn Sekunden Differenz gingen für den zweiten Becher Wasser drauf!). Im Vergleich zu den Läufern und Läuferinnen der Siegerehrung mit etwa 16 und 17 Minuten sicher nichts Besonderes, aber eben meine persönliche Bestleistung - und das macht den Charme von Jedermann-Wettkämpfen aus: Dabei sein, Spaß haben, das Beste geben, alles richtig machen, nicht überziehen ! Es sieht so aus, dass ich mich von Bewegungsabläufen und Muskeln bereits an den Radsport angepasst habe mit mehreren tausend gefahrenen Kilometern auf dem Tandem und genau so vielen indoor - macht nichts, Hauptsache: Spaß gehabt, die Ausdauer umgesetzt.

Eine glückliche Frau Riedlowski mit Läuferinnen vor dem InformationsstandEine glückliche Frau Riedlowski mit Läuferinnen vor dem Informationsstand

Beeindruckend ist das Ergebnis von Frau Riedlowski aus der Regionalgruppe Köln: In ihrer Altersklasse über 70 Jahre belegte sie den ersten Platz mit 43:33 Minuten !

Weitere Infos: (externer Link) Internetpräsenz Stadionlauf Köln / Kirche läuft

Zuletzt geändert am 19.12.2013 10:25