Neue AMD-Studie belegt Rückgang des Erblindungsrisikos

Beim 25. Internationalen Kongress der Deutschen Augenchirurgen (kurz: DOC 2012) wurde über eine neue Studie aus den USA berichtet, die den Rückgang von Erblindungen bei der Anwendung von Lucentis belegen soll.

Wie es heißt, gab es bisher keine belastbaren Zahlen. Doch jetzt zeigt eine wissenschaftliche Studie aus den USA erstmals, dass regelmäßige Injektionen des Wirkstoffs Ranibizumab das Erblindungsrisiko um 72 Prozent senken. Das gibt Augenarzt und Kongresspräsident Dr. Armin Scharrer (Fürth) auf dem 25. Internationalen Kongress der Deutschen Augenchirurgen (DOC 2012) bekannt, der vom 14. bis 16. Juni in Nürnberg stattfindet.

Risiko AMD

Betroffen sind fast 450.000 Patienten allein in Deutschland, die unter der feuchten Form der gefährlichen Makuladegeneration leiden. Unter ihrer Netzhaut wachsen kleine Blutgefäße, aus denen Flüssigkeit austritt. Dadurch gehen immer mehr Sehzellen zugrunde. Die Patienten erkennen keine Gesichter mehr, sie können nicht mehr lesen, nicht mehr fernsehen und würden ohne Behandlung erblinden. Bis vor wenigen Jahren stand dagegen keine wirklich erfolgversprechende Therapie zur Verfügung.

Aktuell verfügbare Medikamente

Erst 2004 gelang es Augenchirurgen, das Wachstum der Blutgefäße unter der Netzhaut mit einem Medikament zu stoppen, das ursprünglich gegen Krebs entwickelt wurde: Sie nutzten neu entwickelte Antikörper, die die Blutversorgung von Tumoren unterbrachen. Diese Wirkung entfalteten sie auch im Auge bei der feuchten Form der Altersblindheit, wenn der Augenchirurg den Wirkstoff unter sterilen Bedingungen (im OP Saal) in den Augapfel injiziert.

Inzwischen stehen drei dieser modernen Antikörper-Medikamente für eine Injektionsbehandlung gegen feuchte altersbedingte Makuladegeneration (AMD, "Altersblindheit") zur Verfügung (Handelsnamen: Lucentis, Avastin, Macugen).

Neue Studienergebnisse aus den USA

Die US-Studie "Estimated Cases of Legal Blindness and Visual Impairment Avoided Using Ranibizumab for Choroidal Neovascularisation" von Neil M. Bressler et al. vom Wilmer Eye Institute, The Johns Hopkins University School of Medicine, Baltimore, Maryland (Arch. Ophthalmol. 2011, 129 No. 6: 709-717) untersuchte mit Hilfe eines retrospektiv mathematisch statistischen Modells die Wirkung des Wirkstoffs Ranibizumab (Handelsname: Lucentis) bei 103.582 US-Bürgern mit feuchter AMD.

Ergebnis: Ohne Antikörper-Injektionen erblinden 16.268 Patienten (rund 16,2 Prozent von ihnen) innerhalb der folgenden zwei Jahre. Injiziert der Augenarzt jedoch monatlich einmal Ranibizumab, erblinden nur noch 4484 Patienten (ca. 4,5 Prozent). Das sind 72 Prozent weniger. Dr. Scharrer: „Diese 72 Prozent weniger Erblindungen belegen erstmals den Riesenerfolg dieser Therapie.“

Situation in Deutschland

Übertragen auf Deutschland hieße das: Von den ca. 450.000 an AMD erkrankten Bundesbürgern würden etwa 72.000 ohne Behandlung erblinden. Mit Behandlung jedoch nur noch 20.250. Dr. Scharrer: „Legt man die Ergebnisse dieser Studie zugrunde, kann eine monatliche Injektion rund 50.000 Patienten mit Altersblindheit in Deutschland davor schützen, ihr Augenlicht zu verlieren.“

Doch trotz aller Fortschritte in der Therapie erblinden in Deutschland jedes Jahr immer noch rund 5.000 Menschen aufgrund einer feuchten AMD. Dr. Scharrer: „Das liegt auch daran, dass viele Betroffene die Krankheit und ihre Symptome gar nicht kennen und deshalb erst spät zum Augenarzt gehen. Dabei wirkt die Behandlung umso besser, je früher der Patient zur Behandlung kommt.“

Dabei ist eine Altersblindheit leicht zu erkennen: Der Sehverlust beginnt damit, dass gerade Linien wie Fensterrahmen oder Fliesen im Badezimmer plötzlich gebogen oder krumm erscheinen. Der Patient sieht verschwommen und verzerrt, kann nur noch im äußersten Gesichtsfeld etwas wahrnehmen.

Das Tückische bei der Erkrankung: Sie beginnt zunächst auf einem Auge. Der Sehverlust wird durch das gesunde zweite Auge ausgeglichen. Dies führt dazu, dass Patienten meist erst zum Arzt gehen, wenn auch das zweite Auge betroffen ist. Dr. Scharrer: „Deshalb sollte jeder spätestens ab dem 55. Lebensjahr seine Augen regelmäßig vom Augenarzt überprüfen lassen. Der Arzt bietet hier unter anderem einen sog. Amsler- oder Gittertest an, der einfach durchzuführen ist.“

Zahlen zur Blindheit

In Deutschland leben etwa 164.000 blinde Menschen. 70 Prozent von ihnen (ca. 114.800) sind über 60 Jahre alt. Jedes Jahr kommen knapp 10.000 Neuerblindungen hinzu.

Bei den Erblindungsursachen liegt die altersbedingte Makuladegeneration mit 50 Prozent an erster Stelle. Grüner Star (Glaukom) und diabetische Netzhautschäden liegen mit jeweils 18 Prozent an zweiter und dritter Stelle.

Unter Frühformen der AMD leiden:

  • ca. 20 Prozent der 65- bis 74-jährigen und
  • ca. 35 Prozent der 75- bis 84-jährigen

Von AMD im Endstadium betroffen sind

  • ca. 1 Prozent der 65- bis 74-jährigen und
  • ca. 5 Prozent der 75- bis 84-jährigen

Trotz intensiver Aufklärungsarbeit ist die AMD und die damit verbundene Erblindungsgefahr kaum bekannt. Bei einer umfangreichen Befragung in Deutschland gaben 73 Prozent der Risikogruppe im Alter ab 55 Jahren an, die Krankheit nicht zu kennen, 9 Prozent waren unsicher und nur 18 Prozent sind informiert.

Quelle Zahlen zur Blindheit:

  • Berufsverband der Augenärzte
  • WHO

Quelle: DOC 2012

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Zuletzt geändert am 28.12.2013 11:55