CATT-Studie zeigt gleiche Wirksamkeit von Lucentis und Avastin

Die lang erwarteten Zwischenergebnisse der ersten von mehreren Vergleichsstudien deuten darauf hin, dass die Therapie einer feuchten AMD mit dem Krebsmedikament Avastin® (Wirkstoff: Bevacizumab) gleich gute Ergebnisse liefert wie das für diese Indikation entwickelte und zugelassene, aber mehrfach teuere Medikament Lucentis®, das einen vergleichbaren, wenn auch nicht identischen Wirkstoff enthält. Die amerikanische Studie liefert außerdem gute Argumente von einem starren Therapieplan zugunsten einer an die Bedürfnisse des Patienten angepassten Behandlung abzuweichen.

Das US-National Eye Institute hatte die CATT-Studie (Comparison of AMD Treatments Trials: Lucentis - Avastin Trial) im Februar 2008 begonnen. An der CATT-Studie beteiligten sich an 43 Zentren 1185 Patienten im Alter über 50 Jahren, bei denen eine unbehandelte AMD mit aktiver choroidaler Neovaskularisation diagnostiziert wurde. Die nun veröffentlichten Ergebnisse zeigen die Befunde nach der Hälfte der Studiendauer. Es gab vier Therapiearme: Verglichen wurde einmal die monatliche Injektion mit Avastin oder Lucentis und zum anderen eine individuelle bedarfsorientierte Therapie mit einem der beiden Wirkstoffe. Die Notwendigkeit einer erneuten Injektion wurde hier vom Ergebnis der Optischen Kohärenz-Tomografie (OCT) oder der Fluoreszenzangiographie abhängig gemacht. Primärer Endpunkt war die Verbesserung im Visus, zu den sekundären Endpunkten gehörten die Veränderungen in der OCT.

Visusverbesserung in allen Gruppen ähnlich

Hier die Ergebnisse in aller Kürze: Die Visusverbesserung bei den Behandlungsgruppen mit monatlicher Injektion war bei beiden Medikamenten gleichwertig. Unter der bedarfsorientierten Therapie war der Visusgewinn (gemessen in Buchstaben auf der Sehtafel) etwas, aber nicht signifikant geringer in beiden Medikamentengruppen. In der Lucentisgruppe konnte bei individueller Gabe die Anzahl der Injektionen im untersuchten ersten Jahr von ca. 12 auf ca. 7 gesenkt werden, mit Avastin auf knapp 8.

Diese Zwischenergebnisse deuten eine Gleichwertigkeit beider Wirkstoffe an. Fragen zur langfristigen Sicherheit, der Vergleich von lokalen und systemischen Nebenwirkungen sind aber noch offen und gestalten sich sehr differenziert. Die Ergebnisse stärken vorerst jenen Ophthalmologen den Rücken, die sich aus Kostengründen für das preisgünstigere Medikament einsetzen. Eine weitere Ersparnis könnte sich aus der Reduktion der Behandlungswiederholungen bei der bedarfsgerechten individuellen Therapie ergeben.

Nach den Ergebnissen der CATT-Studie stellt sich die Frage, ob die US-amerikanische Arzneibehörde Avastin für die Behandlung der AMD zulässt. Ein Antrag seitens der Herstellers ist nicht zu erwarten, da Lucentis und Avastin vom gleichen Hersteller produziert werden.

Die CATT-Studie ist der erste direkte Vergleich zwischen den beiden Wirkstoffen. Fünf weitere Vergleichsstudien werden derzeit in Europa durchgeführt, neben der IVAN Studie in Großbritannien gehört auch die VIBERA Studie des Klinikum Bremen-Mitte dazu.

Quellen: Newsletter Deutsches Ärzteblatt, Ophthalmologische Nachrichten online

Weitere Informationen: New England Journal of Medicine: Originalartikel und Editorial; Pressemitteilung des National Eye Institute;

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Zuletzt geändert am 28.12.2013 19:08