AMD: Therapiemöglichkeiten Thema der DOC 2013

Auf dem 26. Internationalen Kongress der Deutschen Augenchirurgen (DOC 2013), der vom 13. bis 15. Juni 2013 in Nürnberg stattfand, wurden auch Therapieansätze für die feuchte und trockene AMD vorgestellt und diskutiert.

Formen und Verbreitung der AMD

Es ist die Krankheit, vor der viele ältere Menschen Angst haben: Makuladegeneration, Altersblindheit. Oft macht sie sich zuerst beim Lesen bemerkbar. Erst verschwinden nur ein paar Worte, später ganze Absätze. Im Bereich der Makula, dem Ort des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, sterben Sinneszellen langsam ab. Das Bild verschwimmt. Vier Millionen Deutsche leiden darunter.

Augenärzte unterscheiden zwei verschiedene Formen der altersbedingten Makuladegeneration (AMD): die trockene und die feuchte Form. Beide gehören zu den häufigsten Ursachen für eine deutlich herabgesetzte Sehschärfe.

Möglichkeiten der Therapie

Ihre Behandlung war noch bis vor wenigen Jahren schwierig. 2006 dann der erste Durchbruch: Injektionen in den Augapfel mit gentechnisch hergestellten Antikörperpräparaten konnten das Fortschreiten der feuchten AMD verlangsamen und sogar stoppen. Seitdem spricht man von der "Spritze gegen Altersblindheit".

Davon profitieren jedoch bisher nur Patienten mit feuchter AMD. Sie machen lediglich 15 bis 20 Prozent aller AMD Patienten aus. Der weitaus größere Teil der Betroffenen mit trockener AMD muss immer noch auf eine wirkungsvolle Therapie warten.

Ansätze mit Stammzellen

„Weltweit wird fieberhaft an der Entwicklung neuer Therapien gearbeitet und geforscht“, sagt Augenarzt und Kongresspräsident Dr. Armin Scharrer (Fürth). „Besonders spannend könnte hier der Einsatz von Stammzellen werden. International laufen dazu bereits mehrere wissenschaftliche Studien mit Patienten. Das ist auch der Grund, warum wir auf unserem Kongress am Donnerstag den 13. Juni 2013, ein eigenes Forum über Stammzelltherapien am Auge mit mehreren Vorträgen von internationalen Experten abhalten.“

Können Stammzellen bald die Altersblindheit heilen? „Für euphorische Jubelmeldungen ist es noch zu früh“, dämpft Dr. Scharrer zu hohe Erwartungen. „Tatsache ist aber, dass die ersten Patienten bereits erfolgreich behandelt werden konnten. Jetzt muss untersucht werden, ob sich der Einsatz von Stammzellen, aber auch andere vielversprechende Therapieansätze, für eine breite Anwendung eignen.“

Unterschiede der Behandlung feuchter und trockener AMD

Leider haben die Behandlungsstrategien für die beiden Formen der AMD nichts miteinander gemein. Das liegt an den unterschiedlichen Krankheitsbildern.

Bei der feuchten Form der AMD - sie ist im Gegensatz zur trockenen AMD die weitaus aggressivere Form - wachsen krankhafte kleine Blutgefäße unter der Makula, die Stelle auf der Netzhaut, die das Scharfsehen ermöglicht. Durch undichte Stellen dieser Gefäße treten Blut und Flüssigkeit aus und es entsteht ein Ödem unter bzw. in den Netzhautschichten. Dies führt zur Abhebung des Netzhautgewebes, das anschließend vernarbt. Injektionen mit Antikörperpräparaten wie Avastin, Lucentis oder Macugen hemmen das Wachstum dieser kleinen Blutgefäße.

Bei der trockenen Form der AMD bilden sich Ablagerungen in der Netzhaut, die die zentrale Sehschärfe langsam vermindern. Zu Beginn der Erkrankung lässt die Sehkraft nur allmählich nach. Patienten bemerken, dass sie beim Lesen einzelne Buchstaben nicht mehr sehen können, speziell in der Mitte des Gesichtsfeldes. Die Schrift verschwimmt. Später können diese Betroffenen - wenn überhaupt - oft nur noch mit Hilfe einer starken Lupe lesen. Es fällt ihnen deutlich schwerer, Gesichter, Ampeln oder Verkehrsschilder zu erkennen. Hinter das Steuer eines Autos darf sich kein Patient mehr setzen.

Durch die Ansammlung von Abfallprodukten des Zellstoffwechsels in Schichten der Netzhaut, die sich dort in Drusen zusammenlagern, sterben Zellen ab, die nicht mehr ersetzt werden können. Deshalb verfolgen die neuen Therapieansätze das Ziel, diesen Zelltod zu verhindern oder diese Zellen wiederherzustellen.

Bisher gab es lediglich die Möglichkeit, mit Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin C, Vitamin E, Zink und Kupfer sowie Beta-Carotin, Lutein und anderen Stoffen das Fortschreiten der trockenen AMD zu verlangsamen. Damit beschäftigte sich die AREDS-Studie (Age-Related Eye Disease Study) und ihre Folgestudien.

Neue Studien in USA

„Jetzt werden jedoch im Rahmen von neuen Studien humane embryonale Stammzellen ins Auge injiziert, die sich in betroffene Netzhautschichten des Empfängers anlagern, um dort die Funktion der Netzhautzellen zu verbessern oder sie zu ersetzen“, so Dr. Scharrer. Erste Erfolge erzielte hier eine Gruppe von Forschern an der University of California Los Angeles (UCLA) um Dr. Steven Schwartz.

Die University of California in Davis (nordwestlich von San Francisco) wiederum erprobt den Einsatz von Stammzellen aus dem Knochenmark. Weitere Stammzell-Studien laufen in Stanford und in Dallas.

Alternative Möglichkeiten

In Studien erprobt werden aber auch weitere Substanzen und Techniken. Beispielsweise kann das Alzheimer-Medikament Copaxone die Größe des Drusengebietes nachweislich reduzieren. Ciliare neurotrope Wachstumsfaktoren (CNTF) sollen Sehzellen stabilisieren und so den Zelluntergang aufhalten oder diese sogar regenerieren. Bisher wurde hierbei über einen Zeitraum von 12 Monaten eine Visusstabilisierung von nahezu allen so behandelten Patienten (fast 100 Prozent) im Gegensatz zur niedrigdosierten bzw. nicht behandelten Gruppe (60 Prozent) gezeigt.

Doch auch zur Behandlung der feuchten Form der Makuladegeneration wurde im November 2012 zusätzlich zu den bisher verfügbaren Antikörper-Präparaten die neue Substanz Aflibercept (Handelsname "Eylea") zugelassen, die ähnlich wirkt und den etablierten Medikamenten Lucentis, Avastin und Macugen zumindest nicht unterlegen ist.

Quelle: Schriftstück der DOC

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Zuletzt geändert am 27.12.2013 13:43