Erfolgreiche Stammzell-Transplantation bei blinden Mäusen

Blinde Mäuse reagieren wieder auf Licht, nachdem Forscher ihnen sogenannte Vorläufer-Zellen in die Augen transplantiert haben: die komplette lichtempfindliche Schicht der Netzhaut wurde wieder aufgebaut. Darüber berichteten die Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) und das "Deutsche Ärzteblatt" Anfang dieser Woche.

Die Studie wurde geleitet von Professor MacLaren von der University of Oxford. Die Wissenschaftler arbeiteten mit Mäusen, die aufgrund des vollständigen Fehlens der lichtempfindlichen Photorezeptorzellen in der Netzhaut erblindet sind. Dieses Mausmodell wird zur Erforschung der Retinitis pigmentosa (RP) verwendet.

Verwendete Vorläufer-Sinneszellen

Die den blinden Mäusen transplantierten Zellen sind sogenannte Vorläufer- oder Progenitorzellen: dies sind, einfach gesagt, "Abkömmlinge" von pluripotenten embryonalen oder adulten Stammzellen, die sich aber nicht mehr wie diese in alle Zellformen weiterentwickeln können, sondern schon ein eingeschränktes Differenzierungspotential haben und auf einen künftigen Funktionsbereich festgelegt sind. Die verwendeten Vorläufer-Sinneszellen wurden gewonnen aus 3 bis 4 Tage alten gesunden Mäusen und den 10 bis 12 Wochen alten blinden Mäusen transplantiert.

Neugebildete äußere Netzhautschicht

Zwei Wochen nach der Transplantation konnten die Forscher nachweisen, dass die übertragenen Zellen eine komplette lichtempfindliche äußere Netzhautschicht aufgebaut hatten und die ehemals vollblinden Mäuse auf Licht reagierten. Dr. Singh, einer der Autoren, sagt: "Wir fanden, dass bei der Transplantation von einer ausreichend großen Zahl von Zellen die Mäuse nicht nur lichtempfindlich werden, sondern auch die für das Sehen notwendigen Vernetzungsstrukturen regeneriert und integriert werden."

Prof. MacLaren vergleicht die Behandlung mit dem Auswechseln eines Film in einer (analogen) Filmkamera. "Wir konnten zeigen, dass transplantierte Zellen überleben, dass sie lichtempfindlich werden, dass sie sich vernetzen mit den nachgeschalteten Netzhautbereichen und ein Sehvermögen wiederherstellen. Die Fähigkeit, durch Zelltransplantation die komplette lichtsensitive Schicht der Netzhaut zu rekonstruieren ist das ultimative Ziel der Stammzelltherapie."

Zukünftige Option bei fortgeschrittener RP?

Es heißt, dass dieser Ansatz das Potenzial zeige von Zell-Transplantationen für die Wiederherstellung des Sehvermögens und bedeutsam werden könnte für die Behandlung von Menschen mit Retinitis pigmentosa, auch schon in einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium. Für die Weiterentwicklung von potenziellen Therapien für Menschen möchte Prof. MacLaren sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) benutzen: diese Zellen werden aus den eigenen Zellen des Patienten gewonnen, z.B. aus Haut- oder Blutzellen, und haben gegenüber embryonalen Stammzellen einige Vorteile.

Zum Schluss dieser hochinteressanten Veröffentlichung möchten wir auch noch erwähnen, dass ein Mitautor dieser Studie, Prof. Peter Charbel Issa, seit Januar 2012 die zweite Stiftungsprofessur der PRO RETINA-Stiftung in Bonn innehat.

Quellen:

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Zuletzt geändert am 27.12.2013 18:53