Berichte der RG Hannover

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Bericht von der Fahrt zur Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer nach Winzlar am 23.09.17

(Von Christian Schulte)

Bereits 2016  hatte es zwei Natur-Erlebnistouren mit der Diplom-Biologin Sieglinde Fink gegeben. Veranstaltet wurden sie, wie auch diese Fahrt von der Region Hannover in Kooperation mit der PRO RETINA Hannover und dem Blindenverband Niedersachsen (BVN). Im Vorfeld hatte ich die Möglichkeit, meine Ideen in die Planung einfließen zu lassen und nahm wieder die Anmeldungen entgegen.

An diesem Samstag trafen sich um kurz vor ca. 9:50 Uhr 13 Sehbehinderte mit ihren Begleitpersonen und Sieglinde Fink und Astrid Eblenkamp von der Region Hannover vor dem Hauptbahnhof Hannover. Das Altersspektrum reichte dank der Enkelinnen von Marlis Nolting von sechs bis über 70 Jahren. Die Erlebnispädagogin, die uns eigentlich hätte begleiten sollen, hatte kurzfristig abgesagt. Aber auch so klappte die Umsetzung sehr gut. Nachdem wir Zweiergruppen gebildet hatten, ging es zu dem Gleis, wo der Regionalzug pünktlich startete. In Wunstorf stiegen wir in einen Linienbus um. Die längere Fahrt führte uns u. a. durch Steinhude und Hagenburg bis nach Winzlar. Von Steinhuder Meer sah man leider nichts. Die Gegend ist sehr ländlich geprägt. Winzlar liegt am südwestlichen Rand des Sees.

Nach einem nicht allzu langen Fußweg kamen wir an einem ehemaligen Bauernhof am Ortsrand an, in dem sich seit 1991 die Ökologische Schutzstation befindet. Hier finden regelmäßig Schulungen für Kinder, aber auch für Menschen statt, die sich im Bereich Umwelt- und Naturschutz engagieren. In einem Nachbargebäude legen einige junge Leute, die sich z. B. im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres hier für ökologische Projekte einsetzen, in einer Wohngemeinschaft. Es begrüßte uns Elke Schmidt, die sich hier ebenfalls einsetzt. Sie zeigte uns einen Teil des Gebäudes, in dem sich neben einer Küche auch ein Wintergarten befindet. Durch eine Tür kommt man direkt auf die Terrasse, auf der Holztische und Holzbänke stehen. Dort nahmen wir Platz.

Nachdem wir uns alle vorgestellt hatten, erzählte Elke Schmidt etwas über die Schutzstation. Dann ging Sieglinde Fink mit einigen von uns über eine Wiese mit Obstbäumen in einen Bauerngarten. In ihm standen neben einigen Blumenstauden auch viele Gewürzpflanzen. Wir rochen und ertasteten einige davon. Unsere Aufgabe bestand darin, frische Salbeiblätter für einen entsprechenden Tee zu pflücken. In der Küche wurden sie gewaschen und danach wurde heißes Wasser aufgegossen. Nachdem der Tee einige Minuten gezogen hatte, konnten wir ihn, der gut gegen Erkältungen hilft, trinken.

Anschließend führte uns Elke Schmidt zu einem Lehmofen, der ca. 1,20 Meter lang war, und sich unter einer Überdachung aus Dachziegeln befindet. Aus Hobelspänen und trockenen Pflanzenstielen entfachte sie am Anfang des Ofens ein Feuer. Durch nachlegen von Holzscheiten in den hinteren Bereich des Ofens erweiterte sich das Feuer. Der Rauch zog nach hinten ab.

Danach erkundeten wir unter Führung von Sieglinde das Gelände. Neben Obstbäumen gibt es hier auch etliche Weiden und eine Art „Klassenzimmer“ mit Sitzbänken, welche vollständig von Bäumen und Sträuchern umgeben sind, für Kinder. Außerdem stand hier ein viereckiges Gebilde, an dem ein Instrument  an dem Stämme unterschiedlicher Holzarten hingen. Mit einem Holzstab konnte man dagegen schlagen. Jeder Stamm erzeugte ein unterschiedliches Geräusch. Auch konnte man an einer Seite in Öffnungen fassen und diverse Holzarten und Tierfelle ertasten. Es befindet sich auf dem Gelände auch ein Gehege, in dem sich normalerweise Hühner aufhalten. Stattdessen hörten wir einen Frosch quaken, -Während des Rundgangs pflückten wir Beeren und etliche Äpfel.

Als wir wieder auf der Terrasse angekommen waren, schnitten einige Äpfel zu Scheiben, Manfred Bressel entkernte viele. Andere stellten mit Elke Schmidt unterdessen im Wintergarten einen Teig aus Hefe, Salz, Wasser und Dinkelmehl her. Dieser musste erst einige Zeit ruhen, bevor er weiter verarbeitet werden konnte. Ein paar aus der Gruppe formten daraus kleine Brötchen, sowie  Apfel- und Schafskäse-. Taschen. Ich füllte inzwischen die entkernten Äpfel mit dem Teig, in den Rosinen und Mandelsplitter gemengt wurden. Außer dem fettete ich die Backbleche ein. Mit den ersten Erzeugnissen gingen wir zum Backofen. Elke Schmidt holte die Glut heraus und schob die ersten Bleche hinein. Der Ofen wurde dann luftdicht verschlossen. Schon nach kurzer Zeit konnten wir die ersten Backäpfel und Brötchen mit Kräuterbutter genießen. Die Kräuter,  wie z. B. Salbei, Thymian und Kapuzinerkresse-Blätter hatten wir zuvor im Garten geerntet und zerkleinert. Dazu tranken wir selbstgemachten Punsch. Anschließend gab es noch die Apfel- und Ziegenkäse-Taschen zu kosten.

Dabei führten wir interessante Gespräche Auch das Wetter hatte sich gebessert. Nachdem es zuvor recht neblig war, setzte sich am frühen Nachmittag immer mehr die Sonne durch. Ein Teil der Gruppe ging danach noch zu einer Ausstellung über das Steinhuder Meer in einen anderen Teil des Gebäudes. Da Sieglinde etwas geschafft war, führte uns eine junge Dame durch den Raum. Hinter Glas sah man einige ausgestopfte Vögel, wie z. B. einen Seeadler, einen Fischadler, einen Kranich und einen Fischreiher. An den Wänden befinden sich viele Infos, die wir aber nicht lesen konnten. Da die Zeit etwas drängte, verließen wir die Ausstellung schon bald wieder und gingen gemeinsam zur Bushaltestelle zurück.  Mit dem Bus und Zug ging es für die meisten dann wieder nach Hannover zurück. Nur ich stieg in Wunstorf in den Zug nach Bückeburg.

Wir haben an diesem Tag etliche neue Erfahrungen sammeln können, und einige neue Leute kennen gelernt. Auch für die beiden Mädchen war es interessant. Nur das Riechen und Ertasten von Pflanzen kam nach meinem Empfinden etwas zu kurz. Allerdings steht auch fest: Mit Teamwork und etwas Unterstützung können auch Sehbehinderte mit verschiedenen Dingen aus dem Garten eine ganze Menge leckerer Speisen und Getränke zubereiten. Soweit ich gehört habe, hat es allen recht gut gefallen.

Bericht über die Fahrt nach Minden am 12.08.17 zum Wasserstraßenkreuz

(von Christian Schulte)

An diesem Samstag trafen sich bei teils regnerischem, teils trockenem Wetter 20 Menschen mit Seheinschränkungen und Begleitungen vor dem Hauptbahnhof Hannover. Nachdem der Regionalgruppenleiter Manfred Bressel die anwesenden begrüßt hatte, führte er sie durch den Bahnhof zu dem Gleis, wo um 11:09 Uhr der Regionalzug nach Minden startete. Er war pünktlich und auch alle Angemeldeten hatten sich diesmal eingefunden.

Da ich in Rinteln wohne, wollte ich mit meinem Vater nach Bückeburg mit dem Auto fahren, um dort zuzusteigen. Wegen eines Unfalls hatte sich auf der B 83 ein größerer Stau gebildet, sodass wir eine längere Umleitung fahren mussten. Zum Glück erwischten wir die Bahn trotzdem gerade noch rechtzeitig, sodass ich dort auch alle Gruppenmitglieder begrüßen konnte.

Schon beim nächsten Halt waren wir in Minden. Am Bahnsteig warteten schon Jürgen Schulz, der direkt aus Nienburg hingefahren war, als auch eine siebenköpfige Gruppe aus Bielefeld und Umgebung um deren Leiter Konrad Gerull. Bei Nieselregen gingen wir dann gemeinsam über die Weser in die Weststadt und durch einen bewaldeten Stadtwall zum Lokal Schiffmühle an der Weser, wo ich Tische für uns reserviert hatte. Dort warteten schon Carmen und Wolfgang aus Holzminden, die mit dem Auto direkt dorthin gefahren waren. Da ich die gewünschten Gerichte schon vorbestellt hatte, mussten wir nicht lange darauf warten. Dazu gab es interessante Gespräche. Soweit ich gehört habe gefiel es der Gruppe dort recht gut.

Inzwischen hatte sich auch Horst Kiekhäfer, ein Bekannter von Manfred, dort eingefunden, der uns später durch die Mindener Innenstadt führen sollte. Nachdem wir gezahlt hatten, machten wir uns zusammen mit einer vierköpfigen Gruppe aus Bückeburg, die ebenfalls direkt nach Minden gekommen war, auf den Weg zum Schiffsanleger an der Weser-Promenade. Dort sollte eigentlich um 13:30 Uhr eine Schiffsrundfahrt zum Wasserstraßenkreuz beginnen. Das Schiff hatte aber etwas Verspätung. So hatte die genug Zeit, um das eingesammelte Geld dafür zu zählen. Insgesamt nahmen 37 Personen an diesem Treffen teil (so viele wie noch nie zuvor in über 17 Jahren).

Nachdem wir das Schiff bestiegen und wegen des Regens im unteren Bereich Platz genommen hatten, ging es auf der Weser Richtung Norden. Der Kapitän schilderte uns, was sich links und rechts des Flusses befindet. Zunächst kamen wir an der historischen Fischerstadt vorbei. Nach wenigen Kilometern fuhr das Schiff in eine Schleuse (85 x 10 Meter). Damit es auf den 13 m höheren Mittellandkanal gehoben werden konnte, mussten ca. 7 Millionen Liter Wasser in die Schleuse gelassen werden. Dies dauerte ca. eine Viertelstunde. Der Kapitän berichtete, dass in Kürze eine größere Schleuse in Betrieb gehen solle, da immer längere Schiffe auf der Weser unterwegs sind.

Auf dem Mittellandkanal fuhren wir Richtung Hannover zum Osthafen. Dieser Kanal wurde vor ca. hundert Jahren künstlich angelegt, um den Rhein mit der Weser und der Elbe zu verbinden. Da er keinen natürlichen Wasserzulauf hat, wird immer Wasser der Weser dort hineingeleitet. Auch deshalb befindet sich dort ein größeres Pumpwerk. Mit 326 km ist er der längste Wasserkanal des Landes. Am Endpunkt gab es eine halbstündige Pause, in der Fahrgäste ein- und ausstiegen und wir uns näher unterhalten konnten. Ich zeigte die Fotos von der Fahrt nach Detmold. Von dort ging es dann in eine weitere Schleuse, die uns sechs Meter tiefer auf die Höhe des Industriehafens brachte.

Da der Regen inzwischen aufgehört hatte gingen einige von uns nach oben auf das Deck. Hier hatte man einen besseren Ausblick. Schon nach kurzer Zeit kamen wir an eine Brücke über die Autos fuhren. Sie war einige Meter tiefer als das Schiff. Wir waren gespannt, wie wir hier durchkommen sollten. Durch eine dritte Schleuse verloren wir nach und nach weitere sechs bis sieben Meter an Höhe und waren wieder auf der Weser. Wegen eines technischen Defekts dauerte das Entfernen des Wassers aus der Schleuse länger als geplant, sodass wir erst nach 16 Uhr wieder an der Weser-Promenade ankamen. Die Schifffahrt fanden alle ganz gut. Leider konnten wir, als wir auf dem Mittellandkanal über die Weser fuhren nicht auf den Fluss hinunterschauen.

Etwa die Hälfte der Gruppe wollte dann zum Bahnhof gehen, um mit dem nächsten Zug zurückzufahren. Den anderen Teil von uns führte der Stadtführer Horst Kiekhäfer an der Promenade entlang und erzählte uns dabei etliche historische Fakten über die 85.000 Einwohner/innen zählende Stadt in Westfalen. Auf der anderen Seite der Weser befindet sich Kanzlers Weide, wo früher ein Kloster mit einer Kanzel stand. Bei klarem Wetter hätten wir von hier die Weserberge mit dem Porta-Turm sehen können. Durch die Wallanlagen gingen wir zum Theater in der über 1.200 Jahre alten Innenstadt. Danach kamen wir zum Marktplatz, an dessen Ende sich das ca. 800 Jahre alte Rathaus befindet. Es gibt dort etliche schöne Bauwerke, allerdings nur relativ wenige Fachwerkhäuser.

Von hier kamen wir bald auf den kleinen Domhof, hinter dem sich der um 1150 erbaute große Dom befindet. Hier erzählte uns Horst Kiekhäfer viel über die Geschichte der Gegend um Minden, welche früher einmal eine Hansestadt war. Hier hatten sich ein Bischof und der Kurfürst von Lippe niedergelassen. Er berichtete auch, dass diese Gegend und das angrenzenden Niedersachsen einmal das ursprüngliche Sachsen waren, während das jetzige Sachsen eher eine Kolonie war. Direkt vor dem Dom ist ein Relief platziert, auf dem wir die Gebäude der Altstadt ertasten konnten. Nancy Ebeling las uns Infos dazu vor, die dort in Braile-Schrift stehen.

Bald waren wir wieder in der Nähe der Weserbrücke angelangt, über die wir am Vormittag gegangen waren. Davor befindet sich ein Denkmal des Kurfürsten. Nachdem der Stadtführer einen Extra-Applaus bekommen hatte, gingen wir zum Bahnhof zurück. Während der Führung war es trocken, als wir am Bahnhofsvorplatz ankamen, kam sogar etwas die Sonne zum Vorschein.

Mit dem pünktlich um 18:08 Uhr eingetroffenen Zug fuhren wir wieder zurück. Auch die Bahn der Gruppe aus Bielefeld kam bald. Obwohl das Wetter nicht so ganz optimal war, hat es den allermeisten gut gefallen und es war für sie ein interessantes Erlebnis.

Bericht von der Fahrt ins Freilichtmuseum Detmold am 17.06.17

(Von Christian Schulte)

An diesem Samstag versammelte sich eine Gruppe von Menschen mit Seheinschränkungen unterschiedlichen Alters um kurz vor 10 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover. Manfred Bressel und seine Frau Sabine nahmen die Anwesenden in Empfang und führen sie zu dem Gleis, auf dem der Zug pünktlich startete. Mein Vater und ich stiegen in Bückeburg zu. Wir fanden uns ohne Probleme. Leider waren zwei junge Männer nicht gekommen, ohne abzusagen. Die Suche nach ihnen im Menschengewühl verursachte etwas Stress. Während der Zugfahrt sagte ich per Handy ihre bestellten Mittagessen ab. Da es noch rechtzeitig war, entstanden keine zusätzlichen Kosten. Allerdings finde nicht nur ich als Gruppenleiter ein solches Verhalten nicht okay. Wegen vieler kurzfristiger Absagen nahmen statt ursprünglich 23 nur elf Personen an dem Ausflug teil.

Der Umstieg in Herford klappt perfekt. Als ich am Vortag die Strecke ausgekundschaftet hatte, hatte der Zug von Herford nach Detmold 45 Minuten Verspätung. Als wir gegen 12 Uhr in Detmold ankamen, fanden wir dank der Vorarbeit gleich den Bussteig, an dem der Linienbus uns bis kurz vor das Freilichtmuseum brachte, welches außerhalb der Innenstadt recht ländlich am Rande des Teutoburger Waldes liegt.

Nachdem wir am Eingang die Formalitäten erledigt hatten, gingen wir zu dem Platz, an dem uns ein Planwagen, der von zwei Pferden gezogen wurde, über das ca. 90 Hektar große Gelände zum Restaurant „Im weißen Ross“ am anderen Ende bringen sollte. Unsere Führerin Sabine Böttcher erwartete uns schon, wir trafen vorab einige Absprachen und auch der Planwagen ließ nicht lange auf sich warten. Nicht nur ich machte eine solche Fahrt das erste Mal mit. Die beiden Pferde mussten sich teils ganz schön ins Zeug legen, um die starken Steigungen zu schaffen. Der Kutscher erklärte uns, was links und rechts des Weges zu sehen war. Es waren Bauernhöfe bzw. Fachwerkhäuser, aber auch viele Wiesen, Äcker, zwei Baumalleen und eine Windmühle.

Gegen 13 Uhr kamen wir beim Restaurant an. Es befindet sich in einem Bauernhaus aus dem Hochsauerland, welches 1696 erbaut wurde. In der Diele befanden sich viele voll besetzte Tische. Wir bekamen einen Extraraum und auch die meist gut schmeckenden Gerichte wurden recht schnell serviert. Um 14 Uhr kam Frau Böttcher und die Führung konnte wenig später in jenem Paderborner Dorf beginnen. Das Wetter war währenddessen okay, es war zwar bedeckt und etwas frisch, regnete aber nicht.

Wir erfuhren, dass fast alle ca. 120 Gebäude auf dem Gelände im 16. – 18. Jahrhundert im Großraum Paderborn, welcher bis Minden reichte, und im Sauerland gestanden hatte. In den 1960er Jahren wurden sie dort abgebrochen, restauriert und im Freilichtmuseum wieder aufgebaut. Die Eröffnung fand im Jahr 1971 statt, danach kamen immer mehr Häuser dazu. Zunächst gingen wir an einer Mauer entlang, hinter der sich mal ein Pastorat befand.

Wir kamen zu einem größeren Bauernhof im Fachwerkstil mit einem Misthaufen vor dem großen Eingangstor aus Holz. Links und rechts davon befinden sich zwei kleine Türen, durch die jeweils die Pferde und Kühe in die dahinterliegenden Ställe kamen. In der Mitte war eine große, hohe Diele, in die die Erntewagen einfahren konnten. Das Heu wurde vom Wagen auf den über den Ställen gelegenen Speicher verfrachtete. Frau Böttcher sagte, dass das Land damals fast allein im Besitz des Bischofs von Paderborn war. Die Bauern mussten 10 % ihrer Ernte an ihn abgeben. In den Ställen fanden wir die Pferde, die uns zuvor gezogen hatten. Wir durften sie streicheln. In der Diele befinden sich auch einige Arbeitsgeräte von damals. In dem Anbau dahinter wohnten die Bauernfamilien . Man konnte in die Räume schauen, Frau Böttcher beschrieb auch die Möbel, die dort stehen, allerdings konnten wir sie wegen einer Glasscheibe vor der Tür nicht betreten.

Direkt hinter dem Haus ist ein Garten mit diversen Kräutern, Gewürzpflanzen, Bohnen, anderem Gemüse, und auch einigen Blumen angelegt. Zum Bauernhof gehört auch eine Leibzucht. Diese ist ein kleines, nicht gut eingerichtetes Haus, in dem die Eltern des aktiven Bauern lebten. Verstarben sie, wurden die Räume an sozial Schwache vermietet. Man konnte damals die Gebäude zwar mit Feuer heizen, in den strengen Wintern gab es im Haus aber trotzdem Minusgrade. Deshalb waren die Menschen oft erkältet. Frau Böttcher sagte, dass die Betten damals zu klein waren, weil die Leute wegen ihrer Atemwegserkrankungen im Sitzen schliefen.

Wir gingen dann zu einem großen, fast schon luxeriös wirkenden Haus. Auch innen war es feudaler eingerichtet, es gab einen großen Eingangsraum, einen Empfangssaal und ein Musikzimmer. Leider war dann die 90-minütige Führung schon fast beendet. Frau Böttcher brachte uns noch zum Lokal zurück. Sie führte uns an einem Dorfteich vorbei, der Wasserzulauf von einigen Bächen erhielt. Bevor wir Kaffee tranken und Kuchen aßen, bedankten wir uns noch mit einem Extra-Applaus für die tolle Führung.

Nach dem Kaffeetrinken ging es dann den ca. drei Kilometer langen Weg zu Fuß zurück zum Eingangsbereich. So lernten wir das Gelände noch etwas intensiver kennen, konnten es aus Zeitgründen aber nicht komplett „erforschen“. Da wir früher als erwartet am Eingang ankamen, gingen Andrea Kölle-Wellbrink und ich noch einen steilen Weg hinauf zum Osnabrücker Hof, in dem sonst oft Führungen für  Blinde und Sehbehinderte stattfinden.

Hier hatten wir viel eher die Möglichkeit, bestimmte Dinge zu ertasten. In der geräumigen, dunklen Diele stand ein Heu-Erntewagen mit großen Holzrädern. Es gab hier auch eine Feuerstelle mit einer Essecke. Über eine Holztreppe gelangten wir ins Schlafzimmer. Hier stand ein Doppelbett in Form eines Himmelbetts mit Kissen und Bettdecke. Daneben war eine Wiege aufgebaut. Zudem gab es zwei Wäschetruhen und einen mit Schnitzereien verzierten Kleiderschrank.  Beim Haus war auch ein Gemüsegarten in ähnlichem Stil wie vorhin beschrieben, angelegt und es gab ein kleines Gebäude für Ackergeräte. Man konnte sich etwa ausmalen, wie die Leute früher gelebt haben. Es war wohl weniger stressig, aber körperlich deutlich anstrengender als heute.

Vor dem Eingang trafen wir wieder auf die anderen Teilnehmenden und gingen mit ihnen zusammen zur Bushaltestelle. Wir nahmen einen Bus früher zum Bahnhof und sahen währenddessen viel von der Kreisstadt im Landkreis Lippe. Auch der Zug zurück kam pünktlich und der Umstieg in Herford klappte trotz wenig Zeit gut. So kamen alle wieder gut zu Hause an. Es hat allen gut gefallen und war ein schöner Tag für uns. Wir hatten reichlich Gelegenheit uns auszutauschen. Alle, die nicht dabei waren, haben definitiv etwas verpasst. Es kann aber sein, dass wir noch einmal dorthin fahren, um den Rest des großen Areals zu erkunden.

Bericht über die gemeinsame Fahrt mit der BVN-Jugendgruppe nach Einbeck am 20.05.17

(von Christian Schulte)

Durch einen Vorschlag von Nancy Ebeling, die sowohl an Treffen unserer Sehbehindertengruppe, als auch an Aktivitäten der BVN-Jugendgruppe teilnimmt, nahm ich Kontakt mit dem dortigen Leiter Stefan Kopper auf. Er plante für diesen Tag eine eigene Stadtführung durch seine alte Heimatstadt Einbeck.

Deshalb trafen sich am Samstag, dem 20. Mai Teilnehmende beider Gruppen (neben Nancy und ihrem Freund Michael ist auch Kevin Bobbert Doppelmitglied) um 8:10 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover. Das Wetter war heiter bis wolkig und für eine solche Unternehmung weder zu heiß noch zu kalt.

Nachdem wir uns etwas bekanntgemacht, und Zweiergruppen gebildet hatten, gingen wir zu Gleis 3, wo eigentlich um 8:33 Uhr der Metronom Richtung Einbeck-Salzderhelden starten sollte. Leider wurde die Ankunftszeit immer weiter nach hinten verschoben. Wir wurden immer nervöser, da wir durch die Verspätung auch nicht den Linienbus bekamen, der uns in die Einbecker Innenstadt bringen sollte. Stefan telefonierte sowohl mit seinen Eltern aus Einbeck, als auch mit dem PS-Speicher, in dem die erste Führung schon um 10:45 Uhr starten sollte. Auch mussten wir Willi Homeier aus Einbeck, der uns an der Bushaltestelle abholen wollte, via Smartphone mailen, dass wir später kommen.

Der Zug trudelte satte 50 Minuten später ein, da wegen des Gewitters am Vorabend Oberleitungen zwischen Uelzen und Celle beschädigt waren. Als wir am Bahnhof Salzderhelden ankamen, stand dort schon der Bus, der einen Teil von uns und eine Gruppe von älteren Menschen in die Innenstadt fahren sollte. Der andere Teil der Gruppe fuhr mit den Autos von Stefans Eltern/Verwandten direkt zum PS-Speicher. So konnte deren Führung ohne große Verspätung noch vor 11 Uhr beginnen. Wir fuhren mit dem Bus bis zum Möncheplatz in der City, nahmen Willi Homeier in Empfang und gingen zu Fuß zum PS-speicher etwas außerhalb der Innenstadt.

Nachdem wir unsere Sachen verstaut hatten, konnte unsere zweite Führung beginnen. Dazwischen musste ein Abstand von 15 Minuten eingehalten werden. Unsere Führerin erzählte uns, dass in diesem Speicher früher Korn gelagert wurde. Die Idee zu diesem Oldtimer-Museum mit der Erlebnisausstellung entstand 2009. Eröffnet wurde es Mitte 2014. Mit einem Fahrstuhl fuhren wir ins Obergeschoß. Hier sahen wir als erstes ein Geh-Rad ohne Pedale. Als nächstes folgten eine Draisine und ein Hoch-Rad, bei dem das vordere Rad deutlich größer war, als das hintere. Erst danach wurden Schritt für Schritt die Fahrräder produziert, die wir heute kennen.

Im Laufe der 19. Jahrhunderts wurden auch die ersten Motorräder entwickelt. Dienten sie zunächst nur als Fortbewegungsmittel, so wurden sie nach dem Zeiten Weltkrieg mehr und mehr zum Freizeitvergnügen. Da die japanischen Hersteller besser und günstiger lieferten, übernahmen sie ab den 1970er Jahren den Markt.

Um 1885 entwickelte Carl Benz den ersten Automotor. Seine Frau Berta legte mit dem Wagen ohne Pferdegespann und den beiden Söhnen eine größere Strecke zurück. Sie tankten zwischendurch mit Waschbenzin aus der Apotheke. Die ersten Autos hatten nur drei Räder und waren eine Art überdachte Motorräder. Die Firma Hanomag entwickelte eine Coupé mit einem Stoffverdeck. Während der Weltwirtschaftskrise um 1929 wurde Opel von General Motors (USA) geschluckt. Während der Nazi-Zeit (1933-45) wollte Hitler die Mobilität des Volkes vorantreiben. Er ließ den Volkswagen bauen und errichtete (oft durch Zwangsarbeit) Autobahnen (dies war allerdings nicht seine Idee).

Anschließend gingen wir durch einen Raum aus Trümmern, der den zweiten Weltkrieg symbolisieren sollte. Danach gab es relativ wenig Material, um Autos zu bauen. Es existierten auch nur wenig Autohersteller, die es heute oftn nicht mehr gibt, oder die z. B. im Audi übergegangen sind. Wir sahen Autos der 1950er Jahre und gingen durch eine Milchbar, in der die Jugendlichen damals Milch-Shakes tranken und Rock ´n´ Roll-Musik hörten. Anschließend betraten wir einen Raum, der das Freizeitverhalten in den 1960er und 70er Jahren darstellen sollte. Man sah Zelte, Bäume und Autos aus dieser Zeit, auch ein Fahrzeug, mit dem man auch im Wasser fahren konnte. Zum Ende der fast zweistündigen Führung gingen wir noch in eine nachempfundene Disco, in der Musik der 70er Jahre zu hören war.

Das Museum ist gut gestaltet und zeigt toll die Entwicklung der Mobilität. Während der Zeit der beiden Führungen war auch die Alarmanlage ausgeschaltet, sodass wir zumindest Teile der gezeigten Fahrzeuge (meist Zündkerzen und Zylinder) anfassen durften. Wollte man andere Teile ertasten, wurde man immer von der strengen Führerin zurückgepfiffen. Hier hätte sie noch mehr auf die Bedürfnisse von Menschen mit Seheinschränkungen eingehen müssen. In anderen Museen war mehr möglich. Insgesamt gesehen war es war sehr schön und informativ.

Anschließend ging es wieder durch die Stadt zu dem italienischen Lokal, in dem Stefan einen Tisch für uns reserviert hatte. Carmen und Wolfgang, die mit dem Auto dorthin gekommen waren, begrüßten uns schon. Das Essen schmeckte den meisten gut. Wir führten interessante Gespräche, auch wenn eine weitere Gruppe älterer Gäste im Raum recht laut war.

Danach konnte die Stadtführung von Stefan Kopper beginnen. Auch seine Eltern waren inzwischen eingetroffen. Wir gingen zum Marktplatz. Vor der Marktkirche befindet sich der Eulenspiegel-Brunnen, da dieser hier auch seine Scherze getrieben haben soll. Neben vielen Fachwerkhäusern (insgesamt ca. 150) sieht man dort auch das Rathaus mit drei spitzen Türmen, wie auch die Ratsapotheke (hier tagte mal der Stadtrat und drehte Heinz Erhardt).

Die Stadt entwickelte sich im 11. Jahrhundert aus einigen kleinen Dörfern und dem Stift St. Alexandri, welches damals ein Wallfahrtsort war. Auf der anderen Seite des Flüsschens Beeke (hierher hat Einbeck seinen Namen) entstand das Marktviertel mit der zweitältesten Kirche, der Marktkirche. Die Stadtmauer um die Altstadt wurde 1264 errichtet, hatte vier Tore und ebenso viele Türme. Wie wir im späteren Verlauf der Führung sehen konnten, ist noch ein Teil der Mauer erhalten. Auch zwei der Stadttürme sahen wir. Stefan berichtete, dass in Einbeck derzeit ca. 32.000 Menschen leben, davon allerdings nur 15.000 in der Innenstadt, die anderen in den 46 Ortsteilen. Deshalb ist es von der Fläche die größte Stadt Südniedersachsens. Von hier gingen auch zwei Erfindungen aus. Zum einen startete August Stukenbrok hier 1890 den ersten deutschen Versandhandel, zum anderen erfand dort jemand das  Semikolon.

Vom Marktplatz gingen wir durch die schöne Fußgängerzone mit toll restaurierten Fachwerkhäusern. Viele Häuser hatten breite Eingänge. Dies liegt daran, dass dort schon im 14. Jahrhundert das Einbecker Bier gebraut wurde, und die Braupfannen hinein- und hinaustransportiert werden mussten. Nach und nach wurde das Bier nach Antwerpen, Riga und München geliefert, da das bayerische Bier wohl nicht so gut schmeckte. Es entstand das Bockbier. Durch den Bier-Export erlangte die Stadt einen recht großen Wohlstand.

Wie Stefan uns etwas später in den Wallanlagen berichtete, ging es danach durch einen Brand im Jahr 1540 wieder steil bergab. Nach seiner Schilderung hat der damalige katholische Braunschweiger Bischof im Zuge der Reformation durch Martin Luther (Einbeck wurde evangelisch) einige Männer beauftragt, in der Stadt an einigen Stellen Feuer zu legen. Da es damals noch keine Feuerwehr gab, brannte fast die gesamte Innenstadt ab. Einer der Brandstifter wurde gefasst und zu Tode gefoltert. Wenige Jahre später gab es durch ein Unwetter einen weiteren größeren Brand. Auch die Pest und der Dreißigjährige Krieg warfen die Stadt zurück. Durch den zuvor erworbenen Reichtum konnte die Stadt aber relativ schnell wieder aufgebaut werden. Außer der Marktkirche ist aber kein Gebäude älter als 1552. Im Zweiten Weltkrieg wurde durch die rechtzeitige Aufgabe von den Alliierten kaum etwas von Einbeck zerstört.

Unser Weg führte uns durch eine parkähnlich angelegte Wallanlage mit Rasen und großen Bäumen. Wir gingen über eine Brücke,  und sahen, wie der Mühlenkanal das Flüsschen Beeke überqueert. Wegen der fortgeschrittenen Zeit gingen wir zum Möncheplatz zurück. Hier existierte einst ein Nonnenkloster. Stefan beendete hier seine gut gemachte Stadtführung. Man merkte, dass er sich gut darauf vorbereitet hatte. Deshalb bekam er dafür noch einen großen Applaus.

Da Stefan bei seinen Eltern übernachten wollte, übernahm ich ab jetzt die Gruppenführung. Mit dem Linienbus fuhren wir zum Bahnhof Salzderhelden zurück,. Der Metronom nach Hannover kam ebenfalls pünktlich um 17:27 Uhr und erreichte Hannover eine knappe Stunde später. Während der Rückfahrt konnten wir uns etwas von dem schönen, interessanten Besuch in Einbeck erholen und etwas austauschen.

Trotz der anfänglichen Aufregung wegen des stark verspäteten Zuges war es für alle eine tolle Unternehmung, die unsere erste Einbeck-Fahrt im Oktober 2013 (Besuch der Senfmühle) gut ergänzte.

Bericht vom Regionalgruppentreffen am 25.03.17

(von Christian Schulte)

Das diesjährige Treffen der Regionalgruppen Hannover und Nienburg der PRO RETINA fand  im Central-Hotel Kaiserhof/Brunnenhof in der Nähe des dortigen Hauptbahnhofs statt. Nachdem alle Getränkebestellungen aufgenommen waren, begrüßte der Regionalgruppenleiter Manfred Bressel die fast 50 Anwesenden.

Als erstes referierte die Dipl. Ing. Katrin Hildebrandt, die in der Augenarztpraxis von Dr. Daniel Kaufmann im Stadtteil Herrenhausen tätig ist, über die Netzhauterkrankung  Makuladegeneration. Schwerpunktmäßig ging es in ihrem Vortrag um die altersbedingte Form (AMD), an der hierzulande etwa 4 - 4,5 Mio. Menschen erkrankt sind. Während ihres Vortrags wurden dazu passende Bilder und kurze Texte an die Wand geleuchtet. Sie forderte uns auf, während des Vortrags ruhig Fragen dazu zu stellen. Diese Chance wurde von etlichen Interessierten genutzt.

Frau Hildebrandt sagte, dass diese Augenkrankheit meistens erst ab dem 50. Lebensjahr auftritt. Man nimmt alles zunehmend verschwommen wahr und sieht oft gerade Linien krumm. Meistens sehen Betroffene im Randbereich schärfer, als in der Mitte des Gesichtsfeldes, welches in der Regel noch bis zum Endstadium der Krankheit relativ gut ist, sodass man sich noch einigermaßen orientieren kann. Nur das Lesen und Erkennen von Gesichtern fällt zunehmend schwerer.

Im Laufe des Lebens werden Schadstoffe  nicht mehr, wie bei anderen Menschen, aus der Mitte der Netzhaut abtransportiert. Hier befinden sich die Sehzellen, die für das Scharfsehen verantwortlich sind. Die Schadstoffe zerstören immer mehr dieser Zellen, sodass man zunehmend verschwommen sieht. Es bilden sich immer mehr Drusen.

Bisher gibt es noch keine Therapie gegen diese trockene Form der AMD. Verantwortlich hierfür ist eine genetische Vorbelastung. Rauchen, eine ungesunde Ernährung und Lebensweise kann die Krankheit begünstigen. Deshalb sind eine vitaminreiche Kost (aber kein Vitamin A) und viel Bewegung empfehlenswert.  Ich merkte an, dass die juvenilen Formen dieser Augenkrankheit (z. B. Morbus Stargardt) durch Rückstände dieses Vitamins in den Zellen (sie sind giftig) hervorgerufen werden. Forscher entwickeln derzeit Medikamente, die diese Rückstände, wie bei gesunden Menschen, aus der Netzhaut spülen, sodass sie keinen Schaden anrichten können. Als Hilfsmittel gibt es Lupen, Bildschirmlesegeräte und Vergrößerungsprogramme für den Computer.

In ca. 5 – 10 % aller Fälle entsteht aus einer trockenen AMD eine feuchte Form. Durch die vermehrte Drusenbildung entstehen in der Netzhaut Wucherungen, durch die die Sehkraft innerhalb kürzester Zeit sehr stark nachlässt. Man sollte dann sehr schnell einen Augenarzt/eine Augenärztin aufsuchen. Durch monatliche Spritzen (durch die örtliche Betäubung spürt man keinen Schmerz) kann die Sehkraft in den ersten drei Monaten oft um 20 – 30 % erhöht werden. Spritzt man danach weiterhin alle vier bis sechs Wochen, kann die Sehkraft oft auf diesem Niveau gehalten werden. Ohne sie würde die Sehkraft sehr schnell bis auf 10 % abnehmen. Es werden hier drei Anti-Krebs-Mittel gespritzt. Die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Zum Schluss erzählte Frau Hildebrandt noch etwas zum exzentrischen Sehtraining. Hier sollen Betroffene lernen, um Stellen des Gesichtsfeldes, in denen man schlechter sieht, herumzuschauen. Ich sagte, dass ich besser lesen könnte, wenn ich mein rechtes, schlechteres Auge zuhalte und von links auf den Text schaue. Wir waren uns einig, dass dies auf Dauer recht anstrengend für die Augen ist. Es gibt hier auch entsprechende, oft sehr teure, Brillen, die aber auch in der Regel nicht wesentlich helfen.

Nach dem Mittagessen um 13 Uhr begann eine knappe Stunde später  Kristina Schmidt, die beim Landesbildungszentrum  für Blinde in Hannover-Kirchrode angestellt ist, mit ihrem Vortrag über die Schulung der lebenspraktischen Fähigkeiten. Diese finden nicht nur dort statt. Einige ihrer Kolleginnen und Kollegen kommen auch zu den Betroffenen nach Hause, um im gewohnten Umfeld zu trainieren, wie die stark Seheingeschränkten, eigenständig zu kochen, essen, Wäsche waschen, bügeln und sich anzuziehen. Man kann sogar lernen, wie man einen Faden einfädelt, um z. B. einen Knopf anzunähen. Bei der Schulung wird auf die individuellen Bedürfnisse Rücksicht genommen. Hieran nehmen nur die Schüler/innen teil, die die Voraussetzungen hierfür erfüllen (nähere Erläuterung siehe unten).

Da die Kosten hierfür 80 Euro pro Stunde betragen, sollte man versuchen, hierfür einen Kostenträger zu finden (z. B. die Krankenkasse). Sabine Luczak wies darauf hin, dass die Formalitäten und die Bewilligung bis zu einem Jahr dauern können.  Regina Prull ergänzte, dass, wenn die Kostenträger trotz Widerspruch ablehnen, ggf. auf den Landesblindenfonds zurückgegriffen werden kann. Dazu müssen die Voraussetzungen erfüllt werden, wie z. B. das Merkzeichen „Bl“ im SB-Ausweis.
Unter folgendem Link kann die Richtlinie über die Gewährung von Leistungen aus dem Landesfonds für blinde Menschen in besonderen Lebenssituationen eingesehen werden.
http://www.soziales.niedersachsen.de/soziales_gesundheit/soziale_foerderungen/landesblindenfonds/101.html

Leider verließen während dieses Vortrags immer wieder Leute, teils mit nicht leiser Verabschiedung, den Raum. Dieses wirkte störend und nicht gerade respektvoll. Schließlich haben sich alle Vortragenden intensiv auf ihren Beitrag vorbereitet.

Zum Schluss folgten dann noch die Berichte der Aktiven der Regionalgruppe. Ich erzählte von den Fahrten meiner Sehbehindertengruppe, und dass in den letzten zwölf Monaten eine Reihe neuer, und meist junger Sehbehinderter, dazugekommen seien, während manche „alte Hasen“ sich etwas rarmachen. Im Sommer 2016 habe ich zudem von Peter Ellinger die Herausgabe und Erstellung des Newsletters übernommen. Auch meine bundesweiten Aktivitäten, anfangs noch als Delegierter und als Sprecher im DV-Ausschuss für Vereinsentwicklung, blieben nicht unerwähnt. Obwohl mich bei der Vorstandswahl im November nur 13,6 % der Wähler/innen gewählt haben, und es auch für die DV wegen der reduzierten Sitze und der deutlich mehr Bewerber/innen trotz leichter Stimmengewinne nicht ganz gereicht hat, werde ich weiterhin die Mailingliste „vereinspolitischer Austausch“ moderieren. Hier gibt es eine rege Teilnahme der angemeldeten (aus unserer Regionalgruppe könnten auch noch welche dazukommen). Auch haben wir durch Mails an Bundespolitiker/innen, wie auch durch Aktionen und Proteste des DBSV, noch etliche Verbesserungen für Betroffene beim Bundesteilhabegesetz erreichen können (siehe Kapitel im letzten Newsletter). Mit einigen alten und neuen Delegierten habe ich die Gruppe „Freunde des Leitbilds“ gegründet. In regelmäßigen Telefonkonferenzen wollen wir uns abstimmen, und schauen, wie wir mehr Transparenz und Mitbestimmung erreichen können. Wir wollen hier von Fall zu Fall auch mit anderen Aktiven kooperieren.

Ramona Jacobs berichtete noch kurz über ihre MD-Beratungen und darüber, dass der Selbsthilfechor, bei dem sie mitsingt, noch weitere Sänger/innen sucht. Manfred Bressel, der nach dem Mittagessen schon einen Vitamintrunk verteilt hatte, erzählte, dass wir zur Finanzierung und Kostendeckung unserer Auslagen, Anträge bei der Krankenkasse eingereicht hätten, die auch bewilligt wurden. Auch berichtete er über diverse Aktivitäten (z. B. beim Selbsthilfetag). Zudem hatte er einige Haushaltshilfsmittel für Menschen mit Seheinschränkungen mitgebracht. Hierdurch, aber auch durch den Vortrag von Frau Schmidt, setzen wir recht gut den Leitbildaspekt „selbstbestimmt leben“ um. Um ca. 15:15 Uhr endete das recht interessante und vielfältige Programm des Treffens.

Bericht von der Fahrt ins Übersee-Museum nach Bremen am 01.04.17

(von Christian Schulte)

An diesem Samstag versammelte sich die junge und junggebliebene Gruppe der PRO RETINA Hannover um 10:05 Uhr vor dem dortigen Hauptbahnhof am Ernst-August-Denkmal. Das Zusammentreffen war gar nicht so einfach, da es hier wegen eines Fußballspiels eine große Polizeipräsenz mit Absperrungen gab. Da Marlis Nolting ihre kleine Enkelin mitgebracht hatte, waren wieder alle Altersgruppen vertreten.

Nachdem wir uns begrüßt und Zweiergruppen gebildet hatten ging es durch den Bahnhof zu Gleis 12, wo um 10:20 Uhr der Zug nach Bremen abfuhr. Jürgen Schulz aus Nienburg stieg dort zu. Jetzt waren wir 16 Personen. Während der Zugfahrt gab es schon interessante Gespräche.

Als wir in Bremen ankamen, führte uns Jürgen in das etwas westlich des Bahnhofs gelegene Übersee-Museum, wo ich eine sehbehindertengerechte Führung für uns gebucht hatte. Da diese erst um 12:15 Uhr begann, hatten wir noch genügend Zeit, um unsere Sachen in einem Spind zu verstauen und alle Formalitäten zu erledigen. Unsere Führerin Bettina von Briskorn erwartete uns schon. Sie sagte, dass es ihre erste Führung mit Sehbehinderten sei. Ich erklärte ihr kurz, worauf sie achten könne. Sie berichtete, dass das Übersee-Museum von Bremer Kaufleuten im Jahr 1896 erbaut worden sei. In dem mehrstöckigen Gebäude findet man Ausstellungen zu allen Erdteilen. Zunächst ging es nach Ozeanien. Hier waren sowohl der Fußboden, als auch die Wände Blau gehalten. Es beinhaltet die Südsee mit mehreren hundert Inseln, von denen aber nicht alle bewohnt sind. In erster Linie ging es hier um die Wassertiere. Hinter einer Glaswand sah man, was sich unter der Wasseroberfläche befindet. Dies sind auch Korallen. Wir durften einige abgestorbene Korallen ertasten. Es sind lebende Kleintiere, die sich zu einem Staatenbund zusammengeschlossen haben. An einer Wand befinden sich Abbildungen von diversen Fischen. Wenn man sie berührte, hörte man den Laut, den sie abgeben. Sie wurden unter Wasser mit einem Mikrofon aufgenommen und klangen oft dumpf und klappernd, da sie teilweise mit den Zähnen erzeugt werden. In erster Linie dienen sie zum Anwerben einer Partnerin.

Jetzt wechselten wir in den Bereich mit den Kolonialwaren. Bis zum ersten Weltkrieg hatte auch Deutschland zahlreiche Kolonien, in denen sie viele Rohstoffe erbeuteten. Sie wurden damals in Kolonialwarenläden verkauft und sind teilweise heute im Museum zu sehen. Darunter sind Kokosnüsse, aber auch Kakao- und Kaffeebohnen, die wir alle ertasten duften.

Anschließend ging es in den Asien-Bereich. Hier gibt es ein spezielles Gerät, wo man durch das Drücken eines Knopfs den jeweiligen Duft erriechen konnte. Bei dieser Führung wurden also alle unsere Sinne gefordert. Daneben befindet sich eine Schlitztrommel (ein Baumstamm mit einem Schlitz in der Mitte). Durch das Trommeln nehmen sie Kontakt zu den Toten auf. Dahinter befinden sich etliche Ahnenfiguren aus Holz. Von dort führte uns Frau von Briskorn zu lebensgroßen Figuren, die eine Frau und einen Herrn aus der Peking-Oper darstellen sollen. Ihre Kleidung war sehr farbenfroh und die Gesichter stark geschminkt. Auf einem Monitor sahen und hörten wir einen Ausschnitt dieser Oper. Die Inszenierung wirkte auf manche etwas gewöhnungsbedürftig (was am sehr hohen Gesang und der ungewöhnlichen Darstellung lag), war aber auch bereichernd. Im Asien-Bereich gibt es auch viele Pflanzen und Bäume, die dort wachsen.

Den Afrika-Bereich findet man im ersten Stock. Auch hier befinden sich etliche Pflanzen, größtenteils jedoch hinter Scheiben auf Sandböden, die die Wüste symbolisieren sollten. Der Hintergrund (Wüstenlandschaft und Himmel) ist eine Tapete. Auch dort lebende ausgestopfte Tiere, wie z. B. Löwen, Nashörner, Zebras oder Giraffen sind jeweils integriert. Frau von Briskorn spielte uns verschiedene Tierlaute vor, die wir erraten durften.

Abschließend ging es noch in den Bereich „Menschheitsgeschichte“. Hier fanden wir eine Scheibe eines etliche Meter dicken Mammut-Baums aus Südamerika vor. Er war über 2.000 Jahre alt, bevor er gefällt wurde. Wir konnten mit Fingerspitzengefühl die Jahresringe ertasten. Direkt daneben befindet sich eine große Schildkröte, die wir ebenfalls berühren durften. Sie werden oft über hundert Jahre alt. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so groß und schwer sind. Außerdem durften wir hier noch einige Schädel von Urzeitmenschen ertasten. Die älteren, schon mehrere Millionen Jahre alten Schädel waren recht klein, was der damaligen Größe des Menschen entsprach. Frau von Briskorn erklärte, dass der Urzeitmensch eine schwarze Hautfarbe gehabt habe und aus Afrika stammt. Als er sich im Laufe der Zeit in andere Erdteile ausgebreitet hat, wurde die Hautfarbe in nördlichen Gebieten immer heller.

Es gibt auch noch einen Amerika-Bereich, den wir aber nicht mehr erkundeten, da zum einen die Führungsdauer sich schon von ursprünglich vereinbarten 60 auf 90 Minuten erhöht hatte (wir mussten zum Glück nicht mehr bezahlen), es aber zum anderen im Amerika-Bereich nicht viel zu ertasten gibt. Zum Abschluss lobte ich Bettina von Briskorn für die sehr interessante Führung. Sie bekam dafür einen Extra-Applaus. Dann regte ich an, dass sie vom Museum schauen könnten, ob Menschen mit Seheinschränkungen in Zukunft im Zuge der Inklusion noch mehr ertasten können. Viele Gegenstände befinden sich hinter Glas. Wir hatten aber schon mehr Möglichkeiten als „normale“ Besucher/innen.

Nachdem wir die Sachen aus dem Spind geholt hatten ging es ins hauseigene Restaurant zum Mittagessen. Dabei führten wir interessante Gespräche, tauschten uns aus und berieten, was wir beim nächsten Mal machen könnten.

Anschließend fuhr ein Teil der Gruppe mit dem Zug um 16:17 Uhr zurück nach Hannover. Wir restlichen acht fuhren mit dem Bus ins Zentrum, sahen den Dom, den Roland (Rathaus), die Figuren der Bremer Stadtmusikanten, und schlenderten durch die Böttchergasse. Zu Fuß gingen wir zum Bahnhof zurück und nahmen den Zug um 17:17 Uhr. Bei der Rückfahrt kamen wir in einen starken Schneeregenschauer. Wir waren froh, dass das Wetter zuvor größtenteils sonnig, trocken und warm war. Um 19:40 Uhr war auch ich wieder zurück in Rinteln. Für alle war es ein schöner und interessanter Tag.

Bericht über die Führung durch den Beginenturm und das Historische Museum Hannover am 11.02.17

(von Christian Schulte)

An diesem Tag trafen sich 16 Interessierte im Alter von 16 bis über 60 Jahren der jungen und junggebliebenen Sehbehindertengruppe der PRO RETINA Hannover um 10:20 Uhr vor dem dortigen Hauptbahnhof. Nach der Begrüßung und Bildung von Zweiergruppen gingen wir durch die Innenstadt zum Historischen Museum Hannover am Leineufer.

Als wir alles bezahlt, die Taschen in Schließfächern verstaut hatten und ich die Eintrittskarten verteilt hatte, kam auch schon unsere Führerin Frau Ruge. Direkt zum Museum kam auch noch ein befreundetes Ehepaar von Manfred Bressel. Zunächst gingen wir am Gebäude des Museums vorbei zum dahinter gelegenen Beginenturm. Dieser wurde im Jahr 1357 an der Leine auf dem Gelände der Beginen erbaut. Er ist 25 Meter hoch, zehn Meter breit, und hat zwei Meter dicke Mauern aus Sandstein. Wir hatten die Möglichkeit, dass Mauerwerk zu ertasten. Gleich im Anschluss stand noch ein Teil der zwei Jahre später errichteten alten Stadtmauer, die wir ebenfalls berühren durften.

Anschließend gingen wir durch eine erst vor einigen Jahrzehnten eingebaute Tür in den Turm. Im Mittelalter erhielt er unten gar keinen Eingang. Man musste auf Holzleitern am Mauerwerk hinaufklettern und oben einsteigen. Zu dieser Zeit diente er als Wachturm, später als Gefängnis, welches sich in dem unteren damals tür- und fensterlosen Raum befand. Durch eine Öffnung in der Decke wurden die Gefangenen damals dorthin abgeseilt und mit Nahrung versorgt. Als der Turm im 18. Jahrhundert als Lagerstätte diente, wurde unten eine Öffnung ins dicke Mauerwerk geschlagen, die mittlerweile aber wieder zugemauert wurde. Da dies in normaler Stärke geschah, konnte man hier sehen bzw. ertasten, wie dick die Mauern des Turm wirklich sind.

Über einige schmale Wendeltreppen ging es in den oberen Bereich des Turms. Die letzte Treppe hatte ein Bildhauer, der in den 1950er und 1960er Jahren dort lebte, in das Mauerwerk geschlagen. Von oben hatte man einen ganz guten Blick auf einen Teil der Innenstadt mit der Marktkirche. Später waren wir noch in dem Bereich, in dem der Bildhauer gelebt hatte. In den 1970er und 1980er Jahren befand sich im Turm ein Restaurant.

Vom Turm gelangten wir direkt in die obere Etage des Historischen Museums. Hier ging es dann mit einem Klappstuhl „bewaffnet“ in die Mittelalter-Abteilung. Frau Ruge hatte diverse Utensilien aus dem Mittelalter mitgebracht, die wir alle ertasten durften. Dies ist normalerweise nicht möglich. Einige waren Original-Exponate, andere Nachbildungen. Es handelte sich z. B. um eine Gabel, eine Schere, einen Teller, ein Trinkgefäß, aber auch um einen Kinderschuh, ein Kleid, ein Ritterhemd, ein Hufeisen, eine Kanonenkugel aus Gusseisen, ein Schwert und einen Ritterhelm mit dem dazugehörenden Federschmuck. Einige Teilnehmende mit einem kleineren Kopf als ich setzten sich den Helm auf und merkten, wie schwer er war. Auch die Ritterrüstung wog etliche Kilo. Frau Ruge schilderte, dass die Leute damals auf dem Markt einkauften (ähnlich wie heute der Wochenmarkt).

Anschließend gingen wir noch zu einem Eisenbügel, der an einer Wand befestigt war. Im Mittelalter wurde er einen Tag lang um den Hals von Betrügern gelegt, die somit öffentlich am Pranger standen und von anderen mit verdorbenen Lebensmitteln beworfen und beschimpft wurden.  Dass im Mittelalter nicht alles toll war, merkte man auch an einer schwer zu drehenden Getreidemühle, die einige von uns betätigten. In diesem Raum befindet sich auf einem Tisch auch eine Nachbildung der Marktkirche mit den umliegenden Gebäuden in Miniaturformat. . Später erfuhren wir, dass man diese Gegenstände eigentlich nicht ertasten darf.

Zum Ende der gut zweistündigen Führung äußerten einige Gruppenteilnehmer noch Interesse an den Kutschen des ehemaligen Hannoveraner Adels. Frau Ruge führte uns in einen großen Raum, in dem vier Kutschen standen. Einige wirkten sehr edel und waren mit einer Goldlasur überzogen. Sie würden im 18. Jahrhundert gefertigt. Gegen 13:15 Uhr bedankte ich mich bei Frau Ruge für die sehr interessante Führung, die es sonst so nicht gibt. Sie konnte zwar nicht jede Frage beantworten, ist aber sehr auf unsere Sehbehinderung eingegangen und bekam dafür einen Applaus.

Anschließend gingen wir ins nahegelegene italienische Lokal „Bei Mario“ wo ich einen Tisch in einem separaten Raum für uns reserviert hatte. Sabine Bressel wartete schon dort, und auch Carmen und Wolfgang aus Holzminden, die aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Führung teilgenommen hatten, kamen bald. Das Essen schmeckt gut, wir unterhielten uns angeregt in netter Atmosphäre und ich zeigte die Fotos aus dem Salz- und Zuckerland Bad Oeynhausen. Zudem wies ich auf die anstehenden Termine hin und wir überlegten, wann das nächste Treffen stattfinden soll, und was wir dann machen wollen. Um kurz nach 15 Uhr machten wir uns in kleineren Gruppen wieder auf dem Rückweg zum Bahnhof. Wie ich von Teilnehmenden erfahren habe, war es für sie ein sehr schönes Treffen.

Bericht von der Fahrt ins Salz- und Zuckerland nach Bad Oeynhausen am 10.12.16

(von Christian Schulte)

Gegen 10 Uhr versammelten sich 17 Menschen mit Seheinschränkungen und einige Begleitpersonen vor dem Hauptbahnhof Hannover am bekannten Treffpunkt „unterm Schwanz“. Der Regionalgruppeleiter Manfred Bressel nahm die Gruppe in Empfang und führte sie zu dem Gleis, wo wenig später der Zug nach Bad Oeynhausen startete.  Da ich aus Rinteln komme, stiegen mein Vater, Katrin Hegeholz und ich in Bückeburg zu. Queeny und Manfred erwarteten uns schon an der Tür zum Wagon. Dort hatten sie dankenswerterweise einige Plätze für uns freigehalten.

Um 11:13 Uhr erreichten wir pünktlich Bad Oeynhausen (eine Kurstadt in Ostwestfalen). Am Bahnsteig konnten wir uns richtig begrüßen. Das Altersspektrum reichte diesmal von 16 bis über 70 Jahre. Andrea Kölle-Wellbrink und ihr Mann waren mit dem Auto direkt zum Salz- und Zuckerland gefahren. Obwohl einige krankheitsbedingt abgesagt hatten, waren wir 22 Teilnehmende.

Da ich zwei Tage zuvor schon dort war, kannte ich den kürzesten Weg zum Zielort. Er führte uns unter den Bahngleisen und der Stadtautobahn A 30 hindurch zum Sielpark (einem kleinen Wäldchen im Norden der Stadt). Auf einem parkähnlichen Gelände befinden sich mehrere Gebäude. In einem ist das Salzland (nicht mehr geöffnet), in den beiden anderen das Zuckerland und das hauseigene Restaurant.

Die Führung startete um 12 Uhr. Ein junger Mann führte uns in einen Raum, in dem Bonbons, Lutscher und andere Süßwaren auf herkömmliche Art und Weise produziert werden. Es gibt aber auch regelmäßig Führungen (meistens für Schulklassen). Wir erfuhren, dass für die Herstellung von Lutschern neben viel Zucker auch Wasser, Glukosesirup und künstliche Aromastoffe verwendet werden. Damit die Bonbons und Lutscher ihre spezielle Farbe bekommen werden natürliche Farbstoffe hinzugegeben. Rot erzeugt man durch Rote Beete, grün durch Spinat und weiß ist die natürliche Farbe.

Das Gemisch erhitze der Herr in einem Kochgefäß und verteilte es dann auf einer mit Öl gefetteten Platte. Er rührte die heiße, klebrige Masse an und gab die oben erwähnten Farbstoffe dazu. Aus der Masse rollte er nun einen Strang. Von ihm schnitt er immer ein Stück ab, das er uns gab. Wir nahmen uns dazu Plastikstäbchen und formten aus der Masse individuelle Lutscher. Dies musste innerhalb von drei Minuten passieren, da die Masse sonst steif war. Die hergestellten Lutscher durften wir behalten und verstauten sie in Tüten.

Da hier der Tastsinn gefordert war, waren hier blinde Teilnehmer/innen nicht benachteiligt. Ich fand alles interessant und bereichernd, allerdings hätten wir uns für sieben Euro eine längere Führung gewünscht. Einige kauften im Lädchen im Gebäude noch einige dort hergestellte, hochpreisige Süßwaren.

Danach ging es ins Nachbargebäude zum Mittagessen. Die Gerichte waren vorbestellt und schmeckten den meisten gut. Auch war das Lokal recht gemütlich und weihnachtlich eingerichtet. Nach dem Essen berichtete ich von der Anfang 2017 geplanten Erhöhung des Landesblindengeldes und verteilte Ausgaben des von mir erstellten Info-Heftes „PRO RETINA – Eine Selbsthilfevereinigung stellt sich vor“ mit allen Arbeitsbereichen und Hilfsangeboten. Dann blickte ich auf die Gruppenaktivitäten des Jahres zurück und wir überlegten, was wir beim nächsten Mal machen könnten. Anschließend überreichte mir Manfred für mein ehrenamtliches Engagement noch ein kleines Präsent. Auf diesem Weg noch einmal vielen Dank!

Anschließend gingen wir zum Weihnachtsmarkt in der Innenstadt. Es gab hier eine Eisfläche, auf der Kinder Schlittschuh liefen, dazu ein Kinderkarussell und eine Reihe von Buden. Durch einige Gassen gelangten wir zum Rest des Weihnachtsmarkts. Hier tranken wir etwas und lauschten einer Bläserkapelle, die Weihnachtslieder spielte. Da wir wieder mit dem Zug zurückfahren wollten, der kurz vor 16 Uhr startete, ging es in der einsetzenden Dämmerung, bei der die Lichter des Marktes besser zur Geltung kamen, wieder zurück zum Bahnhof.

Obwohl sich etliche Teilnehmende unter der Führung etwas mehr vorgestellt hatten, war es trotzdem für alle ein schöner Tag, was vor allem am guten Miteinander lag. Bei diesen Treffen haben viele die Chance, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Bericht über die Fahrt nach Wernigerode am 15.10.16

(von Christian Schulte)

Um 10:35 Uhr trafen sich am Samstag, dem 15. Oktober elf Blinde und Sehbehinderte, aber auch einige Begleitpersonen  der jüngeren Gruppe der PRO RETINA Hannover vor dem Hauptbahnhof am Ernst-August-Denkmal. Diesmal waren einige neue Leute dabei, die wieder einen frischen Wind in die Gruppe brachten. Es wäre aber auch gut, wenn künftig wieder mehr „alte Hasen“ an diesen Treffen teilnehmen könnten.

Zunächst gingen wir zum Gleis, an dem der Regionalzug nach Goslar starten sollte. Er kam auch pünktlich an, allerdings ließen sich an einer Reihe Waggons die Türen nicht öffnen. Manche hatten schon etwas Angst, dass der Zug ohne sie losfahren könnte und eilten nach vorne, wo einige Türen geöffnet waren. Diese Abteile waren natürlich total überfüllt. Auch von hier kam man nicht in die verschlossenen Waggons. Wir (Sabine Luczak, Kevin Bobbert und Ich)bekamen aber mit, dass auch der Rest der Gruppe in den Zug gelangt war. Durch diese technischen Probleme verzögerte sich die Abfahrt deutlich.

Da wir in Goslar nur zehn Minuten Zeit zum Umsteigen in den Zug nach Wernigerode hatten, war uns recht schnell klar, dass wir ihn nicht mehr bekommen würden. Kevin konnte in Erfahrung bringen, dass auch eine Stunde später eine Bahn in diese Richtung fuhr. In Goslar um 12:20 Uhr angekommen, versuchte ich zunächst via Handy, die Stadtführung um eine Stunde zu verschieben. Nach Rücksprache mit der Führerin war dies möglich. Später sagte sie mir, dass sie diese Probleme kenne. Auch im Restaurant war eine Verschiebung möglich.

Als wir gegen 13:40 Uhr in der schönen Stadt Wernigerode im Ostharz (Sachsen-Anhalt) ankamen, schien hier die Sonne. Gegenüber den Tagen davor war es auch wieder wärmer, also genau das richtige Wetter für eine solche Unternehmung. Da ich privat schon einige Male dort war, kannte ich den Weg  in die Fußgängerzone und zum Schlemmercafé Sachsen-Anhalt. Da das Angebot hier sehr vielfältig ist, fand jeder etwas Passendes. Allen gefiel es dort gut und wir unterhielten uns angeregt.

Um kurz vor 15:30 Uhr wartete schon unsere Stadtführerin Frau Klemt vor dem Lokal auf uns. Sie berichtete, dass Wernigerode 35.000 Einwohner/innen hat, und dass jedes Jahr ca. drei Millionen Übernachtungsgäste hierher kommen. Zählte man Tagesgäste wie uns dazu, wären es noch einige Millionen mehr. Frau Klemt führte uns an schönen, meist in unterschiedlichen Farben gestrichenen Fachwerkhäusern zum Marktplatz. Wegen dieser Farbenvielfalt nennt man Wernigerode auch die „bunte Stadt am Harz“. Sie liegt allerdings auf einer Höhe von 250 Meter. Der eigentliche Harz beginnt erst dahinter. Von hier fährt regelmäßig die Brockenbahn auf den 1.142 Meter hohen Brocken.

Die meisten dieser Fachwerkhäuser sind schon einige hundert Jahre alt. Im zweiten Weltkrieg ist kaum etwas davon zerstört worden, da sich ein Stadtoberer Petry, der danach von den Nazis ermordet wurde, sich den Alliierten ergeben hatte. Jetzt wird eine Gasse nach ihm benannt. Auch das 1277 erbaute Rathaus ist sehr schön, hat zwei spitze Türme. Im dortigen Standsamt heiraten viele Paare. Früher war es mal ein Spiel- und Kaufhaus.

Auf dem Rundgang durch die Stadt gingen wir auch um eine große Kirche herum. Gegenüber lag eine Musikschule. Daneben befand sich ein Steinpfeiler mit einem Loch, in das man seinen Kopf stecken konnte. Hierin sollte man durch Summen seinen Wohlfühlton finden. Die Stimmen dröhnten etwas. Außerdem sahen/erlebten wir noch ein Haus mit einer sehr schiefen Fassade, eine Sonnenuhr und vor dem Rathaus ein Modell mit allen Gebäuden der Altstadt in Miniaturform zum Ertasten. Dies war besonders für Blinde ein echter Gewinn. Man spürte hier auch eine Anhöhe, die zu einem Schloss führte. Auch hierüber erzählte uns Frau Klemt einige historische Details.

Durch die Fußgängerzone ging es dann wieder zum Nicolaiplatz zurück, an dem wir schon auf den Hinweg vorbeigekommen waren. Hier sah man ein großes Fachwerkhaus, in dem die Polizei ist. Auf dem Platz befindet sich ein modernerer Brunnen, der aber nach meinem Geschmack nicht so schön ist, wie der auf dem Marktplatz. Während der Führung versuchte Frau Klemt stets, auf unsere Sehbehinderung einzugehen. Sie beschrieb z. B. die Figuren, die am Rathaus zu sehen waren und wir konnten viele Dinge ertasten. So war die Stadtführung auch für Blinde interessant und es hat allen gut gefallen. Auch ich, der die Stadt schon kannte, habe viel Neues erfahren. Im Laufe der Jahre hat sich die Stadt zu einem echten Schmuckstück entwickelt. Zum Ende gegen 17 Uhr bekam Frau Klemt noch einen Extra-Applaus für ihre Arbeit. Sie begleitete uns noch ein ganzes Stück auf unserem Weg zurück zum Bahnhof. Eigentlich wollten wir nach der Führung noch einen Kaffee trinken, aber leider ist dies durch die Zugverspätung ins Wasser gefallen. Die Züge zurück kamen aber pünktlich, sodass wir um 19:10 Uhr zurück in Hannover waren. Der Ausflug hat allen sehr gut gefallen und alle, die nicht dabei sein konnten haben definitiv etwas versäumt.

Bericht von der Natur-Erlebnistour am Steinhuder Meer am 30.09.16

(von Christian Schulte)

Am 30. September traf sich eine Gruppe von Blinden und Sehbehinderten (elf Personen) mit der Diplom-Biologin Sieglinde Fink und der Erlebnispädagogin Janine um 10 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover am Ernst-August-Denkmal. Eigentlich hatten noch zwei weitere Damen zugesagt. Eine Blinde hatte einen Blindenhund dabei. Das Altersspektrum reichte von Anfang 20 bis über 70 Jahre.

Nachdem wir uns begrüßt und für Single-Blinde eine Begleitperson gefunden hatten gingen wir zum Bahnsteig. Von hier aus fuhren wir bis Neustadt. Dort stiegen wir in einen Linienbus, der uns nach Mardorf brachte. An der Endstation „Alte Moorhütte“ stiegen wir aus. Sie liegt nicht weit vom Steinhuder Meer entfernt. Hier begrüßten uns schon Frau Eblenkamp von der Gartenregion Hannover und die Lokalredakteurin Susanne Döppke von der Lokalredaktion Neustadt der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Beide Damen nahmen bis zum Mittagessen an der Natur-Erlebnistour teil.

Zunächst stellten sich alle vor. Dann ging es über die Straße in ein Waldgebiet im Toten Moor (etwas nordwestlich des Steinhuder Meers). Im Gänsemarsch gingen wir einen schmalen Waldweg entlang. Wir mussten zwar aufpassen, dass wir nicht über Baumwurzeln stolperten, die über die Wege gingen, konnten aber die Natur pur genießen, ebenso die frische Waldluft.

Am Wegesrand befanden sich Blaubeeren und Preiselbeeren, die wir pflückten und aßen. Beim Pflücken verließen wir uns auf den Tastsinn. Ebenfalls erfühlten wir viele Baumstämme und Sieglinde gab uns einige Pilze zum Ertasten. Die frischen Pilze fühlten sich sehr weich, leicht und irgendwie „aufgeblasen“ an. Leider konnte man die Pilze nicht essen, da sie für Menschen giftig sind, nicht aber für etliche Tiere. Wegen der langen Trockenheit gibt es in diesem Jahr leider nur wenig Pilze. Pilze auf Totholz im Wald sorgen auch dafür, dass dieses Holz für Insekten und andere Tiere nutzbar wird.

Sieglinde sagte, dass im Moor hauptsächlich Erlen und Birken wachsen. Letztere Baumart braucht viel Wasser. Wenn sie überhand nehmen werden sie gefällt, da sie sonst das Moor trockenlegen würden. So würde eine einzigartige Naturlandschaft verloren gehen. Wir konnten auch verschiedene Baumblätter ertasten. Susanne Döppke von der Zeitung machte viele Fotos und stellte uns Fragen z. B. wie ich als Sehbehinderter die Natur wahrnehme. Da in den Medien sonst wenig über Seh-Gehandikapte berichtet wird, fand ich es gut, dass sie dabei war.

Wir gingen den Weg wieder zurück, überquerten die Straße, gingen am Waldlokal „Alte Moorhütte“ vorbei ein kleines Stück über einen Bohlenweg in ein Moor am Ufer des Steinhuder Meers. Es war ein Gefühl, als wenn man auf Pudding geht. Durch die Trockenheit war es aber nicht so schlimm. Sieglinde zeigte uns Moos und sagte, dass es nach der Verrottung zu Torf wird. Anschließend gingen wir auf einem langen Holzsteg entlang über das Wasser. Während der Erlebnis-Tour gingen wir über Waldboden, Moos, Sand, Asphalt, Kieselsteine, Moor und Holz. Es war auch für Blinde jedes Mal ein anderes „Geh-Feeling“.

Als wir wieder an der „Alten Moorhütte“ ankamen, wo ich vorab Tische für uns reserviert hatte, wartete dort schon ein Herr vom Radio Leineherz mit seiner Schwester und dem Schwager. Er hatte mich zwei Tage zuvor wegen eines Berichts über diese spezielle Tour angerufen. Schon während des sehr leckeren Mittagessens in der gemütlich eingerichteten Hütte (ein dicker Baum wächst durch das Dach in den Himmel) konnten wir uns schon gut mit ihm unterhalten. Danach ging ich mit ihm nach draußen, um ein Interview über die PRO RETINA und meine Sehbehindertengruppe zu geben. Ein Teil dieses Gesprächs soll auch in einem Radiobeitrag gesendet werden. Außerdem begleitete er uns anschließend ein Stück auf unserem weiteren Weg entlang des Ufers und fing mit seinem Mikrofon viele sehr gute Erklärungen von Sieglinde und Kommentare von uns ein. Auch diesen Beitrag gibt es bei Radio Leineherz zu hören.

Eigentlich wollten wir noch zum Vogelaussichtsturm gehen, um die Laute der Wasservögel zu hören. Da sie sich aber rarmachten, gingen wir den ebenerdigen Weg der Uferpromenade am Steinhuder Meer entlang. Er führte uns zeitweise durch Waldgebiete, an zwei Sandstränden, an Campingplätzen und Restaurants entlang. Er  umfasste eine Strecke von ca. 4 Kilometern. Auf dem Weg zeigte uns Sieglinde noch zahlreiche Pflanzen, Bäume und Pilze, die an einer Birke wuchsen. An einem Strand gingen wir durch den Sand bis zum Wasser. Da es warm und sonnig war, fühlten wir uns fast wie im Urlaub.

Bevor wir die Promenade verließen, machten wir noch einmal kurz Halt, um ein Eis zu essen. An der Jugendherberge entlang ging es dann zur Bushaltestelle. In Neustadt stiegen wir dann in den Zug zurück nach Hannover, wo wir um 18:38 Uhr eintrafen. Viele Teilnehmende sagten mir, dass es ihnen gut gefallen habe. Auch Sieglinde hat alles sehr gut erklärt und alle Fragen beantwortet. So haben wir viel dazugelernt.

Bericht von der Abenteuer-Fahrt in den Serengeti-Park am 20.08.16

(von Christian Schulte)

Bei recht gutem Wetter (teils Sonne, teils Wolken, aber kein Regen) und angenehmen Temperaturen trafen sich am 20. August 14 Teilnehmende der jungen und junggebliebenen Sehbehindertengruppe der PRO RETINA Hannover vor dem dortigen Hauptbahnhof, um gemeinsam mit dem Zug nach Hodenhagen in der Lüneburger Heide zu fahren.

Vom dortigen Bahnhof aus ging es dann mit Taxis zum Haupteingang des Serengeti-Parks. Dies ist ein riesiger Safari-Freizeitpark, der schon seit Jahrzenten besteht. Nachdem wir an der Gruppenkasse alles bezahlt und die Formalitäten erledigt hatten konnte es losgehen zur Safari-Tour, bei der wir im Laufe des Tages noch manches Abenteuer zu bestehen hatten.  Dazu später mehr.

Zunächst war es für uns gar nicht so leicht, dass Restaurant Zanzibar zu finden, in dem ich vorab Tische reserviert und Mittagsgerichte vorbestellt hatte. Die Wege dort sind schmal, verschlungen und nicht so gut ausgeschildert. Ich als Gruppenleiter bin, weil kein anderer Weg zum Lokal zu sehen war, über ein Hindernis durch den Hintereingang dort hineingekommen. Am Tresen konnte ich noch einige Fragen klären, sodass die Menüs schon vorbereitet werden konnten. Es war sogar möglich, draußen zu essen. Bald hatte ich auch den Rest der Gruppe gefunden und sie zu den Sitzplätzen geleitet. Nachdem wir die Tische an einem kleinen See zusammengeschoben hatten wurden auch schon die Gerichte serviert. So schnell ging es bisher nirgendwo. Sie waren sehr lecker.

Gegen 13:20 Uhr holte uns die Diplom-Biologin Daniela Lahn (Führerin) dort ab, um uns zum Startpunkt der Safari-Bustour zu führen. Schon bald hielt der Busfahrer Jörg mit einem Doppeldecker-Bus vor uns und es konnte gleich losgehen. Sowohl er, als auch Frau Lahn erzählten während der etwa eineinhalbstündigen Bustour etwas über die zu sehenden Tiere. Sie hatte auch diverse Tier-Utensilien zum Ertasten dabei, z. B. Giraffen- und Löwenhaare, Schafwolle, Geweihe von Rotwild oder ein Straußenei.

Während der Fahrt sahen wir nicht nur Tiere aus den verschiedensten Teilen Afrikas, sondern auch Tiere aus Nord- und Südamerika, Asien und Europa. Einige Tiere kamen recht nah an den Bus heran (Giraffen, Strauße), andere wie z. B. Löwen, weiße Tiger, Bisons, Hirsche, Lamas, Zebras und Leoparden) waren mehr oder weniger weit entfernt zu erkennen (wenn man noch einigermaßen gut sehen konnte). Die diversen Affen turnten auf Bäumen auf vom Wasser umgebenen Inseln herum. Die jeweiligen Gehege, die immer einen Erdteil symbolisierten, waren recht weitläufig und voneinander abgetrennt. Im Bereich Nordafrika sah man eine riesige, teils hügelige Sandfläche, die eine Wüste darstellte. Die anderen Flächen waren wald- und parkähnlich angelegt. Im Europa-Bereich machten wir eine Pause. Wir bekamen Futter, um die dortigen Ziegen zu füttern und zu streicheln. Hier erfuhr ich, dass auch weibliche Ziegen, im Vergleich zum Rotwild, Hörner haben. Es war auch ein Esel zu sehen. Neben den Bussen waren hier auch Leute mit Privatautos unterwegs.

Um kurz nach 15 Uhr waren wir wieder beim Ausgangspunkt der Fahrt angekommen. Wir bedankten uns mit einem Extra-Applaus und lobenden Worten von Daniela Lahn und Busfahrer Jörg. Wir gingen zum Lokal zurück. Hier waren schon Tische für unser Kaffeetrinken gedeckt und der Kuchen zum Teil schon serviert. Da das Wetter gut war, schlug ich vor, dass wir den Zug um 17:30 Uhr nehmen sollten, um zuvor noch den von Frau Lahn vorgeschlagenen Dschungel-Bereich mit den vielen Affen zu besuchen, durch den wir mit dem Bus nicht fahren konnten. Für den Rücktransport bestellten wir schon Taxis.

Wir gingen durch zwei Affengehege. Hier konnten wir die Tiere ganz aus der Nähe sehen und auch ihr weiches, flauschiges Fell streicheln. Einige Affen sprangen uns sogar auf die Schulter. Es waren außer uns auch viele Eltern und Kinder dort. Unter diesen Umständen war es gar nicht so leicht, die Gruppe zusammenzuhalten. Ich folgte Kevin, der noch einen Teil des Areals erkunden wollte. Dies wäre für ihn als Blinden alleine nicht möglich gewesen.

Ich dachte, dass wir um einen kleinen See herumgehen, und dann wieder auf die Anderen stoßen würden. Dies war leider nicht so, da die schmalen Wege recht kurvenreich und verschlungen waren. Es ist zwar alles sehr gut angelegt, allerdings lässt die Beschilderung und Übersichtlichkeit doch etwas zu wünschen übrig. Selbst für Nicht-Sehbehinderte ist es oft schwierig, sich zu orientieren und wieder zu einem der Ausgänge zurückzufinden. Da auch ich stark sehbehindert bin, fragten wir einige andere Besucherinnen und Besucher nach dem Weg. Einige konnten uns etwas weiterhelfen, andere wussten es auch nicht genau, sodass wir wie in einem Irrgarten herumliefen. Da die Zeit bis zur Ankunft der Taxis immer mehr verging, wurden wir zusehends nervöser.

Ein Herr schloss uns ein Tor auf und meinte, es würde dort zum Ausgang gehen. Dies war jedoch nicht so und das Tor auf der anderen Seite war ebenfalls verschlossen. In diesem Bereich waren zwar keine Menschen zu sehen, dafür aber kleine Holzhäuser, in denen Leute übernachten konnten. Vor einem Haus saßen Leute, die uns den Weg aus diesem Bereich beschrieben haben. Während unserer Odyssee kamen wir auch an Karussells und Spielgeräten von Kindern vorbei und sahen so unfreiwillig fast den gesamten Park. Um etwa 17 Uhr hatten wir dann endlich den richtigen Ausgang erreicht.

Wir eilten zum Punkt, an dem wir am Vormittag aus dem Taxi gestiegen waren. Die anderen Teilnehmenden waren da schon zum Bahnhof zurückgefahren. Zum Glück konnte ich recht schnell ein Taxi für uns ordern und die anderen informieren. So kamen wir rund zehn Minuten vor der Zugabfahrt am Bahnhof an. Die anderen waren erleichtert, da sie sich etwas Sorgen gemacht hatten. Von ihnen erfuhr ich, dass auch sie Probleme hatten, den Ausgang zu finden.

Mit dem Regionalzug kamen wir wieder pünktlich und wohlbehalten um 18.08 Uhr in Hannover an. Trotz allem hat es allen gut gefallen. Es war ein interessanter und spannender Tag.

Bericht von der Fahrt ins Klimahaus nach Bremerhaven am 04.06.16

(von Christian Schulte)

Ein Großteil der jungen und junggebliebenen Sehbehindertengruppe der PRO RETINA Hannover traf sich an diesem Samstag um kurz nach 10 Uhr vor dem dortigen Hauptbahnhof. Das Altersspektrum reichte diesmal von 16 bis über 70 Jahren. Es war angenehm warm und sonnig – nahezu perfekt für eine Fahrt ins Klimahaus nach Bremerhaven mit dem Regionalzug.

An den Haltestellen Wunstorf und Nienburg stiegen noch Teilnehmende zu. Da Frank Jacobs und ich sie am Eingang des Wagons in Empfang nahmen und Sitzplätze in der Nähe suchten, konnten wir sie von Anfang an in unsere Gespräche einbeziehen. Nach der gut zweistündigen Zugfahrt ohne Umsteigen kamen wir um 12.30 Uhr pünktlich am Hauptbahnhof in Bremerhaven an.

Von der dortigen Bushaltestelle ging es in einem total überfüllten Linienbus zu den „Havenwelten“. Ab hier legten wir einen kurzen Fußweg zum Klimahaus zurück. Bei der Anmeldung teilte ich mit, dass statt der angemeldeten 26 Interessierten infolge von Krankheit nur 22 Personen mitgekommen seien. Es konnte umgebucht werden. Leider hatten sie dort einen falschen Start der Führungen notiert. Dies konnte aber nach kurzer Zeit geklärt werden. Auch im hauseigenen Restaurant Längengrad gab es anfangs Probleme, da die Reservierung hier irrtümlicherweise storniert wurde. So mussten wir schauen, dass wir im recht vollen Lokal noch Sitzplätze fanden. Auch das Mittagessen musste wir am Tresen bestellen, bezahlen und auf einem kleinen Tablett zum Tisch tragen. Dies war ursprünglich anders vereinbart worden.

Nach dem Mittagessen trafen wir uns um 14:30 Uhr zu den beiden Führungen. Jede Gruppe bestand aus elf  Personen. Während die erste Gruppe sofort mit der 90-minütigen Führung begann, erzählte unser Guide Murat zunächst etwas zur Grundidee des Klimahauses. Im Jahr 2004 machte sich Axel Werner von Bremerhaven aus zu einer eineinhalbjährigen Weltreise auf dem achten Längengrad auf. Alle diese Eindrücke wurden dann in dem 2009 eröffneten Klimahaus nachgestellt.  Als erstes sahen wir einen fünfminütigen Film von dieser Reise. Danach wanderten wir ein Stück auf den Bahngleisen in die „Schweiz“. Rechts sah man die Landschaft, die man vom Zug aus hätte sehen können. In der „Schweiz“ hörte man Kuhglocken, konnte diese auch läuten und sowohl einen Kuhkopf, als auch ein Hinterteil mit Schwanz und Eutern ertasten. In dem Raum befanden sich viele nachgestellte Berge. Diese wanderten wir hinauf und saßen eine Weile in einer nachempfundenen Gondel.

Von hier aus ging es in das deutlich wärmere Sardinien. Hier konnte man in Schaukästen aus Glas dort lebende Tiere und Pflanzen erkennen. Übers Meer führte die Reise weiter nach Niger in Afrika. Hier war es deutlich über 30 Grad heiß. Wir erfuhren etwas über die dort lebenden Menschen und die Landschaft. Weiter ging es nach Kamerun (38 Grad heiß). Hier rann zumindest bei mir der Schweiß in Strömen. In diesem Zusammenhang sahen wir einen Raum mit einer nachempfundenen Wüste, einen Urwald mit von der Decke hängenden Pflanzen, einen Raum mit einer Korkeiche zum Ertasten und dem Geruch von einem Waldbrand (die Bilder davon wurden auch an die Wand projektziert) und einen Raum mit einer niedrigen Wasserfläche mit Fischen und Wassertieren. Murat erzählte uns, dass man die Abholzung des Regenwalds zumindest indirekt beeinflussen könne, indem man nicht die dortigen Holzarten kauft und auch beim Möbelkauf darauf achtet. In Kamerun gibt es Regenzeiten, aber auch Phasen, in denen es gar nicht regnet.  In diesem Bereich durften wir auch durch Sand laufen.

Zum Schluss der Führung gab es noch einen großen Temperatursprung von fast 40 Grad über Null bis auf minus fünf Grad in der Antarktis. Als wir den Raum betraten empfing uns gleich ein eisiger Wind. Man sah hier eine nachempfundene Schneelandschaft mit einem Gletscher.

Gegen 16:15 Uhr war unsere Führung beendet. Die andere Führung dauerte etwas länger. Murat bekam von uns zum Abschluss noch einen großen Applaus, da er sich sehr viel Mühe gegeben, und auch auf unsere Sehbehinderung Rücksicht genommen hatte.

Im Restaurant hatte ich Plätze für ein Kaffeetrinken reservieren lassen. Dies klappte auch, allerdings mussten wir uns den Kaffee und Kuchen, anders als vereinbart, selbst holen.

Da es wegen der anfangs erwähnten Probleme etwas später geworden war, beschlossen wir, erst mit dem Zug um 18:28 Uhr zurückzufahren. So hatte zumindest ein Teil der Gruppe noch die Zeit, gemütlich im Sonnenschein an der Weserpromenade entlangzugehen. Der Fluss fließt hier in die Nordsee. Der Heimweg klappte problemlos, auch dank der gut sehenden Helfer/innen. Vielen Dank noch einmal dafür! Ich weiß dies sehr zu schätzen. In Bremen mussten wir diesmal umsteigen. Der Zug war um 20:38 Uhr wieder in Hannover, ich war dann um 21:35 Uhr daheim. Eine solch große Fahrt ist immer ein Alltagsabenteuer, aber ich denke, dass es unterm Strich ein schöner Tag für alle war.

Bericht von der Fahrt in den Bielefelder Tierpark am 16.04.16

(von Christian Schulte)

Ein Großteil der jungen und junggebliebenen Sehbehindertengruppe der PRO RETINA Hannover traf sich am 16. April um 9.55 Uhr vor dem dortigen Hauptbahnhof, um gemeinsam mit dem Regionalzug in den Bielefelder Tierpark zu fahren. Manfred Bressel nahm die Gruppe in Empfang und führte sie zum Gleis. Da ich in Rinteln wohne, stieg ich mit Ingrid, Werner und meinem Vater in Bückeburg zu. Familie Hegeholz hatte kurz zuvor aus Krankheitsgründen abgesagt. Nach vorhergehender Absprache fanden wir uns in der Bahn schnell und unterhielten uns auf der Fahrt angeregt. Zum ersten Mal war Usman Mubarak (21 Jahre alt) aus dem Sudan dabei, bei dem kürzlich RP diagnostiziert wurde. Obwohl er noch nicht so gut Deutsch und Englisch sprach, konnten wir uns recht gut verständigen.
 
Nach der pünktlichen Ankunft in Bielefeld führte ich die Gruppe zunächst zur U-Bahn-Station. Dort wartete der Bielefelder Regionalgruppenleiter Dr. Konrad Gerull auf uns. Mit der U-Bahn fuhren wir zunächst zum Jahnplatz und stiegen dort in den Bus Richtung Tierpark. Da ich einen Tag vorher den Weg ausgekundschaftet hatte, klappte es trotz des engen Zeitfensters gut. Der Tierpark liegt recht ländlich und etwas außerhalb der Großstadt am Teutoburger Wald. Es ist ein großes Wald- und Berggebiet, das bis nach Detmold reicht.
 
Die Gruppe folgte mir auf dem Weg Richtung Restaurant Meierhof. Dort sollte gegen 12 Uhr die erste 90-minütige Führung starten. Da wir wegen der Absagen nur 21 Personen waren, konnten wir eine Gruppe bilden. Carmen und Wolfgang waren mit dem Auto aus Holzminden dorthin gekommen. Die Führerin Rebecca bat uns zunächst in eine Schutzhütte, in der wir Platz nehmen durften. Aus einer großen Kiste holte sie Federn von einem Pfau, einem Uhu und einer Ente hervor, die wir ertasten konnten. Dazu erzählte sie etwas über die Tiere. Im Tierpark befinden sich 91 europäische Tierarten und ca. 500 Tiere auf 16 Hektar Fläche. Sie erzählte mir später, dass er 1929 gegründet, und nach und nach ausgebaut wurde. Man muss dort keinen Eintritt zahlen. Finanziert wird er aus Spenden, von Sponsoren und Parkgebühren. Supermärkte liefern abgelaufene Lebensmittel als Tierfutter. Rebecca gab uns zwei Teile von Bärenfellen zum Ertasten (es gibt auch einige Exemplare im Tierpark). Außerdem reichte sie uns Hörner und Geweihe von  Steinböcken und Rothirschen. Während wir in der Hütte saßen, ging ein Regenschauer nieder.
 
Als wir unseren Rundgang starteten, schien wieder die Sonne. Zunächst gingen wir an ein Gehege mit Eseln. Wir konnten sie füttern und streicheln. Anschließend sahen wir in einem Gehege eine Wildschweinfamilie. Die Jungen waren erst Anfang des Jahres geboren. Auch sie durften wir füttern. Anschließend ging es den Berg hinauf zu den Sikahirschen. Sie sind recht klein und stammen aus Asien. Durch einen Spalt im Zaun konnten wir auch sie mit Nahrung versorgen. Wenig später taten wir dies bei den deutlich größeren Rothirschkühen. Ein Männchen mit Geweih war leider nicht zu sehen. Die Führerin erzählte, dass der Tierpark auch nachts geöffnet sei. In der Dämmerung könne man dann die Tiere sehen und hören, die tagsüber schlafen. In Volieren befanden sich Luchse, Uhus und andere Vögel. Auf einer Weide am Berg grasten Pferde. Wir sahen aber auch Teiche mit Wasservögeln.
 
Leider konnten wir in der Zeit bis zum Mittagessen im Meierhof nicht alle Tiere sehen. Es hat aber allen gut gefallen. Auch das Wetter war während dieser Zeit sonnig. Die Führerin Rebecca hat ihre erste Führung recht gut gemacht. Ein Teilnehmer meinte nur, dass sie bei der großen Gruppe etwas lauter hätte sprechen können. Im Meierhof war es ebenfalls sehr schön. Die nicht vorbestellten Gerichte wurden recht zeitnah serviert. Bei angeregten Gesprächen verging die Zeit wie im Fluge. Um kurz vor 15.30 Uhr machte sich ein Teil der Gruppe auf den Weg zur Bushaltestelle und den Heimweg. Die restlichen Gruppenmitglieder wollten noch zwei Stunden bleiben, um sich die anderen Bereiche des Tierparks anzuschauen. Ich denke, dass es für alle ein schöner, interessanter Tag war.

Bericht vom Regionalgruppentreffen am 19.03.16 in Hannover

(von Christian Schulte)

Das Regionalgruppentreffen der PRO RETINA Hannover fand am 19. März ab 11 Uhr im “Brunnenhof” am Ernst-August-Platz statt. Zu Beginn begrüßte der Regionalgruppenleiter Manfred Bressel die etwa 50 anwesenden Mitglieder und Gäste. Der Saal war gut gefüllt. Um kurz vor 11:30 Uhr begann als erster Redner Prof. Dr. Nicolas Feltgen, leitender Oberarzt an der Augenklinik der Universität Göttingen mit seinem Vortrag zum Thema “Netzhautdystrophien. Was gibt es Neues?”. Zunächst ging er auf Vitamin A-Präparate zur Behandlung von Augenerkrankungen ein. Eine tägliche Vitamin A-Gabe kann bei einigen Netzhauterkrankungen, wie z. B. bei manchen RP-Mutationen, zu einer Verlangsamung des Krankheitsverlaufs führen. Bei anderen Erkrankungen, die auf ein defektes ABC A4-Gens zurückzuführen sind ist es aber schädlich. Dies trifft zum Beispiel bei Morbus Stargardt und der Zapfen-Stäbchen-Dystrophie zu.
 
Morbus Stargardt gehört zu den juvenilen Makuladegenerationen. Es führt schon im Kindes- und Jugendalter zu einer stark verminderten Sehschärfe. Die Rückstände von Vitamin A (Lipofuszin) lagern sich hier in der Netzhaut ab. Normalerweise werden sie herausgeschwemmt. Da sie giftig sind, zerstören sie nach und nach die Stäbchen, die für das Scharfsehen verantwortlich sind. Es werden schon Medikamente getestet, die diese Schadstoffe hinausschwemmen sollen. Am Hilfreichsten ist bei Netzhautdystrophien wohl eine Gentherapie. Dies ist allerdings schwierig, da für solche Krankheiten bis zu 244 verschiedene Gene verantwortlich sind. Sind die Schäden noch nicht so groß, versucht man eine “Reparatur”, indem man neue Zellen einspritzt. Bei weit fortgeschrittenem Verlauf ist wohl nur eine Notlösung möglich, die die Sehkraft etwas verbessert. An diesen Projekten forschen derzeit 42 internationale Firmen. Es gibt hier sehr gute Fortschritte.
 
Für Vollblinde gibt es seit einigen Jahren Netzhautimplantate. Sie werden auf oder unter der Netzhaut angebracht. Allerdings ist die Sehkraft nur gering (ein Prozent, Gesichtsfeld 10 Grad). Es gibt hier auch viele Komplikationen und wenig Langzeiterfahrung. Nach einigen Jahren fangen sie an zu rosten. Prof. Dr. Feltgen hält auch nichts von Lasern bei AMD. Hierbei werden die Drusen entfernt. Eine nachgewiesene Verbesserung konnte aber nicht nachgewiesen werden. Auch Röntgenbehandlungen sind nicht sinnvoll. Bei diesem Krankheitsbild lagern sich im Alter ebenfalls Schadstoffe in der Netzhaut ab. Rauchen trägt zum schnelleren Verlauf bei. Die feuchte Form der MD tritt durch Gefäßwucherungen in der Netzhaut auf. Sie kann man aber durch eine Spritzenbehandlung effektiv behandeln. Je eher dies geschieht, desto besser. Er ging auch auf die Erkrankung Morbus Best ein, bei der es ebenfalls gute Forschungsfortschritte gibt.
 
Prof. Dr. Feltgen war in Punkto Forschung auf dem neusten Stand. Er sprach in allgemeinverständlichem Deutsch, sodass ihm alle gut folgen konnten. Zudem ging er auf unsere zum Teil vorab gestellter Fragen ein.  Gegen 13 Uhr wurde es ihm mit einem herzlichen Applaus gedankt. Das Mittagessen servierte uns das Personal des “Brunnenhofes” pünktlich.
 
Nach der Mittagspause informierte ich die Anwesenden über die Aktivitäten meiner jungen Sehbehindertengruppe im abgelaufenen Jahr und wies auf die Fahrt in den Tierpark Bielefeld am 16. April hin. Zudem berichtete ich über alle aktuellen Themen bei der letzten und kommenden Delegiertenversammlung. In diesem Zusammenhang versuchte ich die Teilnehmenden zu motivieren, an der DV-Wahl im Herbst 2016 teilzunehmen und vielleicht sogar selbst zu kandidieren, damit die Region Hannover dort stark vertreten ist. Ich werde erneut dafür antreten. Außerdem informierte ich über die Aktivitäten meines DV-Ausschusses für Vereinsentwicklung, besonders in Punkto “Mehr Transparenz und Teilhabe der Mitglieder wagen”. Über all diese Dinge habe ich im letzten Newsletter ausführlich berichtet. Auch bemühe ich mich, einen Weg zu finden, damit die Kosten von Patientenseminaren (z. B. für RP- oder AMD-Betroffene) für bedürftige Mitglieder möglichst ganz von beispielsweise mildtätigen Stiftungen oder solidarischen Vereinsmitgliedern übernommen werden. So können auch bedürftige Personen davon profitieren.
 
Um etwa 14 Uhr gab es eine recht kurzfristige Programmänderung. Ronnie Paetow aus Hannover, der sich zuvor an Manfred gewandt hatte, berichtete, dass er bei You Tube ein Video aus den USA gesehen habe. Einer älteren Dame mit Morbus Stargardt wurde ein Visual Reality Headset aufgesetzt. Über ein Smartphone kann man hierfür eine bestimmte App herunterladen. Dies Gerät muss man mit der Frontkamera nach außen in das Visual Reality Haedset stecken. Das Display schaut Richtung Gesicht. Mittels zwei Linsen in der Brille entsteht ein vergrößertes Bild vor den Augen. Die Dame konnte dadurch ihre Enkel wieder erkennen. Nach seinem kurzen Vortrag meldeten sich auch bei uns etliche interessierte Versuchsteilnehmer/innen, teils mit Morbus Stargaardt, teils mit anderen Netzhauterkrankungen. Bei einigen Morbus Stargardt-Betroffenen kam es zu Sehverbesserungen. Sie konnten anderen Personen besser erkennen, allerdings damit nicht lesen. Auch die Orientierung fiel schwerer, da man nur einen kleinen Ausschnitt sah. Da auch ich diese Augenkrankheit habe, habe ich es auch versucht. Ich sah zwar alles vergrößert, jedoch nur im Außenbereich halbwegs scharf. Deshalb käme für mich eine Anschaffung, die übrigens von den Krankenkassen nicht finanziert wird, nicht infrage. Auch Versuchsteilnehmer/innen mit anderen Augenkrankheiten konnten keinen Vorteil erkennen. Letztendlich war es aber nett von Ronnie Paetow, dass er uns dies vorgeführt hat. Er hat davon finanziell nicht profitiert und wollte uns nur helfen. Zwischen 15 und 15:30 Uhr verabschiedeten sich immer mehr Teilnehmende. Allen hatte die informative und vielseitige Veranstaltung gut gefallen.
 

Bericht vom Besuch des Landesmuseums am 20.02.16

(von Christian Schulte)

Am 20. Februar traf sich ein Teil der jungen und junggebliebenen Sehbehindertengruppe gegen 10:20 Uhr im Vorraum des Hauptbahnhofs Hannover, da das Wetter an diesem Tag leider ziemlich schlecht war. Gemeinsam gingen wir dann durch die Fußgängerzone zur Bushaltestelle am Kröpcke. Der Bus kam recht pünktlich und brachte uns fast bis vor das Niedersächsische Landesmuseum in der Nähe des Maschsees.

Dort wartete schon ein Großteil der Teilnehmenden, die direkt dorthin hingegangen waren. Insgesamt nahmen 29 Personen an der Führung teil. Das Altersspektrum reichte von zehn bis weit über siebzig Jahre. Sofort kam die dafür verantwortliche Frau Gesterding, mit der ich schon zuvor Kontakt aufgenommen hatte, auf mich zu. Sie erzählte, dass die Dame, die uns durch die “Wasserwelten” des Museums führen sollte, am Vorabend krank geworden sei. Auf die Schnelle habe man keinen Ersatz finden können. Es stände aber eine Dame bereit, die uns durch das Welten-Museum im selben Haus führen würde. Ich erklärte mich dazu bereit.

Nachdem wir unsere Sachen in einem Raum verstaut hatten konnte es losgehen. Die Führerin berichtete uns, wie die Menschen von der frühen bis zur späten Steinzeit gelebt haben, und welche Werkzeuge sie benutzt haben. Anfangs lebten sie in Höhlen, danach zogen sie umher, und lebten immer dort in Zelten, wo sie Nahrung bekommen konnten. Eins der früheren Werkzeuge war ein Faustkeil. Sämtliche Werkzeuge wurden zur näheren Betrachtung und zum Ertasten herumgereicht. Es sind alles Original-Exponate, die in Niedersachsen gefunden wurden. Darunter waren z. B. eine Harpune, ein Speer,eine Sehne, eine Schere, ein kleiner Pfeil, ein Gerät, mit dem man Fleischreste von Tierhäuten entfernte, aber auch ein Beil und eine Axt (ohne den dazugehörenden Stiel). Nachdem die Tiere zunächst mit Harpunen gejagt wurden, waren es später Pfeil und Bogen. Erst in der späten Steinzeit (ca. 5.000 v. Chr.) wurden die Menschen sesshaft, bauten Häuser und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Die Anregung dazu kam von Menschen aus Syrien, dem Irak und Iran. Nach 45 Minuten war die Führung beendet. Die Dame bekam für ihre gute Arbeit einen Extra-Applaus. Aufgrund ihrer Erklärungen konnten wir gut die Entwicklung des Niedersachsen in der Steinzeit nachvollziehen. Anschließend schauten wir uns noch etwas in diesem Teil des Museums um. Es gibt dort Vitrinen mit Krügen und anderen Gegenständen aus der Steinzeit zu sehen. Darüber befinden sich Bilder von damaligen Landschaften. Es steht hier auch eine Figur des Steinzeitmenschen.

Anschließend wollten wir noch die Wasserwelten besichtigen. Frau Gesterding sagte zu einem Aufseher, dass er eine Truhe mit Modellen von Fischen und anderen Wassertieren herbeischieben solle. Der nicht sehbehinderte Wolfgang Riechstein, der privat taucht und sich gut mit diesem Metier auskennt, konnte uns jeweils die Namen und einige andere Infos dazu sagen. Gerade für die Vollblinden war dies eine große Hilfe und Bereicherung. In dem recht großen Bereich befinden sich sehr viele Aquarien. Leider gab es zu dieser Zeit recht viel Publikumsverkehr, sodass wir nicht alle Fische aus der Nähe sehen konnten. Es war aber sehr vielfältig und gut gestaltet.

Gegen 13 Uhr verabschiedete sich ein Teil der Gruppe, da sie am Nachmittag noch andere Dinge eingeplant hatten. Einige wollten gern im Lokal “Bel Arte” im Sprengel-Museum Mittag essen. Die meisten gingen unter der Führung von Manfred Bressel zum italienischen Restaurant “Bei Mario” in der Schlossstraße, wo ich zuvor einen Tisch reserviert hatte. Manfred führte uns durch den Maschseepark am Neuen Rathaus und der Leine entlang zum Lokal. Es war ein schöner Weg. Auch das Essen “Bei Mario” hat allen gut geschmeckt. Wir unterhielten uns angeregt, und berieten, wann und wo das nächste Treffen stattfinden soll. Am späteren Nachmittag gingen wir wieder zum Bahnhof zurück. Ich denke, dass es für alle Beteiligten ein schöner und interessanter Tag war.

Bericht über die Fahrt nach Hameln zum Weihnachtsmarkt

(von Christian Schulte)

Am 19.12.15 versammelte sich ein Großteil der jungen und junggebliebenen Sehbehindertengruppe der PRO RETINA Hannover um 10.45 Uhr vor dem dortigen Hauptbahnhof. Das Altersspektrum reichte von Anfang 20 bis über 60 Jahre. Der Regionalgruppenleiter Manfred Bressel nahm die Gruppe in Empfang, um mit ihnen in der S-Bahn nach Hameln zu fahren. Unterwegs stiegen noch zwei Teilnehmerinnen zu.

Da ich aus Rinteln komme (es liegt etwa 25 Kilometer westlich von Hameln), habe ich mich mit vier Teilnehmenden aus Bückeburg um kurz nach 11:00 Uhr am Rintelner Bahnhof verabredet, um mit ihnen mit dem Zug nach Hameln zu fahren. Katrin Hegeholz und ihre Freundin Annette erschienen pünktlich, von Ingrid und Werner war allerdings bis zur Abfahrt der Bahn nichts zu sehen. Ob wir sie nachher doch noch getroffen haben erfahrt Ihr später.

Am Hamelner Bahnhof nahmen wir die Teilnehmenden aus Hannover in Empfang. Insgesamt nahmen 18 Personen an diesem Ausflug teil. Bei strahlendem Sonnenschein und, für die Jahreszeit, sehr milden 15 Grad führte uns Manfred die Kaiserstraße entlang Richtung Altstadt. Hier gibt es sehr viele gut erhaltene Fachwerkhäuser zu sehen, aber auch Bauwerke aus Sandstein im Stil der Weserrenaissance. Trotz der Kriege ist noch sehr viel der ursprünglichen Bausubstanz der historischen Rattenfängerstadt erhalten geblieben.

Das Restaurant “Rattenkrug”, in dem ich für uns Tische für ein Mittagessen reserviert hatte, fanden wir recht schnell, da wir hier schon nach der Stadtführung im August 2013 gegessen hatten. Es ist das älteste Lokal der Stadt und gemütlich eingerichtet. Vor dem “Rattenkrug” warteten schon Ingrid und Werner auf uns. Wegen einer Umleitung hatten sie den Zug in Rinteln nicht mehr geschafft, und waren mit dem Auto nach Hameln gefahren. Wir waren alle erleichtert, dass es doch noch geklappt hat.

Obwohl wir die Gerichte nicht vorbestellt hatten, wurden sie recht zügig serviert. Wir saßen an zwei großen Tischen und unterhielten uns angeregt. Einige Teilnehmende haben sich hier zum ersten Mal näher kennengelernt. Ich zeigte die Fotos aus Goslar, und informierte die Gruppenmitglieder über das kommende Treffen.

Da das Wetter nach dem Essen immer noch sehr gut war, führte uns Manfred zur Weserpromenade. Von oben konnte man dort auf den Fluss schauen, sah die Brücken, den Teil der Stadt am anderen Ufer, und im Hintergrund die Weserberge. Wir gingen ein Stück an der Weser entlang, und danach wieder in die Altstadt zum Weihnachtsmarkt. Die meisten Buden befanden sich auf dem Gebiet um die Marktkirche und das Hochzeitshaus herum. Hier werden im Sommer immer die Rattenfängerspiele aufgeführt. Nachdem wir etwas getrunken hatten, bummelten wir über den Weihnachtsmarkt. Es gab hier auch einige kleine Kinderkarussells. Zunächst war es noch nicht so voll, dies änderte sich aber im Laufe der Zeit. Es war gar nicht so leicht zusammenzubleiben, und sich nicht zu verlieren.

Um ca.. 15:45 Uhr machten wir uns langsam auf den Rückweg Richtung Bahnhof. Auch auf der Osterstraße befanden sich noch viele Buden und kleine Karussells. Es stand dort auch ein älterer Mann mit einer Drehorgel. Darauf befand sich eine Affenfigur, die sich bewegte. Als wir ihm etwas Geld gaben, spielte er für uns auf einer Ziehharmonika einige Wunsch-Weihnachtslieder, und wurde von uns dafür mit einem Applaus belohnt.

Gegen 16:10 Uhr hatten wir wieder den Bahnhof erreicht. Allen hatte der Besuch in Hameln gut gefallen. Nachdem alle die S-bahn nach Hannover bestiegen hatten,
ging auch ich zu meinem Gleis, um mit der Nordwestbahn nach Hause zu fahren.

Bericht von der Weihnachtsfeier der PRO RETINA Hannover am 05.12.15

(von Christian Schulte)
 
Für den 5. Dezember um 14 Uhr hatte die Regionalgruppe zu einer Weihnachtsfeier ins Café f im Freiwilligenzentrum in der Karmarschstraße eingeladen. Dort sollte Fatima Göreneki aus Göttingen, begleitet von ihrer Irish-Folk-Band, Märchen aus aller Welt erzählen. Allerdings hatte die Band kurzfristig aus terminlichen Gründen abgesagt.

So nahm ich Fatima und zwei weitere Gäste aus Göttingen gegen 13:40 Uhr am Hauptbahnhof Hannover in Empfang. Zusammen mit einigen anderen Teilnehmenden gingen wir durch die sehr belebte Innenstadt zum Café f. Zum Glück gelang dies ohne Zusammenstöße. Beim Freiwilligenzentrum wartete schon Fatimas Freundin Sabine Raacke (Künstlername: Traumkind), die sie beim Erzählen der Märchen auf der Harfe begleiten sollte.
 
Das Café war zu dieser Zeit schon gut gefüllt. Insgesamt waren fast 40 Menschen unserer Einladung gefolgt. Nachdem Manfred Bressel die Gäste begrüßt hatte, und wir eine leckere Kürbissuppe mit Curry gegessen hatten, begann Fatima mit ihrem Vortrag. Zunächst erzählte sie aus ihrem Leben und von ihrem bisherigen beruflichen Werdegang. Trotz ihrer starken Sehbehinderung (RP) hatte sie studiert und ist jetzt als Referendarin an einer Göttinger Hauptschule tätig. Dabei wird sie von einer Assistentin unterstützt. Es stehen auch vergrößernde Sehhilfe zur Verfügung. Im Anschluss durften wir noch Fragen stellen.
 
Danach erzählte Fatima sieben Märchen aus aller Welt. Zwei davon waren von den Gebrüdern Grimm. Viele spielten aber auch in Irland. Sie waren sehr spannend und teils mystisch, hatten aber in der Regel einen tieferen Sinn. Fatima hat sie sehr gut zum Besten gegeben und in diesem Rahmen auch einige Lieder gesungen. Sie hat eine sehr gute Stimme. Auch die Begleitung mit der Harfe passte optimal. Fatima berichtete mir vorab, dass sie so noch nicht zusammen aufgetreten sind. Auch die anbrechende Dunkelheit passte ideal zu dieser Stimmung. Nur der Posaunenchor, der auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Gebäude spielte, war für manche etwas störend. Am Ende gegen 17.15 Uhr wurde Fatimas und Sabines Auftritt mit viel Beifall honoriert.
 
Zum Schluss wies ich noch auf die Fahrt zum Weihnachtsmarkt in Hameln hin, die zwei Wochen später stattfand. Ich erzählte auch etwas über die  Aktivitäten der PRO RETINA-Stiftung, die sich seit 2007 sehr für die Forschung bei sämtlichen degenerativen Netzhauterkrankungen engagiert, und verteilte die neue Stiftungsbroschüre. Um kurz nach 17.30 Uhr verabschiedeten wir uns. Es war eine gelungene Veranstaltung.

Bericht von der Fahrt nach Goslar am 10.10.15

(von Christian Schulte)
 
Sechs Mitglieder der jungen und junggebliebenen Sehbehindertengruppe um Christian Schulte trafen sich am 10. Oktober schon um kurz nach 9.30 Uhr am Bahnhof Bückeburg, um gemeinsam nach Hannover zu
fahren. Dort trafen wir dann auf die anderen Teilnehmenden an der Fahrt nach Goslar, die teilweise aus Bad Münder, Göttingen und Lügde angereist waren. Insgesamt nahmen 25 Personen daran teil.
 
Unser Zug traf pünktlich um 11.54 Uhr in der schönen Harzstadt ein. Da mir vorab schon die Touristik-Information einen Stadtplan gemailt hatte, konnte ich mir dann schon den Weg in die Innenstadt zum italienischen Restaurant “Trattoria da Enzo” raussuchen. So fanden wir es ohne Probleme. Obwohl wir die Gerichte dort a la Carte bestellten, wurden sie bei der großen Gruppe recht zügig serviert. Den meisten Teilnehmenden schmeckte es gut. Vorher zeigte ich noch die Fotos vom Besuch im Weltvogelpark Walsrode. Queeny hatte vorab bei den anderen Mitfahrenden Geld für einen schönen Schal gesammelt, den sie mir mit einer Dankeskarte, auf der viele unterschrieben hatten, für mein ehrenamtliches Engagement überreichte. Auf diesem Weg möchte ich mich noch einmal bei allen dafür bedanken. Im nahenden Winter werde ich ihn oft tragen.
 
Die Stadtführerin Ute Pötig kam direkt ins Lokal, um uns hier abzuholen. Sie führte uns zwei Stunden lang durch die schöne Innenstadt, mit vielen Fachwerkhäusern und anderen interessanten Gebäuden. Hier leben
50.000 Menschen. Sie erzählte auch viel über die Stadtgeschichte. Goslar wurde 922 gegründet. Von 968 bis 1988 baute man hier viel Erz ab. Besonders im Mittelalter hatte man dadurch hohe Einnahmen. Danach mussten sie das Privileg zwangsweise an einen Fürsten abgeben. Im 30-Jährigen Krieg wurde viel zerstört. Um 1800 lag Goslar am Boden. Erst danach ging es wieder bergauf.  Der Name Goslar kommt einerseits von dem durch den Ort fließenden Flüsschen Gose (bedeutet: ein schnell fließender Bach), und andererseits vom Begriff “lari”, was damals “ausruhen” bedeutete. Viele Reisende machten hier Station, bevor sie in den Harz weiterfuhren.
 
Wir gingen auch an der großen evangelischen Marktkirche vorbei, deren Besonderheit es ist, dass sie zwei Türme besitzt. Während im Zentrum früher die einfachen Arbeiter wohnten, residierten südlich der Gose die vornehmen Leute. Dort sahen wir auch das schöne, historische Gildehaus der damals hoch angesehenen Tuchgilde, in dem sich heute ein Hotel befindet. Die reichen Goslarer/innen wohnten in Steinhäusern ohne Fachwerk, daher kommt der Begriff “steinreich”. Der damalige Kaiser residierte in der noch heute existierenden Kaiserpfalz. Sie befindet sich im Süden am Rammelsberg. Frau Pötig erzählte uns einiges darüber, wir sahen sie aber nur aus einiger Entfernung. Auf dem Rückweg waren wir in einem Gebäude, welches früher ein Krankenhaus und Altenheim war.
 
Das Rathaus am Marktplatz war leider verhüllt, da es zur Zeit umgebaut/ restauriert wird. Früher gab es davor einen Pranger(Schandpfahl). Ein Ohr eines Betrügers wurde dort angenagelt. Er musste sich losreißen. Daher kommt der Begriff “Schlitzohr”. Vom Gebäude gegenüber hörten wir ein Glockenspiel.  Währenddessen drehten sich in geöffneten Türen am Giebel einige Figuren, wie z. B. Bergleute, im Kreis. Für viele von uns waren sie schwer zu erkennen. Frau Pötig nahm aber schon Rücksicht auf unsere Sehbehinderung. Es gab z. B. auf einer Platte einen Großteil der Bauwerke der Stadt im Miniaturformat zum Ertasten. Durch die Stadt fuhr auch eine kleine Bimmelbahn für Touristen.
 
Die Stadtführerin brachte uns auch noch zu dem Café, in dem ich Tische für uns reserviert hatte. Hier konnten wir noch einen Kaffee und ein Stück Kuchen genießen. Anschließend ging es durch die schöne Harzstadt zurück zum Bahnhof. Um 19.10 Uhr trafen wir wieder in Hannover ein. Es hat allen gut gefallen, und auch das Wetter war für eine solche Unternehmung gut – es schien die Sonne, nur der Wind wehte etwas frisch. Ich denke, dass alle, die nicht dabei waren, etwas versäumt haben.

Bericht von der Fahrt in den Weltvogelpark Walsrode am 08.08.15

(von Christian Schulte)
 
Schon relativ früh versammelten sich zehn Teilnehmende der jungen und junggebliebenen Sehbehindertengruppe der PRO RETINA Hannover am 8. August auf dem Bahnhof Bückeburg, um gemeinsam mit der S-Bahn nach Hannover zu fahren. Dort trafen wir gegen 9:35 Uhr vor dem Hauptbahnhof auf 16 weitere blinde und sehbehinderte Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die teils aus Celle und Bad Münder angereist waren. Das Altersspektrum reichte von 16 bis weit über 70 Jahre. Auch einige Neue hatten sich zu uns gesellt.
 
Mit dem Zug fuhren wir 26 Teilnehmenden dann nach Walsrode. Es war zwar bedeckt, regnete aber nicht mehr, und war nicht mehr so schwülheiß wie in den Tagen davor. Vom Bahnhof Walsrode sollte uns ein Linienbus zum Weltvogelpark fahren, der etwas abseits des Ortes liegt. Der Bus stand schon da, allerdings sagte uns die Busfahrerin, dass die Fahrt nicht angemeldet sei, was ich aber definitiv gemacht habe. Sie fuhr uns dann dorthin, meinte aber, dass ab dem Mittag keine Busse mehr zurückfahren würden. Der Herr von der Verkehrsgemeinschaft Heidekreis hatte mir allerdings diverse Zeiten genannt, von denen ich eine Rückfahrt angemeldet hatte.
 
Gegen 11 Uhr sind wir am Weltvogelpark angelangt. Er besteht schon seit 1962, und ist der größte weltweit mit insgesamt 4.200 Vögeln und 675 Arten aus aller Welt. Es ist ein großes parkähnliches Gelände, mit vielen Bäumen, Büschen, Blumen, kleineren Teichen und Bächen und etlichen Bänken. Die meisten Vögel befinden sich in einigen Quadratmeter großen Gehegen. Sie sitzen dort auf Baumästen oder in Buschen. Manchmal fliegen sie etwas umher und geben Laute von sich. Dies ist für Menschen mit Blindheit  ein ganz interessantes akustisches Erlebnis. An den Gehegen befinden sich auch Infos zu den Tieren (zum  Beispiel wo sie herkommen). Ingrid Fähnrich aus Bückeburg hat einem Teil der Gruppe zum Ende hin sehr viel vorgelesen und das Aussehen der Vögel beschrieben. Vielen Dank für Dein Engagement! Einige Vogelnachbildungen waren an Bänken angebracht, die Menschen mit Blindheit ertasten konnten. So konnten sie einen Eindruck davon bekommen, wie der Vogel in Natur aussieht.
 
Um 11:30 Uhr startete auf dem Gelände eine spektakuläre Flugshow. Wir ließen uns auf den zahlreichen Bänken davor nieder. Eine junge Moderatorin erzählte  während der 30-minütigen Vorführung, welche Vögel gerade ihr Können zeigten. Sie wurden mit Futter dorthin gelockt, wohin sie fliegen sollten. Manche sausten nur knapp über unsere Köpfe hinweg. Es gab zum Beispiel  Uhus, Geier, Falken und verschiedene Arten des Kondors und Sekretäre zu bestaunen. Sie bekamen dafür jeweils einen Applaus.
 
Danach gingen wir ins nahegelegene Rosencafé, in dem ich für 12:15 Uhr Tische für unser gemeinsames Mittagessen bestellt hatte. Die vorbestellten Gerichte wurden recht zeitnah serviert. Währenddessen hatten wir die Telefonnummer eines Taxiunternehmens herausbekommen. Sie versprachen, uns am Nachmittag mit drei Taxis und je zwei Fahrten zum Bahnhof zurückzufahren.
 
Um 13:30 Uhr sollte uns eigentlich unser Ranger zur speziellen sehbehindertengerechten Führung dort abholen. Zu meiner Erleichterung kam er dann circa 15 Minuten später doch noch, da er vorher Vögel einfangen musste. Er hieß Tony, war recht locker, und führte uns zunächst in eine große Freiflughalle. Hier konnten wir diverse Vögel füttern, berühren und beobachten. Sie sahen teilweise recht farbenfroh und exotisch aus. Danach ging es zur Uhu-Burg. Lebendige Vögel sahen wir hier zwar nicht, aber dank technischer Hilfsmittel konnten wir die unterschiedlichen Laute artverwandter Vögel hören. Zum Schluss wanderten wir an einigen Teichen mit Pelikanen und Flamingos vorbei zu den Pinguinen. Sie waren kleiner als viele dachten, weil sie aus Peru kamen. Ein sehr zahmes Exemplar durften wir alle streicheln. Es hatte ein sehr weiches Federkleid Um kurz nach 15 Uhr war die Führung vorbei. Tony bekam noch einen Extra-Applaus.
 
Ein Teil der Gruppe ist dann zum Ausgang gegangen, um mit den ersten Taxis zum Bahnhof zu fahren. Etliche schauten sich die zweite Flugshow des Tages an. Ingrid führte eine kleine Gruppe noch durch einen Teil des Parks. So waren wir auch im Papageienhaus. Sie sind recht farbenfroh und gaben unterschiedliche Laute von sich (leider sprach keiner).Die meisten kommen aus Südamerika.
 
Mit fast allen restlichen Gruppenmitgliedern ging es dann zum Ausgang und den Taxis. Wir fuhren mit dem pünktlich startenden Zug wieder nach Hannover, wo wir um 17.08 Uhr eintrafen. Trotz der kleineren unvorhersehbaren Schwierigkeiten hat es allen sehr gut gefallen. Das Wetter war für eine solche Unternehmung auch gut. Manchmal schien sogar die Sonne. Zum Schluss bedanke ich mich noch bei allen Teilnehmenden dafür, das sie so gut mitgezogen haben.

Bericht von der (Abenteuer)Fahrt nach Hamburg am 13.06.15

(von Christian Schulte)
 
Zusammen mit Ingrid Fähnrich und Werner Bauer aus Bückeburg und meinem Vater als Fotografen fuhr ich von dort mit dem Zug nach Hannover. Dort wollten wir uns gegen 10.20 Uhr am Ernst-August-Denkmal mit den anderen Teilnehmenden treffen. Nachdem Kevin Bobbert pünktlich erschienen war, warteten wir noch auf Queeny und Sabine Luczak, die wegen Bauarbeiten auf der Fahrtstrecke verspätet, aber gerade noch rechtzeitig, erschienen.  Den Metronom erwischten wir so noch.
 
Am Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen hatten wir einen längeren Aufenthalt. Einige wollten an einem Kiosk etwas trinken. Als wir wieder im Zug nach Hamburg saßen, bemerkte ich, dass ich meinen großen bunten Schirm dort stehengelassen hatte. Ob ich ihn doch noch wiederbekommen habe erfahrt Ihr später.
 
In Hamburg wollte uns Jürgen Schulz, der von Nienburg direkt dorthin gefahren war, gegen 13 Uhr von Gleis 13 abholen. Obwohl der Metronom auf Gleis 12 ankam, und dort viel los war, fanden wir ihn recht schnell. Er hatte zuvor schon geschaut, wie wir am besten zur U-Bahn-Station kamen. Sie wartete schon auf uns, und innerhalb von fünf Minuten waren wir an den St. Pauli-Landungsbrücken. Für 13.30 Uhr hatte ich für uns einen Tisch im Lokal “Ocean” reservieren lassen. neben Fischgerichten gab es dort noch viele andere Speisen. Sie wurden recht zügig serviert.
 
Nach dem Essen suchten wir auf der Hafenprsomenade den Verkaufsstand, an dem ich meine Voucher für die Hafenrundfahrt vorlegen musste. Zum Glück galt für unsere achtköpfige Gruppe noch der günstige Gruppentarif (sonst erst ab 10 Personen). Um kurz nach 15 Uhr nahmen wir auf dem noch leeren Deck Platz. Es war noch etwas sonnig und schwülwarm. Das Schiff füllte sich langsam, und gegen 15.30 Uhr begann die Hafenrundfahrt. Ein Moderator schilderte uns währenddessen, was wir am Wegesrand sahen. Wir fuhren Richtung schwarzer Wolkendecke Wir fuhren am Fischmarkt, einigen Kneipen (wo auch “Inas Nacht” gedreht wird), einem  ehemaligen Greenpeace-Gebäude, einem vornehmen Villenviertel, den Airbus Werk vorbei zum Containerhafen und zur Werft “Bloom & Voss”. Hier wird u. a. an riesigen Luxusschiffen gebaut.
 
Inzwischen hatte leider ein heftiges Unwetter eingesetzt. Es schüttete wie aus Kübeln, es stürmte, donnerte und blitzte. Ein Blitz schlug ca. zehn Meter neben unserem Schiff ein. Das Boot selbst wurde zum Glück verschont. Wir flüchteten unter eine Überdachung, die aber wegen des starken Windes wenig Schulz bot. Auf der Rückfahrt sahen wir dann noch die Speicherstadt, die seit langem im Bau befindliche Elbphilamonie, und die Kirche St. Michaelis (Hamburger Michel).  Als das Schiff nach über einer Stunde wieder am Bootsanleger andockte hatte es fast aufgehört zu regnen.
 
Mit der S-Bahn ging es wieder zurück zum Hauptbahnhof. Da unser urspünglich anvisierter Zug schon abgefahren war, tranken wir an einem Stehcafé noch einen Kaffee und aßen teils ein Stück Kuchen. Als wir wieder in Uelzen eintrafen, ging ich sofort zum Kiosk, und fragte nach meinem Schirm. Die Bedienung konnte ihn mir zum Glück aushändigen. Während der langen Zugfahrten unterhielten wir uns angeregt, und ich zeigte die Fotos aus Duderstadt. Einige meinten, dass solch ein Ereignis auf dem Wasser schon etwas Besonderes sei. Immerhin haben wir alle Abenteuer und Herausforderungen gut gemeistert. Eine Teilnehmerin meinte, dass alle, die nicht dabei waren schon etwas verpasst hätten. Auch ich wünsche mir wegen der intensiven Vorarbeit und der günstigen Gruppenpreise eine höhere Teilnahmezahl. Jeder ist hier wichtig.
 
Bevor wir um 20:14 Uhr in Hannover eintrafen, konnten wir im Zug noch die schöne Abendsonne genießen. Hier hatte es übrigens gar nicht geregnet. Um etwa 21:45 Uhr war dann auch ich Zu Hause in Rinteln.

Bericht über die Fahrt nach Duderstadt am 18.04.15

(von Christian Schulte)

Am 18. April traf sich ein Großteil der Sehbehindertengruppe der jüngeren Generation mit zwei Teilnehmerinnen des Brunnenhof-Stammtisches gegen 10:15 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover am Ernst-August-Denkmal. Bei schönstem Sonnenschein fuhren wir dann mit dem Metronom von dort nach Göttingen.

Da man von hier aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur sehr schlecht nach Duderstadt kommt, hatte ich vorher einen Kleinbus samt Fahrer organisiert. Auch der Stadtführer Bernd Haupt und Kevin Bobberts Vater, die beide aus Duderstadt kommen, nahmen einige Teilnehmer/innen mit. Die Stadt liegt etwa 30 Kilometer östlich von Göttingen, direkt an der Landesgrenze zur ehemaligen DDR. Es gehört zum Eichsfeld. Dieses liegt sowohl auf dem Gebiet von Niedersachsen als auch auf dem von Thüringen. Man nennt es Eichsfeld, da dort früher viele Eichen standen.

Um 12:30 Uhr hatte Kevin einen Tisch in dem griechischen Lokal "Thassos" für uns reservieren lassen. Obwohl wir keine Gerichte vorbestellt hatten, wurden sie für die große Gruppe von 19 Personen (der Stadtführer und der Busfahrer aßen mit) recht schnell serviert. Alle waren mit dem Essen sehr zufrieden. Währenddessen unterhielt uns Bernd Haupt mit seiner Blockflöte und der Handharmonika. Teilnehmer/innen konnten sich sogar Lieder wünschen. Wir quittierten dies mit einem Applaus.

Gegen 14 Uhr startete dann die Stadtführung. Am Anfang hörten wir das Glockengeläut der beiden Kirchen in der Innenstadt. Zunächst gingen wir an der evangelischen Servatius-Kirche vorbei über den großen Marktplatz. Hier fließt auch offen das Bächlein Brehme, welches aber zu der Zeit kein Wasser führte. Früher diente es zur Wasserversorgung der Stadtbevölkerung, da das Grundwasser eine schlechte Qualität hatte. Am östlichen Rand der Innenstadt befindet sich die katholische St.-Cyrakus-Kirche, die wir auch besichtigten.

In der Innenstadt gibt es sehr viele historische Fachwerkhäuser, da durch die Kriege kaum etwas zerstört wurde. Sie sind gut restauriert. Es gibt hier auch eine Mariensäule, da die Gegend sehr katholisch ist. In Duderstadt direkt wohnen ca. 10.000 Menschen, in den angrenzenden Ortsteilen noch einmal ca. 12.000. Die Stadt wurde 927 gegründet. Ihren Namen hat sie wohl einem ehemaligen Bach zu verdanken, der durch das morastige und sandige Gebiet floss. Durch Handel und den Verkauf von Eichen war die Stadt im Mittelalter sehr reich.

Das heutige Rathaus entstand in Teilen bereits 1302. In den folgenden Jahrhunderten wurde es mehr und mehr ausgebaut. Unter der Erde befand sich ein Folterkeller, den wir auch besuchten. Es gab dort (zum Glück) keine Geräte mehr, aber wir konnten die Geräusche hören, die sie verursachten. Der Busfahrer erläuterte uns, dass hier im Mittelalter Menschen gequält und getötet wurden, und das im Namen der Justiz und Kirche! Meiner Meinung nach hat er die Handlungsweisen damals zu sehr verharmlost und relativiert. Im Erdgeschoss befindet sich die ehemalige Kaufhalle. Die oberen sieben Geschosse des Rathauses kann man auch besichtigen, allerdings fehlte uns dafür leider die Zeit. Die unteren Etagen sind aus Sandstein, die oberen im Fachwerkstil errichtet. Auf dem Dach befinden sich einige Türme. Es ist ein einzigartiges Gebäude.

In der nahe gelegenen Eisdiele hatte der Stadtführer einige Tische reservieren lassen. Dort konnten wir ein leckeres Eis, ein Stück Torte oder einen Kaffee genießen. Bernd Haupt unterhielt uns in dieser Zeit mit einer Drehorgel. Auf dem Rückweg zu den Fahrzeugen gingen wir ein Stück an der alten Stadtmauer entlang. Sie führte uns zum Westernturm. Er diente früher als Aussichtsturm, um Feinde rechtzeitig erspähen zu können. Außer der Stadtmauer gibt es auch noch einen Stadtwall, den wir aber aus Zeitgründen nicht sehen konnten. Durch den Turm kann man hindurchgehen/fahren. Seine Spitze ist um 90 Grad gedreht, was laut Sage entweder der Teufel oder der Regen verursacht hat.

Bevor wir in Göttingen wieder in den Zug nach Hannover stiegen, bedankten wir uns beim Stadtführer mit einem Applaus und Trinkgeld für die tolle, unterhaltsame Stadtführung, die allen sehr gut gefallen hat. Auch das Wetter war für eine solche Unternehmung ideal. Wer nicht dabei war hat definitiv etwas versäumt. Um 19:26 Uhr trafen wir wieder wohlbehalten in Hannover ein.

Bericht vom PRO RETINA Regionalgruppentreffen am 07.03.15

  • Vorträge
  • Tätigkeitsbericht der Aktiven
  • Wahl des Leitungsteams

(von Christian Schulte und Manfred Bressel)
 

Am 7. März traf sich die Regionalgruppe Hannover und Nienburg um 11 Uhr im Brunnenhof Hannover zum ersten Regionalgruppentreffen in diesem Jahr. Es nahmen etwa 50 Personen daran teil, von denen leider nicht alle bis zum Schluss blieben.
 
Die scheidende Regionalgruppenleiterin Ute Pfannschmidt begrüßte alle Anwesenden. Anschließend übernahm Manfred Bressel die Moderation. Als erstes erteilte er dem jungen Oberarzt Dr. Karsten Hufendiek das Wort, der seit letztem Jahr an der Augenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover tätig ist. Er fragte zunächst, wie viele Teilnehmer von bestimmten degenerativen Netzhauterkrankungen betroffen sind. Sehr ausführlich  berichtete er über das Glaukom (grüner Star) und die diabetische Netzhautschädigung. Davon war allerdings kaum jemand betroffen.
 
Beim Glaukom sammelt sich in der Augenkammer immer mehr Flüssigkeit an. Es kommt dann zu einem Ödem (Schwellung). Wenn man es nicht rechtzeitig kontrollieren und den Augendruck messen lässt, wird der Sehnerv geschädigt. Es kommt zu Gesichtsfeld-
ausfällen,und im schlimmsten Fall zur Erblindung.
Im Frühstadium kann man es mit Medikamenten bekämpfen, die sowohl den Augendruck, als auch den Blutdruck senken. Bei einer Operation kann man dort auch einen kleinen Schnitt vornehmen, sodass die Flüssigkeit ablaufen kann.
 
Bei der diabetischen Netzhautschädigung kann es sowohl zu Gefäßwucherungen, als auch zur Netzhautablösung kommen. Letztere kann man zwar wieder befestigen, aber leider kommt es hierbei häufig zu Beschädigungen. Gegen die Wucherungen kann man spezielle Medikamente in die Netzhaut spritzen. Je eher man handelt – umso besser.
 
Zum Krankheitsbild MD ging er nur auf die altersbedingte Form ein. Die AMD tritt meistens ab dem 50. Lebensjahr auf. Es sammeln sich schädliche Stoffe zwischen der Netzhaut und der Aderhaut. Die Netzhaut wird dann nicht mehr mit Nährstoffen versorgt, und die Zellen sterben immer mehr ab, was zu einem Sehverlust führt. Eine erbliche Veranlagung ist möglich, allerdings kann eine gesunde Lebensführung vorbeugen (gesunde Ernährung, viel Bewegung, Nichtrauchen). Eine Therapie gibt es bei dieser trockenen Form noch nicht. Bei der feuchten MD, bei der es zu Gefäßwucherungen kommt, helfen Spritzen, um die Krankheit zu stoppen, oder sogar eine Sehverbesserung zu erzielen.
 
Bei der RP, die genetisch vererbt wird, sterben immer mehr Stäbchen im Auge ab. Dadurch kommt es zu Gesichtsfeldausfällen. Mit der Zeit können auch die Zapfen absterben, sodass es im Spätstadium zur Erblindung kommen kann. Dann kann man einen Chip auf oder unter der Netzhaut anbringen. Das Komplikationsrisiko ist hier aber recht hoch, und die Sehkraft ziemlich gering. Einen Bericht über das Retina-Implantat finden Sie in der vorletzten Ausgabe des Newsletters.
 
Dr. Hufendiek ging immer wieder auf Fragen der Anwesenden ein. Allerdings bemängelten einige Teilnehmer, dass er zu viele Fachbegriffe verwenden würde.
 
Nach dem Mittagessen ging es mit den Tätigkeitsberichten der Aktiven weiter. Ute Pfannschmidt (Leiterin), Manfred Bressel (Stellvertreter), Peter Ellinger (Newsletter), Ramona Jacobs (MD-Beratung), Sabine Schulz (Stammtisch), Regina Prull (Homepage), und Christian Schulte (Jugendgruppe) erzählten über die Arbeiten und Aktivitäten.
Manfred Bressel berichtete über die Infostände zum Selbsthilfetag am Kröpcke und zum Tag der Sehbehinderten in Zusammenarbeit mit dem BVN. Die Lernstation AMD im Rahmen der Veranstaltungsreihe Patientenuniversität der MH Hannover wurde von Ramona Jacobs betreut. Der Überblick über die Ein- und Ausgaben der Regionalgruppe umfasste Erläuterungen zur Pauschalförderung und zur Projektförderung der Krankenkassen.
Die Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederinformation umfasst sechs Newsletter im Jahr  sowie eine ständig aktualisierte Homepage, die auch gern aufgesucht wird.
Zu dem bereits existierenden monatlichen Stammtisch, der hauptsächlich von älteren Mitgliedern besucht wird, soll es in 2015 ein weiteres regelmäßiges Treffen geben. Es sollen hiermit neue Betroffene und Angehörige angesprochen werden.
Die Jugendgruppe traf sich in 2014 neunmal. Über die Aktivitäten hat Christian Schulte detailliert in den Newslettern berichtet. Nicht nur die jungen Leute, sondern auch Senioren und Gäste fühlen sich durch das Angebot angesprochen. Christian Schulte ist auf Bundesebene als Delegierter und Ausschussmitglied tätig.

Danach kam es zur Wahl des neuen Leitungsteams. Zur Wahl traten Manfred Bressel, Ramona Jacobs und Christian Schulte an. Sie wurden einstimmig von allen 22 noch anwesenden Mitgliedern gewählt. Manfred Bressel übernimmt den Vorsitz, Ramona Jacobs und Christian Schulte sind gleichberechtigte Stellvertreter. Ute Pfannschmidt wurde mit einem Blumenstrauß für ihre Arbeit gedankt.
 
Gegen 14.45 Uhr ergriff Thomas Reichel aus Braunschweig das Wort. Er ist Referent im Arbeitskreis Psychologische Beratung der PRO RETINA und an Morbus Stargardt erkrankt. Er erzählte zunächst, wie es ihm mit der Diagnose und der schwindenden Sehkraft erging. Zunächst hatte er von anderen Betroffenen gelernt, dass die Sehbehinderung ein Teil seines Lebens ist, die er so akzeptieren muss. Thomas Reichel bietet psychologische Beratung für andere Betroffene auch in seiner Praxis an.
Auf Bundesebene gibt es regelmäßig Seminare, die auch von der Fachbereichsleiterin Cordula von Brandis-Stiehl geleitet werden. Thomas Reichel ist unter der Tel.-Nr.: (05 31) 6 18 39 42 und der Mail-Adresse info@reichel-beratung.de zu erreichen.
 
Danach gab es noch einige Schlussbemerkungen von Manfred Bressel. Gegen 15:30 Uhr war die Veranstaltung beendet. Es wurde ein recht vielfältiges, interessantes Programm geboten

Bericht vom Besuch des Kestner-Museums am 14.02.15

(von Christian Schulte)
 
Am 14. Februar trafen sich 15 Teilnehmer/innen der jüngeren Sehbehindertengruppe und einige Bekannte von Sabine Schulz aus Celle um 11.05 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover am Ernst-August-Denkmal. Manfred Bressel führte uns bei schönstem Wetter durch die Fußgängerzone zum August-Kestner-Museum in der Nähe des Neuen Rathauses. August Kestner sammelte seinerzeit als hannoverscher Vatikanbeauftragter nicht nur ägyptische, sondern auch griechische und römische Kulturgüter. Nach seinem Tod richtete sein Neffe in Hannover im Jahr 1887 das Kestner-Museum ein, um diese Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es ist somit das älteste Museum der Stadt.
 
Im Vorraum warteten schon Herr Pfannschmidt und das Ehepaar Senkpfeil auf uns. Nachdem wir unsere Sachen im Spind verstaut hatten konnte die Führung beginnen. Ursprünglich hatte ich zwei gebucht, da nur maximal 12 Personen in einer Gruppe sein dürfen. Manfred Bressel erreichte aber, dass die gesamte Gruppe von 18 Leuten in einer zweistündigen speziellen blinden- und sehbehindertengerechten Führung durch den Bereich “altes Ägypten” geleitet wurde.
 
Die Dame, die uns führte, ging sehr auf unsere Behinderung ein. Wir durften diverse Pharaonenköpfe, sitzende Grabstatuen, die Statue des Osiris, und eine Steintafel mit Hieroglyphen, die damals an ägyptischen Häusern hing. Es sind Original-Exponate, die schon 3.000 – 4.000 Jahre alt sind. Staunend erfuhren wir, dass damals sowohl Frauen als auch Männer ihre Haare kurz geschoren trugen. In der Öffentlichkeit trugen sie damals Perücken, Kunstbärte und schminkten ihre Augenbrauen mit Kajal. Auch sonst erfuhren wir viel von ihrer ägyptischen Kultur und ihrem Glauben bzw. ihren Vorstellungen, was nach dem Tod passieren würde.
 
Dann durften wir noch einige Kleingegenstände ertasten, darunter Amulette, ein Teil eines Sakrilegs, oder Behälter für Salben und Schminke. Dabei fiel uns auf, dass die Ägypter 1.000 bis 2.000 Jahre v. Chr. im Vergleich zu anderen Völkern schon sehr weit entwickelt waren. Nicht nur unser Tast- sondern auch der Geruchssinn wurde trainiert, indem wir durch eine Öffnung den Geruch eines Kanonenrohrs riechen konnten. Viele der Gegenstände lagen allerdings in Glasvitrinen, sodass sie nicht ertastbar waren. Am Ende wollte die Führerin auch wissen, was daran noch sehbehindertengerechter sein könnte. Es wurde bemängelt, dass die Beschriftungen für uns viel zu klein sind, dass sie auch in Brailleschrift sein sollten, und dass das Angebot an akustischen Hilfen noch deutlich ausgebaut werden müsse. Insgesamt gesehen hat es uns aber gut gefallen.
 
In der schönen Mittagssonne führte uns Manfred vom Museum zur Pizzeria “Bei Mario” am Leineufer. Hier hatte ich zuvor einen Tisch für uns reserviert, und die gewünschten Gerichte vorbestellt. Ute  Pfannschmidt und Sabine Luczak, die nicht an der Führung teilgenommen hatten, wartete hier schon auf uns. In angeregter Atmosphäre plauderten wir über dies und das, und bezogen auch die vier neuen Teilnehmer/innen in die Gespräche ein. Ich berichtete über die anstehenden Termine. Am Nachmittag gingen wir dann zum Bahnhof zurück. Für die meisten Leute war es ein schöner, interessanter Tag.

Bericht über das Info-Treffen "Retina-Implantat/Elektrostimulation"

(von Christian Schulte und Peter Ellinger)

Am 22. November lud die PRO RETINA Hannover zu einer Info-Veranstaltung von Dr. Keserü von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf in den Brunnenhof am  Ernst-August-Platz ein. An der Veranstaltung nahmen etwa 25 Interessierte teil, die auch Fragen zum Retina-Argus-Implantat und der Elektrostimulationsstudie stellen konnten. An  ihr hatten Anfang des Jahres Katja Hedderich und Maritta Wendehorst aus unserer Gruppe teilgenommen. Sie haben den Kontakt zu Dr. Keserü hergestellt.

Die Veranstaltung begann fast pünktlich um kurz nach 11 Uhr mit dem Vortrag des Forschers. Auf einer Leinwand sah man zu seinen Ausführungen Fotos und kurze Videofilme, konnte aber auch ohne visuelle Eindrücke alles Wichtige mitbekommen. Zunächst erläuterte er uns den Unterschied zwischen dem "subretinalen" Implantat (unter der Netzhaut), wie er vor allem in Tübingen verfolgt wird, und dem "epiretinalen" Ansatz (auf der Netzhaut), den sein Institut erforscht und erprobt. Zwei Operationen sind hier notwendig, um das Implantat auf der Netzhaut anzubringen. Dies geschieht nur auf einem Auge. Die OP dauert unter Vollnarkose drei Stunden.

Das Implantat besteht aus kleinen biegsamen Kunststoffen, auf denen verschiedene mikroelektronische Bauteile angebracht sind. Diese dienen zum Empfang der elektronischen Reize. Sie werden über den Sehnerv an das zentrale Nervensystem weitergeleitet. Die Bilder, die die operierte Person dann sieht, sind schwarz/weiß. Im besten Fall beträgt die Sehkraft damit 1,6 % bei einem Gesichtsfeld von etwa 10 Grad.

Dazu muss der Betroffene eine große Brille mit einer Kamera tragen. Hiermit werden die Bilder aufgenommen. Diese Bilddaten werden zum Mikrocomputer im Taschenprozessor, der sich am Gürtel befindet, gesandt, und dann wieder an die Brille zurückgeschickt. Diese überträgt sie dann drahtlos an das Implantat im Auge.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an RP-Erkrankte, die bestenfalls noch einen Lichtschein wahrnehmen. Für sie ist es eine kleine Verbesserung, d. h. sie können wieder größere Gegenstände erkennen. Lesen, Fernsehen oder gar Autofahren ist hiermit leider nicht möglich. Dazu kommen eine Reihe von Risiken bei der OP, wie z. B. Entzündungen u. Ä.. Sie zusammen ergeben ein Komplikationsrisiko von 45 %. Auch kann die voraussichtliche Haltnbarkeit des Implantats aufgrund der bisher erst dreijährrigen Erfahrung noch nicht abgeschätzt werden. Aus diesem Gründen muss jeder Betroffene genau überlegen, ob er diese Operation wirklich durchführen lassen will.

Auch im Bereich der Stammzellenforschung gibt es einige vielversprechende Fortschritte. Zudem ist die PRO-RETINA-Stiftung in diesem Bereich sehr aktiv. Die beiden Stiftungsprofessoren und fünf Doktoranden, die von ihr finanziell unterstützt werden, sollen ab jetzt in jeder Ausgabe der "Retina aktuell" über ein Forschungsprojekt berichten. Dies versicherte mir kürzlich die Stiftungsvorsitzende Helma Gusseck.

Letztendlich wünschen wir uns wohl alle, dass es den Forschern gelingt, bei degenerativen Netzhauterkrankungen bald einen Fortschritt zu erzielen, bei dem alle deutlich besser sehen können.

Der sehr interessante Vortrag war gegen 12:30 Uhr zu Ende. Herr Dr. Keserü sprach in allgemeinverständlichem Deutsch, hinterließ einen offenen, ehrlichen Eindruck, zumal er auch negative Aspekte von sich aus ansprach, und beantwortete alle Fragen. Die Möglichkeit eines anschließenden Mittagessens nutzen nur wenige Teilnehmer.

Bericht vom Regionalgruppentreffen am 01.11.14 in Hannover

(von Christian Schulte)

Das zweite Treffen der Regionalgruppe Hannover der PRO RETINA fand am 1. November um 11 Uhr im Brunnenhof am Ernst-August-Platz statt. Es nahmen weit über 50 Personen daran teil.
 
Nach einer kurzen Begrüßung durch die Regionalgruppenleiterin Ute Pfannschmidt ergriff Frau Prof. Marie-Luise Dierks von der Medizinischen Hochschule Hannover das Wort. Sie informierte uns ausführlich über die Veranstaltungsreihe Patientenuniversität, die es seit 2007 gibt. In diesem Jahr finden zehn Veranstaltungen dieser Art dort statt, meistens am Dienstagabend. Der Eintritt beträgt fünf bis acht Euro. An jedem dieser Abende wird über ein bestimmtes Krankheitsbild allgemeinverständlich informiert. Dazu gibt es noch diverse Lernstationen, an denen man noch ergänzende und spezielle Infos bekommt.Als Ansprechpartner stehen dort Professoren, angehende Mediziner, Mitarbeiter/innen der MHH, aber auch Vertreter/innen von Patienten- und Selbsthilfevereinigungen zur Verfügung. Nähere Infos erhaltet Ihr unter:
www.patienten-universitaet.de
 
Nach einer kurzen Pause berichtete uns Cornelia Westram von ihrer Arbeit als Orientierungs- und Mobilitätstrainerin. Dieses Training muss der Augenarzt/die Augenärztin verordnen. Anschließend stellt man danneinen Antrag auf Kostenübernahme an seine Krankenkasse. Bei Ablehnung kann man Widerspruch dagegen einlegen. Je kleiner das Gesichtsfeld ist, desto größer sind hier wohl die Chancen auf eine Bewilligung. Die Trainer/innen kommen beim ersten Besuch ins Haus, und stellen dort zum Beispiel. den Blindenstock, aber auch andere Hilfsmittel, vor. Mit deren Hilfe muss sich der Betroffene zunächst in einem fremden Gebäude zurechtfinden. Danach geht es in ein unbekanntes Wohngebiet, und man lernt selbstständig Bus oder Straßenbahn zu fahren. Auch zu diesem Themengebiet gab es einige Fragen.
 
Pünktlich um 13 Uhr wurde uns das vorbestellte Mittagessen serviert. Gegen 14 Uhr ergriff ich das Wort, und berichtete über meine Arbeit als Ausschusssprecher im DV-Ausschuss für Vereinsentwicklung. Ich erzählte zum Beispiel., dass ich einen Schwerpunktbericht über einige unserer Regionalgruppen geschrieben habe, in dem auch unsere Gruppe vorgestellt wird, und der wohl in der ersten “Retina aktuell”-Ausgabe des nächsten Jahres erscheint. Katja Hedderich berichtete über den Relaunch der PRO-RETINA-Homepage, der in den nächsten Monaten endgültig umgesetzt wird, und über die kostenlose Rechtsberatung für unsere Mitglieder,  wenn zum Beispiel  die Krankenkasse ein Mobilitätstraining oder Hilfsmittel nicht bezahlen will, und man dagegen Wiederspruch einlegen will. Ihr Mann Gerhard gab uns interessante Infos zur PRO-RETINA-Stiftung, die sich sehr im Bereich der Forschung an degenerativen Netzhauterkrankungen engagiert.
 
Schon seit 10 Uhr hatte Helmut Künnecke von der Firma “becker + flöge” diverse Hilfsmittel im Vorraum des Saals aufgebaut. In einem Vortrag informierte er dann über diese Geräte, und wie die Hilfsmittelberatung bei ihnen abläuft. Als Letztes gaben wir Aktiven noch einige Infos zu anstehenden Terminen bekannt, und animierten zur Teilnahme. Gegen 15:20 Uhr war die sehr interessante, und thematisch breit gefächerte Veranstaltung beendet

Bericht über die Fahrt nach Lüneburg am 27.09.14

(von Christian Schulte)

Am diesem Tag trafen sich um 10:20 Uhr Teilnehmer und Teilnehmerinnen der jüngeren Sehbehindertengruppe und der Stammtischgruppe vor den Hauptbahnhof Hannover, um bei schönstem Wetter mit dem Zug nach Lüneburg zu fahren.

Vom dortigen Bahnhof ging es zum Lokal  “Krone”, bei dem  ich für uns einen Tisch reserviert hatte. Das vorbestellte Essen schmeckte  allen sehr gut.
Um 14:30 Uhr wartete schon unsere Stadtführerin, Frau Peterson, vor dem  Restaurant auf uns. Sie war sehr nett, und ging in ihrer 90-minütigen Führung sehr auf  unsere Sehbehinderung ein.

Wir konnten auch viele Dinge ertasten, unter anderem einen Miniatur- Stadtplan mit allen Häusern. Die meisten Gebäude waren schon 500 –600 Jahre alt, aus  rotem Backstein erbaut und hatten schöne Giebel. Sie zeigte uns auch den Hafen, von  wo aus früher das, unter Teilen der Stadt befindliche, Salz über die Ilmenau in alle Welt  exportiert wurde. Heute dient es als Kulisse für die  Fernsehserie “Rote Rosen”.

Frau  Peterson trank danach noch mit uns Kaffee, und führte uns sogar zum Bahnhof zurück.  Einen solchen Service hatten wir noch nie! Es war für uns alle ein wunderschöner Tag.     

Bericht vom Treffen der jüngeren Sehbehindertengruppe am 02.08.14

(von Christian Schulte)

An diesem Treffen haben insgesamt 21 Personen im Alter von acht bis über sechzig Jahren teilgenommen. Ein Teil der Gruppe traf sich um ca. 11:45 Uhr vor dem Hauptbahnhof, der Rest ging direkt zum Lokal “Bella Italia”.
Während des Essens gab es viele interessante Gespräche. Ich zeigte die Fotos aus dem Hannoveraner Zoo.

Gegen 14:30 Uhr gingen wir zum Maschsee, wo zu dieser Zeit das Maschseefest stattfand. Ein Teil der Gruppe fuhr mit dem Tretboot, der Rest ging an den Buden am Ostufer entlang.
Danach gingen wir zu einem Straßenlokal in der Georgstraße, wo wir einen leckeren Cocktail tranken.
Am Abend fuhren wir vom Bahnhof zurück nach Hause.

Trotz des schwülheißen Wetters hat es uns ganz gut
gefallen.

Bericht über den Besuch im Zoo Hannover am 14.06.14

(von Christian Schulte)

Die Teilnehmer/innen der jüngeren Sehbehindertengruppe der PRO RETINA trafen sich am 14. Juni um 10.15 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover. Von dort fuhren wir mit einem Linienbus zum Zoo. Peter, Bärbel, Andreas und Marina aus Hannover-Bothfeld warteten dort schon auf uns, da sie mit dem Auto dorthin gefahren waren. Ebenfalls nahmen wir vor dem Eingang Camen und Wolfgang aus Holzminden in Empfang.
Nachdem der Eintritt und die Führung bezahlt waren, kam schon unser junger weiblicher Scout auf uns zu. Ein Großteil des Zoogeländes ist in Länder- bzw. Kontinentbereiche aufgeteilt. Die Mehrheit der Gruppe hatte sich als Führung die "Reise nach Yukon Bay" gewünscht. Der Scout führte uns zum Kanada-Bereich des Zoos. Während der 90-minütigen Führung zeigte sie uns u. a. Wölfe, Karibus, Mufflons, Waschbären, Präriehunde mit ihren Jungen, aber auch ein Eisbären-Brüderpaar, die nicht nur herumliefen, sondern auch "Männchen" machten und im Wasser schwammen. Wir sind dann eine Treppe hinuntergegangen, und sahen dort alle Wassertiere (wie z. B. Seelöwen), die sich unter Wasser bewegten.
Die Führerin war sehr nett, und sie ging auch sehr auf unsere Sehbehinderung ein. Sie hatte diverse Tierfelle zum Ertasten dabei, aber auch Dosen mit Gerüchen, und Abdrücke von Tiertatzen/Pfoten. Bei den Präriehunden hat sie auch all die Laute dieser Tiere vorgespielt und erklärt, was sie bedeuten. Wegen ihres Engagements bekam sie am Ende neben einem Extra-Trinkgeld auch einen kräftigen Applaus.
Danach gingen wir zum Gasthaus Meyer, wo ich einen Tisch für alle 17 Teilnehmer/innen reserviert hatte. Wir konnten draußen unter Sonnenschirmen essen. Es war alles im Stil eines Bauernhofs errichtet. Es gab Fachwerkgebäude, auch grasten dort Schafe und Kühe. Das hochwertige Essen schmeckte uns allen gut.
Nach dem Mittagessen führte uns eine Bekannte von Marlis Nolting durch den Rest des Zoos. So sahen wir am Gorillaberg die großen Affen, sahen Elefanten mit ihren Jungen, und direkt hinter einer Scheibe liefen Tiger entlang. Auf dem Afrika-Gelände konnte man auch eine Sambesi-Safari-Bootsfahrt machen. Wir fuhren in breiten Wassergräben vorbei an Giraffen, Flamingos, Eseln, Zebras und Nashörnern vorbei.
Insgesamt waren fast alle Tiergehege so angelegt, wie man sie auch in den entsprechenden Ländern vorfindet. Nur nachts schlafen sie nicht unter freiem Himmel. Es hat uns allen im Zoo gut gefallen, und auch das Wetter war meistens relativ schön. Am späten Nachmittag ging es mit dem Bus zum Bahnhof zurück.

Infostand am Selbsthilfetag am 10.05.2014 rund um den Kröpcke

(von Manfred Bressel)

Auf dem Selbsthilfetag am 10.05.2014 rund um den Kröpcke waren wir wieder mit einem Info-Stand vertreten. Gewohnt farbenfroh in gelb, in Nachbarschaft zum BVN. Ca. 30 Besucher suchten den Kontakt mit uns - fast ausschließlich zum Thema AMD. Infos in Wort und Schrift hatten wir parat. Dank an Gerd Pfannschmidt für die Auf- und Abbauhilfe, Marlis Nolting und meine Frau Sabine für die Mithilfe beim Standdienst.

Bericht über die Fahrt nach Hildesheim am 12.04.14 zum gemeinsamen Gruppentreffen

(von Christian Schulte)

Unsere Sehbehindertengruppe traf sich am 12. April um 10:10 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover, um mit der S-Bahn nach Hildesheim zu fahren. Dort sollte ein gemeinsames Treffen mit der Göttinger Gruppe stattfinden. Mit dem Linienbus ging es dann vom Bahnhof Richtung Römer- und Pelizaeusmuseum.
Den Rest des Weges gingen wir zu Fuß. Vor dem Museum warteten schon Aida Iseawa aus Hildesheim und ihr Begleiter auf uns. Unsere Führung begann pünktlich um 11:30 Uhr. Unser Führer ging mit uns in das "Haus der Sinne". Dies wirkte auf uns allerdings etwas übertrieben, da es sich nur um einen größeren Raum handelt. In ihm befinden sich Kunstwerke, Kulturgüter, Bilder und ausgestopfte Tiere aus der Menschheitsgeschichte, Ägypten, Peru und China. Diese standen auf einigen Tischen in der Mitte des Raumes oder in Regalen an den Wänden. Die Länder sind farblich voneinander abgetrennt. Es gibt dort z. B. einen Neandertaler aus Holz, einige Schädelnachbildungen des Urmenschen, einen Opfertisch für Verstorbene aus China und eine Buddha-Figur zu sehen. Der Führer zeigte uns die Dinge und sagte ein paar Dinge dazu. Einige Sachen konnten wir abtasten. Über Kopfhörer konnte man auch einiges über die Länder hören. Während der Führung hat man leider kaum Zeit dafür, da der Führer ein sehr schnelles Tempo vorlegt. Auch wirkt die Besichtigung etwas konzeptionslos, da er schnell zwischen den Ländern hin- und hersprang, und d er viel mehr Infos hätte liefern müssen. Man hatte den Eindruck, dass er uns dort nur schnell durchschleusen wollte. Viele von uns hätten sich hier auch mehr Gegenstände gewünscht.

Da der Zug der Göttinger Gruppe Verspätung hatte, konnte ihre Führung erst eine halbe Stunde später als geplant beginnen. Nachdem wir noch etwas durch die Ausstellung gestreift waren, gingen wir ins hauseigene Restaurant, wo ich Tische reserviert und Gerichte für uns bestellt hatte. Wir bekamen sie schon bald serviert. Für die Teilnehmer/innen aus Göttingen mussten sie warmgehalten werden. Es klappte aber alles ganz gut.

Nach dem mittelmäßigen Mittagessen erzählte ich etwas über unsere Sehbehindertengruppe und Bernd aus Göttingen über seine. Anschließend wollten sich einige Personen noch den Rest des Museums anschauen. Der Rest der Gruppe wurde von Maja Weitz, die in Hildesheim zur Schule geht, bei gutem Wetter in die Altstadt geführt. Hier aßen wir noch ein leckeres Eis, bevor es zum Bahnhof zurückging. Wegen der unterschiedlichen Interessen fuhren wir mit verschiedenen Zügen nach Hannover zurück. Mit Vera Scharwächter aus Göttingen habe ich vereinbart, dass es nicht unser letztes gemeinsames Treffen sein wird. Insgesamt haben fast 40 Personen daran teilgenommen. 

Bericht über die Info-Veranstaltung zur Erwerbsminderungsrente am 13.03.14

(von Christian Schulte)

Auf Vorschlag von Meik Tannhäuser aus unserer Sehbehindertengruppe hatte ich einen Termin für eine Info-Veranstaltung zum Thema "Erwerbsminderungsrente" bei der Deutschen Rentenversicherung Hannover (ehemals Bundesversicherungsanstalt für Angestellte) vereinbart.

Dazu trafen wir uns am 13. März um 16:45 Uhr vor dem Hauptbahnhof am Ernst-August-Denkmal. Meik führte uns dann zum Gebäude der Rentenversicherung in der Berliner Allee.

Die Referentin wartete schon auf uns, als wir gegen 17 Uhr dort eintrafen. Die Dame von der Rentenversicherung war sehr nett und kompetent. Sie hat uns viel von dem gesagt, was sie an Texten an die Wand geleuchtet hat, so dass auch wir Sehbehinderte alles gut verfolgen konnten. Auch ist sie auf die Fragen der Teilnehmer/innen immer eingegangen. Es sind ab dem 1. Juli auch einige Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente geplant, allerdings nur, wenn man sie erst ab dann bekommt.
Dann wird sie so berechnet, als hätte man bis 62, und nicht wie zur Zeit bis 60 Jahren gearbeitet. Die Referentin gab uns auch Info-Material zum Thema mit.

Um kurz vor 18:30 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Café Extrablatt in der Friesenstraße, wo ich einen Tisch für uns reserviert hatte. Wir unterhielten uns noch über einige Dinge. Das Essen war unter'm Strich ganz okay. Um kurz vor 20 Uhr ging es zurück zum Bahnhof.
Für viele aus der Gruppe war die Info-Veranstaltung sicher sehr informativ.

Bericht vom Regionalgruppentreffen am 01.03.14 in Hannover

(von Christian Schulte)
 
Am 1. März fand das Frühjahrs-Regionalgruppentreffen der PRO
RETINA Hannover im Brunnenhof am Ernst-August-Platz statt.
Mit 54 Personen waren so viele Leute gekommen, wie schon lange
nicht mehr. Leider blieb ein Großteil davon nicht bis zum Ende der
Veranstaltung. Einige gingen sogar während der Redebeiträge.
 
Um kurz nach 11 Uhr begrüßte die Regionalgruppenleiterin Ute
Pfannschmidt die Anwesenden. Der erste Redner war der hannoveraner Privatarzt Dr. Thomas Weiberlenn. (http://www.dr-weiberlenn.de/).
Er verknüpft das Wissen der Schulmedizin mit der Jahrhunderte alten traditionellen Chinesischen Medizin. Er bietet seinen Patienten einen ganzheitlichen Therapieansatz an. Er beschränkt sich nicht nur auf die Augen, sondern auf den kompletten Körper. Damit auch die Netzhaut des Auges gut durchblutet wird, ist ausreichend Bewegung ratsam. Beim Schlafen sollte der Kopf nicht zu niedrig liegen, auch ist es ratsam nicht mit hungrigem Magen schlafen zu gehen und warm eingepackt zu sein.
Damit es dem gesamten Körper gut geht ist auch gesunde Ernährung und möglichst wenig Stress und Überforderung von Vorteil.
Er bietet auch Akupunktur an, um die Durchblutung anzuregen.Durch all diese Maßnahmen kann man den Ausbruch einer Augenkrankheit aber nicht verhindern, oder danach wieder besser sehen. Man kann bestenfalls nur den Ist- ustand konstant halten. Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung bei Dr. Weiberlenn nicht. Eine Sitzung kostet pro Stunde gut 120 Euro, ist also nicht für alle finanzierbar. Der Arzt beantwortete auch viele Fragen der Anwesenden.
 
Das Mittagessen kam pünktlich um 13 Uhr und war recht schmackhaft. Da Katja Hedderich im Urlaub war, berichtete Maritta Wendehorst anschließend über eine Elektrostudie in Hamburg. Da sie eine Woche lang jeden Tag vonHannover aus dort hinfahren mussten und die Studien den ganzen Tag dauerten,war es für die beiden recht anstrengend. Da kann man nur hoffen, dass dadurch die Forschung in dem Bereich wenigstens weitergekommen ist.
 
Als Nächstes erzählte Werner Gläser aus Celle über seine Arbeit im Gremium zur barrierefreien Mobilität behinderter Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Straßenverkehr. Hier sind in den letzten Jahren schon Verbesserungen für blinde und sehbehinderte Menschen erzielt worden. In etlichen Bereichen müssten aber noch Dinge für blinde und sehbehinderte Menschen  optimiert werden.
 
Bereits beim letzten Regionalgruppentreffen hatte Regina Prull (www.prullconsulting.de) über ihre individuellen blinden- und sehbehindertenspezifischen Schulungen berichtet, die u. a. die Handhabung mit modernen Kommunikationsmitteln und Vergrößerungssoftware beinhaltet. Ihr Kunde Klaus-Peter Denhardt berichtete  jetzt von den sehr guten Erfahrungen mit ihr und ihrer Arbeit. Wenn man das “Bl-Merkzeichen” im  Schwerbehindertenausweis hat, übernimmt der Landesblindenfonds die (Netto)Kosten.
 
Um kurz nach 15 Uhr begann ich als letzter Redner mit meinem Bericht über die Arbeit als Delegierter der PRO RETINA, und darüber, dass ich bei der letzten Delegiertenversammlung in den neu gegründeten Ausschuss für Vereinsentwicklung
gewählt wurde. Wir führen die Arbeit des Arbeitskreises für Leitbildumsetzung weiter. Das neue Leitbild der PRO RETINA lautet:
Forschung fördern, Krankheit bewältigen, selbstbestimmt leben.
Wir sind auch eine Anlaufstelle für Verbesserungsvorschläge, Wünsche und Anregungen, wie die Arbeit besser laufen könnte, oder was wir sonst noch machen können. Vorschläge bitte an: christian.schulte.ri@t-nline.de
 Nachdem Ute Pfannschmidt, Manfred Bressel und Peter Ellinger vom Leitungsteam kurz über ihre Arbeit berichtet haben, erzählte ich noch etwas über die letzten Aktivitäten
meiner Sehbehindertengruppe, und wies auf die beiden kommenden Treffen hin. Gegen 16 Uhr war das Regionalgruppentreffen beendet.

Zuletzt geändert am 25.09.2017 01:13