Fachgesellschaften veröffentlichen Stellungnahme zur Strahlentherapie bei feuchter AMD

Liebe PRO RETINA-Interessenten,
der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und die Retinologische Gesellschaft (RI) hat jetzt eine Stellungnahme zur epimakulären Brachytherapie bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) verfasst. Es handelt sich dabei um eine Form von Strahlentherapie, bei der eine Strahlenquelle innerhalb oder in unmittelbarer Nähe des zu bestrahlenden Gebietes im Körper des Patienten platziert wird, hier epimakulär, d. h. auf oder über der Makula.

Ergänzende Therapieform

Die Therapie der neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration ("feuchte" AMD) hat sich in den letzten Jahren entscheidend gewandelt: heute ist die intravitreale medikamentöse Therapie mit VEGF-Hemmern (z.B. "Lucentis" und "Avastin") die Therapie der ersten Wahl. Die entscheidende Verbesserung der Prognose der AMD wird allerdings durch viele intraokulare Injektionen und Untersuchungstermine und erhebliche Therapiekosten erkauft. Aus diesen Gründen sind alternative oder ergänzende Therapieformen für die Behandlung der AMD unverändert im Focus des Interesses. In der letzten Zeit wurde dabei insbesondere die Strahlentherapie der AMD favorisiert. Ziel der Stellungnahme ist es, die Strahlentherapie aus der jetzigen Sicht evidenzbasierter Ergebnisse in das Behandlungsspektrum der feuchten AMD einzuordnen.

Es gab große Hoffnungen, dass eine Strahlentherapie der neovaskulären AMD die Prognose verbessern könnte. Konventionelle Strahlentherapien konnten diese Hoffnungen nicht erfüllen.

Kein Ersatz für VEGF-Hemmer

Neue Gesichtspunkte der Strahlentherapie der feuchten AMD könnten die Entwicklung eines mikrokollimierten Megavolttherapie (System mit gebündelter Strahlung) zur perkutanen (durch die Haut hindurch) Therapie (Oraya-System) und eines epiretinalen Betastrahlers (VIDION-System) eröffnen, wobei unter Berücksichtigung der jetzt etablierten Therapie der AMD mit VEGF-Inhibitoren ein Effekt der Strahlentherapie in der Verbesserung der Effizienz der intravitrealen Therapie oder einer Reduzierung der Injektionszahl und nicht in ihrem Ersatz liegen könnte. Zum Oraya-System sind bisher nur strahlenphysikalische Arbeiten und Phase I-Studien verfügbar. Zum VIDION-System liegen strahlenphysikalische Untersuchungen sowie klinische Studien der Phase I und II Studien vor, die Daten der Phase III Studie (CABERNET Studie) sind noch nicht verfügbar. Die in Deutschland erfolgte CE-Zulassung lässt keinerlei Rückschluss auf die klinische Wirksamkeit, sondern lediglich auf den sicheren Betrieb der Strahlenquelle zu.

Einsatz nur in klinischer Prüfung

In der Stellungnahme werden die Vor- und Nachteile dieser Strahlentherapie genannt, so z. B. die sehr genaue Bestrahlungsmöglichkeit als günstiger Faktor, aber als Nachteil eine ungünstige Dosisverteilung mit der Befürchtung einer radiogenen Makulopathie (Latenzzeit bis zu mehreren Jahren), Risiken der vor der Bestrahlung notwendigen Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie) u. a.. Zusammenfassend eröffnen sowohl VIDION- als auch Oraya-System zur Strahlentherapie der neovaskulären AMD neue Perspektiven insbesondere in Kombination mit der mittlerweile etablierten intravitrealen Therapie. Unter Berücksichtigung der potentiellen radiogenen und sonstigen Komplikationen beider Systeme ist ein Einsatz außerhalb klinischer Studien nicht zu verantworten und sollte unterbleiben bis Daten aus Phase 3 Studien vorliegen. Sollten sich die aus theoretischen tumorbiologischen Untersuchungen abzuleitenden Erwartungen, dass die Strahlentherapie die Effizienz der intravitrealen Therapie verbessern kann, erfüllen, erscheint das mikrokollimierte System zur nichtinvasiven Therapie vorteilhafter, weil es bei vergleichbarer Dosisverteilung die Nachteile des VIDION-Systems vermeidet.

Der vollständige Text der Stellungnahme ist nachzulesen unter Augeninfo.

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Zuletzt geändert am 28.12.2013 12:31