Neuer Therapieansatz "Sticky Trap" im Tierversuch

Am Lunenfeld-Tanenbaum Research Institute wurde mittels Bioengineering eine sichere Therapie für Patienten mit Retinopathie entwickelt: Die Sticky-Trap.

Dabei handelt es sich um einen nicht-systemisch wirkenden Angiogenese-Hemmer (Angiogenese: Wachstum / Entstehung neuer Blutgefäße).

Ein kanadisches Forschungsteam entwickelte einen neuen medikamentösen Ansatz für die sichere Behandlung deformierter Blutgefäße im Auge.

Retinopathie und Netzhautdegeneration sind mit Frühgeburtlichkeit sowie mit Diabetes und zunehmendem Alter assoziiert. Das Wachstum missgebildeter Blutgefäße, die platzen können, ist eine der häufigsten Ursachen für Sehverlust.

Dr. Andras Nagy vom Lunenfeld-Tanenbaum Research Institute des Mount Sinai Hospitals in Toronto belegte mit seinen Co-Autoren im Tierversuch die Sicherheit und Wirksamkeit der biotechnologischen Verbindung bei der Behandlung von Retinopathie. Die "Sticky-Falle" genannte Therapieform verschließt die winzigen deformierten Blutgefäße im Auge, ohne die gesunden Gefäße an anderen Stellen des Körpers zu beeinträchtigen.

Die Antiangiogenese steht allerdings vor der Herausforderung, eine Verbindung zu finden, die selektiv ist und abnorme Blutgefäße nur im erkrankten Organ verschließt, während alle anderen Bereiche intakt bleiben.

Bei Typ-2-Diabetes zeigt sich folgende Problematik: „Patienten mit diabetischer Retinopathie sind gefährdet, ihr Sehvermögen zu verlieren, weil die Blutgefäße in den Augen überwuchern, sich verformen und letztendlich platzen können und so auch die Netzhaut beschädigen können. Medikamente, welche die übermäßige Gefäßformation im Auge unterdrücken, könnten sich negativ auf gesunde Organe auswirken, sobald sie in den Blutkreislauf gelangen. Dies kann letztendlich zu Nierenfunktionsstörungen, schlechter Wundheilung und Hypertonie führen“, erklärt Dr. Nagy. Diese Nebenwirkungen sind schwere Bedrohungen der Gesundheit, welche die Sticky-Trap womöglich vermeiden könnte.

Erweitertes Bioengineering

Die Forschungsarbeit erschien im Fachjournal "EMBO Molecular Medicine". Im Editorial der Ausgabe vom 6. Mai ist davon die Rede, dass die beschriebene Strategie wohl schnell in die Praxis umgesetzt werden könne. Die Autoren des Editorials erwarten, dass die Sticky-Trap und künftig auch verwandte Moleküle erhebliche Auswirkungen auf die lokale Kontrolle rezidivierender Erkrankungen auf dem Gebiet der Tumorbiologie haben könnten.

Selektive Wirkung als Schlüssel zur Sicherheit

Wie auch einige andere Therapieformen für Retinopathie wird die "Sticky-Trap" in das Auge injiziert. Das Potenzial dieses Wechsel-Spielers ist das Sicherheitsprofil der Sticky-Falle: Einmal im Auge, ist es langlebig und stabil. Kommt die Verbindung in den Kreislauf, wird sie rasch inaktiviert. Dies stellt sicher, dass sie sich nicht in anderen Blutgefäße, Organen oder Gewebe gelangt.

Im Laufe der neun Jahre, die es dauerte, um das Projekt zum Erfolg zu führen, verwendete das Team um Nagy modernste genetische und pharmakologische Methoden, um die neuen Two-Step-Biologika zu entwickeln.

Die Sticky-Trap umfasst eine Bindungskomponente, die sich an die Oberfläche von Zellen bindet, um sicherzustellen, dass sie an Ort und Stelle bleibt und stabil bleibt. Hinzu kommt eine biologisch aktive Komponente.

Dies sei besonders bedeutend, wenn eine Behandlung eine Injektion direkt in erkrankte Gewebe erfolge, erwähnt Erstautor Dr. Michael Iacovos, Postdoktorand im Labor Nagy. „Je länger die Wirkung anhält, desto weniger Injektionen werden benötigt“, so Iacovos. Er fügt hinzu, dass das Projekt nur der Anfang für den Aufbau einer neuen Klasse pharmakologischer Einheiten "klebriger" Biologika sei, die durch eine lokale, zielgerichtete Aktivität gekennzeichnet seien. Das gleiche Prinzip könnte verwendet werden, um ähnliche, lokale wirkende biologische Präparate für andere Bedingungen zu entwickeln - beispielsweise bei entzündlichen und Autoimmun-Erkrankungen.

Integrierte Präzisionsführung

Dr. Jim Woodgett, Direktor des Lunenfeld-Tanenbaum Instituts zufolge sei der bedeutendste Fortschritt bei diesem Ansatz die integrierte Präzisionsführung. „Weltweite Forschungsprojekte haben mächtige Mittel entwickelt, um erkranktes Gewebe behandeln zu können. Aber wenn die Mittel nicht dorthin gelangen, wo sie benötigt werden, können sie erheblichen Schaden anrichten. Die erstmalige Anwendung bei der diabetischen Retinopathie zeigt ein 'Proof-of'-Prinzip bei einer sehr wichtigen Erkrankungen. Jedoch muss der Ansatz auch auf andere starke Medikamente und Krankheiten, bei denen eine lokalisierte Aktivität benötigt wird, angepasst werden.“

Publikation

I. P. Michael, P. D. Westenskow, S. Hacibekiroglu, A. Cohen Greenwald, B. G. Ballios, T. Kurihara, Z. Li, C. M. Warren, P. Zhang, E. Aguilar, L. Donaldson, V. Marchetti, T. Baba, S. M. Hussein, H.-K. Sung, M. L. Iruela-Arispe, J. M. Rini, D. van der Kooy, M. Friedlander, A. Nagy. Local acting Sticky-trap inhibits vascular endothelial growth factor dependent pathological angiogenesis in the eye EMBO Molecular Medicine, Volume 6, Issue 5, pages 604-623, DOI: 10.1002/emmm.201303708 Original-Quelle: Lunenfeld-Tanenbaum Research Institute

Quelle: medONLINE.at

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Zuletzt geändert am 22.05.2014 18:32