Photorezeptor-Transplantation: Mechanismus zur Verbesserung der Netzhautfunktion anders als bisher angenommen

Die Forschergruppe um Prof. Dr. Marius Ader vom Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) stellt ein neues Verständnis für den Mechanismus von Zelltransplantationen zur Verbesserung der Netzhautfunktion vor, welches einen möglicherweise neuen therapeutischen Ansatz zur Behandlung retinaler Degenerationen wie der Altersbedingten Makuladegeneration oder Retinitis pigmentosa eröffnet.

Die hier vorgestellte Studie beschreibt einen Paradigmenwechsel im Forschungsfeld der Photorezeptor-Transplantation. Photorezeptoren, oder auch Sehzellen, umfassen die Stäbchen und Zapfen der Netzhaut. Während die Stäbchen das Sehen bei geringen Lichtverhältnissen ermöglichen („Nachtsehen“), sind die Zapfen für das Tageslichtsehen und die Farberkennung verantwortlich. Bei retinalen Degenerations-Krankheiten sind meist die Photorezeptoren betroffen, was zu Krankheitsbildern wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) oder Retinitis Pigmentosa (RP) führen kann.

Aktueller Studieninhalt

Die hier thematisierte Studie untersucht die Mechanismen, die der Rettung der Netzhautfunktion im Mausmodell zu Grunde liegen. Bislang ist man bei der Transplantation von Photorezeptoren von einer strukturellen Integration der Spenderzellen in das Netzhautgewebe ausgegangen, die die Funktion der endogenen, zugrundegegangenen Photorezeptoren ersetzen (Zellersatz-Therapie). Die jetzt vorgestellten Ergebnisse zeigen aber, dass dies nicht der Fall ist, sondern die Spenderzellen am Ort der Injektion verbleiben und stattdessen Zellmaterial zu noch vorhandenen Photorezeptoren des Empfängers transferieren. Es handelt sich hierbei um einen neuen, unerwarteten Mechanismus von Zellmaterial-Transfer zwischen Spender- und Empfänger-Photorezeptoren, dessen Potential zur Entwicklung einer Therapie für den Menschen nun genauer untersucht werden muss (Zellsupport-Therapie).

Weitere Ziele

Anschlussuntersuchungen von Professor Ader und seinem Forscherteam haben nun die Identifikation der zellulären und molekularen Vorraussetzungen für diesen Prozess zum Ziel. „Unsere Ergebnisse eröffnen einen möglicherweise neuen therapeutischen Ansatz zur Behandlung retinaler Degenerationen, durch den Spenderzellen noch vorhandene aber dysfunktionale Photorezeptoren unterstützen anstatt diese zu ersetzen.“, so Professor Ader.

Publikation: Santos-Ferreira T*, Llonch S*, Borsch O*, Postel K, Haas J, Ader M. Retinal transplantation of photoreceptors results in donor–host cytoplasmic exchange. Nature Communications 7, 13028. doi: 10.1038/ncomms13028 (2016).

Quelle: DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien TU Dresden - Exzellenzcluster

Zum Newsletter-Archiv

Hier können Sie sich für den Newsletter an- oder abmelden.

Zuletzt geändert am 03.11.2016 12:07