Nachrichten der Regionalgruppe Düsseldorf

Nachricht vom 27.02.2017Langstockfische in Timmendorf

Einen Monat vor Heiligabend besuchten wir, die sich zum Mobilitätstraining in Timmendorf eingefunden hatten, die Ostseestation Priwall in Travemünde. ...weiterlesen

Zuletzt geändert am 01.03.2017 15:21

Nachricht vom 9.06.2015Viel gelernt und gelacht in Timmendorfer Strand

Anfang April war es endlich soweit: An einem Donnerstagmorgen traf sich unsere Regionalgruppe mit 16 mehr oder weniger blinden und sehbehinderten Mitstreitern am Düsseldorfer Hauptbahnhof mit Sack und Pack, also mit Koffer und Blindenstock. Das war schon ein kleines Abenteuer mit solch einer großen Gruppe am wuseligen Bahnhof den IC zu stürmen, aber als wir erstmal alle Gepäckstücke verstaut, und unsere Plätze eingenommen hatten, fing der gesellige Teil der Fahrt an. Schnell waren wir alle in Gespräche verwickelt: Wie zufrieden ist der eine mit dem neuen Vorlesegerät und wie läuft es bei der anderen mit der Hilfsmittelausstattung am Arbeitsplatz und wo könnte der nächste Urlaub hingehen und welche Episoden gibt es aus dem alltäglichen Leben zu berichten.

Nach etwa sechs Stunden Fahrt und zwei Zugwechseln mit Kofferumschichtungsaktionen wurden wir am Bahnhof von Timmendorfer Strand von der Gästebetreuerin des Aura-Hotels fröhlich begrüßt. In dem speziell für die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten Menschen angepassten Hotel bezogen wir unsere Zimmer und fühlten uns schnell wohl. Aber viel Zeit zum Relaxen und Seeluft genießen war noch nicht, denn direkt abends starteten wir in den "offiziellen" Teil der Seminarreise. Unter dem Motto "Souverän und glücklich leben mit einer Behinderung" startete das Seminar unter der Leitung von Heike Hermann-Hofstetter mit einer Vorstellungsrunde und einem Einblick auf die Inhalte. Heike Hermann-Hofstetter ist niedergelassene Heilpraktiker Psychotherapeutin in Marbug und u. a. Herausgeberin des Buches "Blinde Schönheit", und die Initiatorin von "Captain Handicap".

In Workshops ging es ans "Eingemachte"

In einer offenen Atmosphäre sprachen alle Teilnehmer über persönliche Erfahrungen und so bekamen wir alle schnell tiefe Einblicke in die Schicksale des Einzelnen und die persönlichen Bewältigungsstrategien und offenen Fragen, die man so mit sich herumträgt. Das ein oder andere Gespräch wurde mit in die hauseigene Bar genommen und bei Bier oder Cocktail fortgeführt. Am nächsten Morgen ging es direkt weiter mit dem Seminar. Heike erklärte uns die sieben Phasen der Krisenbewältigung und das Konzept der klientenzentrierten Beratung. Dies gestaltete sie sehr anschaulich indem sie auch eigene Episoden aus ihrem Leben berichtete. Nach der Mittagspause ging es dann ans "Eingemachte". In drei Workshops gingen wir an die Fragestellungen: Leben mit einer degenerativen Seheinschränkung, Älterwerden mit einer Sehbehinderung und Blindheit vs. Schönheit. Hier war für alle ein spannendes Thema vorhanden und in den Gruppen wurde anhand von vorgegebenen Fragestellungen diskutiert und hinterher im Plenum die Ergebnisse vorgetragen. Der Tag verging wie im Flug und in einer Feedbackrunde hat jeder für sich ein Résumé gezogen, was ihm besonders gut gefallen hat und was er vielleicht für sich persönlich mitnehmen wird. Der Tenor war bei allen gleich: SUPERTOLL!

Für unser Zusammengehörigkeitsgefühl war dies ein tolles Gruppenerlebnis und Heike hat uns als Leiterin noch ein paar gute Denkanstöße gegeben. Dafür ein ganz herzliches Dankeschön. Beschwingt durch den erbauenden Tag stürzte ich mich abends noch in die Fluten, allerdings nicht von der Ostsee, aber der Regen war so stark, dass der Spaziergang in eine Ganzkörper-Dusche inklusive Klamotten-Schnellwaschgang ausartete. Aber die frische und klare Seeluft hat es noch zu einem tollen Erlebnis gemacht. Um so schöner war der gesellige Abend mit den trockenen Ersatzklamotten. Der nächste Tag begann mit einer internen Runde und war Ausklang des Seminars: Einhellige Meinung war, dass wir dies wiederholen wollen! Der Nachmittag war für einen Ausflug nach Travemünde vorgesehen und tatsächlich hatte der Wettergott Erbamen und der Regen hörte pünktlich zum Beginn unserer Wanderung auf. Entlang der Ostsee führte uns ein etwa zehn Kilometer langer Wanderweg entlang von teilweise abgestürzten Steilküsten durch die Natur und über die lange Promenade hinein nach Travemünde. Ein Teil der Gruppe bevorzugte die Anti-Blasen-Variante und fuhr mit dem Bus nach Travemünde um dort eine kleine Bootsfahrt durch den Hafen zu genießen. Zurück ging es für alle mit dem Bus, wobei wir in der letzten Teiltruppe leider den Busfahrer mit Rennfahrer-Ambitionen erwischten und unsere Mägen ganz schön durchgeschüttelt wurden. Prompt fand dies auch einen Auslöser bei einer Mitreisenden, die den Abend dann leider mit Kamillentee und Zwieback beenden musste.

Mann und Marzipan in Lübeck

Dann kam auch schon der Sonntag mit ebenfalls durchwachsenem Wetter, wobei wir den stärksten Regenguss glücklicherweise im Inneren des Busses verbrachten, der uns zu einer speziellen Führung für Blinde und Sehbehinderte nach Lübeck brachte. Durch die historische Altstadt mit den verwinkelten Gassen und schönen Kirchen vorbei an dem Buddenbrock-Haus und der ehemaligen Schule von Thomas Mann bekamen wir alle einen plastischen und bildlichen Eindruck von dieser tollen Stadt. Den kulinarischen Abschluss machten wir mit einem Stück Marzipantorte im berühmten Niederegger-Café.

Und dann war der Abreisetag auch leider schon gekommen. Einige letzte Stunden verblieben noch, die wir in Timmendorfer Strand, am Niendorfer Hafen oder einfach nur auf der Promenade im warmen Sonnenschein genossen, und dann hieß es Abschiednehmen von der klaren Ostseeluft, den herzlichen und lieben Mitarbeitern des Aura-Hotels und der unbeschwerten Atmosphäre dort, in der man sich vorurteilsfrei unter Gleichgesinnten bewegen kann.

Die Rückfahrt überstanden wir ohne größere Zwischenfälle und landeten gegen halb elf Uhr zurück in der Heimat. Müde aber glücklich machte sich jeder auf den Heimweg und wir waren uns alle einig: Das müssen wir bald wiederholen.

An dieser Stelle ein ganz großes und herzliches Dankeschön an die AOK Rheinland, die durch Ihre Geschäftsstelle in Düsseldorf unserer Gruppe durch eine finanzielle Förderung dieses tolle Projekt ermöglicht hat. Ohne diesen Zuschuss hätten wir diese Seminarreise nicht in diesem Rahmen aufstellen können und jedem Einzelnen von uns wären viele großartige Erfahrungen entgangen!

Düsseldorf im April 2014, Britta van Hall

Zuletzt geändert am 15.06.2017 23:07