Doping fürs Auge

In einer Patientenstudie des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützen Projekts "TONE: Treatment of Optic Neuritis with Erythropoietin" wird erforscht, wie gut Erythropoietin das Nervengewebe des Auges bei Sehnerventzündung vor dem Absterben schützen kann.

Sehnerventzündungen werden vom körpereigenen Immunsystem ausgelöst

Eine Entzündung des Sehnervs gehört häufig zu den Frühsymptomen der Multiplen Sklerose (MS), von der deutschlandweit etwa 130.000 Menschen betroffen sind. Der Sehnerv übermittelt die visuellen Informationen aus der Netzhaut in die Verarbeitungszentren des Gehirns. Im Verlauf der MS greift das Immunsystem körpereigene Zellen an und führt dabei zu Schädigungen des Sehnervs. Erste Symptome sind die Abnahme der Sehschärfe, reduziertes Farbsehen und die Verminderung des Kontrastsehens. Je nach Verlauf der MS erlangt ein Teil der Patienten die vorherige Sehschärfe zurück, andere wiederum behalten merkbare Einschränkungen im Sehvermögen.

Neue Therapie mit Erythropietin (EPO)

EPO ist als Wachstumsfaktor für die Bildung roter Blutkörperchen während der Blutbildung von Bedeutung. Neben seinem fragwürdigen Einsatz als Dopingmittel vor allem im Radsport wird EPO auch bei der Behandlung der Blutarmut von Dialysepatienten und nach chemotherapeutischen Behandlungen eingesetzt. Neben seiner Rolle als blutbildender Wachstumsfaktor wurde EPO auch nachgewiesen, dass es cytoprotektive, also zellschützende Eigenschaften, aufweist.

Interdisziplinäre Patientenstudie

In einer groß angelegten Patientenstudie untersuchten Prof. Dr. Wolf Lagréze (Universitätsklinik Freiburg) und Prof. Dr. Ricarda Diem (Universitätsklink Heidelberg) ob EPO erfolgreich das Nervengewebe des Auges bei Sehnerventzündung schützen kann. Erste positive Ergebnisse aus einer Pilotstudie an 40 Patienten können verkündet werden: bei Patienten, die neben der Standardtherapie mit Cortison drei Tage zusätzlich EPO intravenös erhielten, starben deutlich weniger Nervenzellen ab als in der Kontrollgruppe. In einer weiteren Studie mit 100 Patienten soll nun überprüft werden, ob diese Ergebnisse statistisch belastbar sind. Neben den beiden schon genannten universitären Einrichtungen nehmen außerdem zehn weitere Unikliniken an der Studie teil.

Im Verlauf dieser Studie werden alle Patienten sowohl augenheilkundlich als auch neurologisch zwei Jahre lang engmaschig begleitet. Vorrangige Prüfparameter sollen der Gehalt der Nervenfasern in der Netzhaut und die Sehschärfe bei niedrigem Kontrast sein. Ziel des Projektes ist, EPO als ein wirksames und sicheres Mittel zu bestätigen um Nervenschädigungen bei Sehnerverkrankungen und MS vorzubeugen.

Quelle

Stabsstelle Unternehmenskommunikation, Universitätsklinikum Freiburg

Kontakt:

Prof. Dr. Wolf A. Lagrèze
Leitender Arzt der Sektion Neuroophthalmologie, Kinderaugenheilkunde und Schielbehandlung
Universitäts-Augenklinik
Telefon: (07 61) 27 04 00 10
E-Mail-Kontakt mit Prof. Dr. Wolf A. Lagrèze

Zum Newsletter-Archiv

Hier können Sie sich für den Newsletter an- oder abmelden.

Zuletzt geändert am 27.12.2013 11:50