Avastin und Lucentis scheinbar gleichwertig in Wirksamkeit

In der Behandlung der exsudativen (feuchten) altersbezogenen Makuladegeneration (AMD) ist das für Krebserkrankungen zugelassene Avastin (Wirkstoff Bevacizumab) für viele Augenärzte eine gleichwertige und zugleich deutlich preisgünstigere Alternative zu dem zugelassenen Medikament Lucentis (Wirkstoff Ranibizumab).

Die Ergebnisse der ersten direkten Vergleichsstudie, veröffentlicht in dem Fachblatt "Eye", scheinen dies zu bestätigen. Bevacizumab und Ranibizumab sind monoklonale Antikörper (aktive Eiweißkörper, die mit hoher Spezifität verschiedenste Moleküle binden können), die den sogenannten humanen vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor A (VEGF-A) binden, der wiederum an der Pathogenese der feuchten AMD beteiligt ist. Beide Wirkstoffe wurden aus dem gleichen Antikörper abgeleitet, doch die Anwendung von Lucentis ist mit Kosten von über 1.500 Euro wesentlich teurer als Avastin, das durch Portionierung der für die Krebstherapie zugelassenen Präparate für weniger als 100 Euro hergestellt werden kann. Avastin ist jedoch nicht mit Lucentis identisch. Der wesentliche Unterschied besteht im Molekulargewicht, und dieser Unterschied könnte durchaus bewirken, dass Lucentis nach einer intraokularen Injektion sein Ziel schneller erreicht und dort länger wirksam ist. Ob dies zu einer günstigeren Wirkung führt, die den Unterschied im Preis rechtfertigt, ist offen.

Der niedrigere Preis von Avastin und die späte Verfügbarkeit von Lucentis hatten viele Augenärzte motiviert, die AMD mit Avastin zu behandeln (off-label-Medikation). Die Ergebnisse waren günstig, doch direkte Vergleichsstudien wurden zunächst nicht durchgeführt. Da der Hersteller beider Medikamente an ihnen kein wirtschaftliches Interesse hat, müssen die Augenärzte die Studien selbst organisieren.

Vergleichsstudie in Boston mit 22 Patienten

Eine der ersten Studien wurde an der Universität Boston begonnen. Dort wurden 22 Patienten im Verhältnis 2 zu 1 auf eine Therapie mit Avastin und Lucentis verteilt. Inzwischen wurden die Patienten über ein Jahr behandelt und die Sehleistung hat sich mit beiden Medikations-Gruppen in etwa gleichem Maß verbessert.

Der einzige Unterschied bestand in der Zahl der notwendigen Injektionen. Avastin musste im Verlauf des ersten Jahres im Durchschnitt acht Mal injiziert werden, bei Lucentis waren nur vier Injektionen notwendig (was sich leicht aus den genannten Unterschieden der beiden Moleküle ableiten lässt).

Eine kleine randomisierte Studie an nur 22 Patienten dürfte die Gleichwertigkeit beider Medikamente nicht anschließend belegen. Zum Vergleich: In den drei Zulassungsstudien war die Wirkung von Lucentis an 1.300 AMD-Patienten über 12 bis 24 Monate mit Scheininjektionen oder einer photodynamischen Therapie (PDT) mit Verteporfin verglichen worden. Es dürften in den nächsten Monaten aber Ergebnisse aus weiteren "Kopf-an-Kopf"-Vergleichen hinzukommen. Zu ihnen gehört auch die an Bremer Augenkliniken durchgeführte VIBERA Studie.

Auch für die Betroffenen werden die Ergebnisse sehr interessant sein: neben der Wirksamkeit und dem Preis sollten die Sicherheit (die Medikation wird ja in der Regel über einen langen Zeitraum notwendig sein) und auch die notwendige Häufigkeit der Injektionsgabe eine ausschlaggebende Rolle spielen.

Weitere Informationen:

Quelle: Newsletter Deutsches Ärzteblatt

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Zuletzt geändert am 31.12.2013 14:58