Erfolgreiche Therapiestudie bei trockener AMD Positiver Behandlungseffekt mit Lampalizumab

Mit einem Antifaktor D-Medikament konnte erstmals ein positiver Therapieeffekt bei fortgeschrittener trockener AMD erzielt werden.

Die sogenannte geographische Atrophie als fortgeschrittenes Stadium der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) ist eine häufige Ursache für schweren Sehverlust im Alter. Dabei kommt es u.a. zu einem fleckförmigen Untergang von Photorezeptoren und Pigmentepithel am hinteren Augenpol. Die atrophischen Flecken vergrößern sich langsam und wachsen zusammen. Bislang gab es noch keine wirksame Therapie.

Prof. Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und Mitglied des Wissenschaftlich Medizinischen Beirates (WMB) der PRO RETINA, stellte im Rahmen des EURETINA-Kongresses in Hamburg die Ergebnisse der Phase II-Studie (Überprüfung des Therapiekonzepts, Findung der geeigneten Therapiedosis, positive Effekte der Therapie an Patienten sollten zu beobachten sein) mit dem Antifaktor D-Präparat Lampalizumab vor, mit dem erstmals das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden konnte.

Verlangsamtes Fortschreiten der Atrophie

Bei der monatlichen intravitrealen Injektion (Einspritzung in den Glaskörper) von Lampalizumab wurde ein statistisch signifikanter Effekt bereits nach 6 Monaten gefunden, der über den Studienzeitraum von 18 Monaten anhielt. Bei den Studienteilnehmern mit monatlichen Behandlung mit Lampalizumab fand sich eine ca. 20%ige Verminderung des Fortschreitens der geographischen Atrophie gegenüber den ohne Wirkstoff scheinbehandelten Augen.

Die trockene Spätform der AMD, die geographische Atrophie, ist eine Hauptursache für Erblindung nach gesetzlicher Definition. Im höheren Alter ist diese Form der AMD häufiger als die sogenannte feuchte Form, für die es bereits die wirksame anti-VEGF-Therapie gibt. Die betroffenen Netzhautareale mit Atrophie breiten sich bei geographischer Atrophie mit der Zeit kontinuierlich aus einhergehend mit einem korrespondierenden absoluten Sehverlust.

Genetische Risikovarianten des Komplementsystems

Als wichtige genetische Faktoren bei der multifaktoriellen, komplexen AMD wurde vor wenigen Jahren gezeigt, dass Risikovarianten von Genen des Komplementsystems (ein Teil des Immunsystems) eine wichtige Rolle spielen. Offensichtlich trägt eine Überaktivierung des Komplementsystems gegen Ablagerung im Bereich der Makula zur Krankheitsentwicklung bei. Lampalizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der einen Schlüsselfaktor des Komplementsystems, Faktor D, hemmt. In der Phase II-Studie (MAHALO) wurden 129 Patienten mit beidseitiger geographischer Atrophie bei AMD untersucht. Die Teilnehmer der Studie wurden zufällig auf verschiedene Gruppen verteilt mit unterschiedlichem Behandlungsmuster. Der primäre Endpunkt war die mittlere Änderung der Fläche der geographischen Atrophie zwischen Studienbeginn und Monat 18, gemessen anhand von digitalen Fundusautofluoreszenzaufnahmen mit einem Scanning-Laser-Ophthalmoskop (Heidelberger Engineering).

„MAHALO ist die erste Studie überhaupt, die einen positiven Behandlungseffekt mit einem Komplementinhibitor (Lampalizumab) bei geographischer Atrophie im Rahmen der altersabhängigen Makuladegeneration zeigt“, sagt Prof. Dr. Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. „Die Studie zeigt auch, dass die fundusautofluoreszenz-basierte Messung der Atrophiegröße mit der Zeit einen sinnvollen anatomischen primären Auswertungsparameter in solchen Studien darstellt“ sagt Priv.-Doz. Dr. Steffen Schmitz-Valckenberg, Oberarzt an der Universitäts Augenklinik Bonn. An der Studie waren US-amerikanische und deutsche Zentren beteiligt.

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsaugenklinik Bonn:

Frank G. Holz: MAHALO Phase II study: safety, tolerability and activity of lampalizumab (anti-factor D) in patients with geographic atrophy. Präsentation EURETINA Meeting, 28. September 2013 in Hamburg

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Zuletzt geändert am 27.12.2013 11:42