AMD-Studie in Bonn überrascht Mediziner

Bei Betroffenen mit der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) finden sich sehr häufig ganz bestimmte Veränderungen der lichtempflindlichen Netzhaut: die Mehrzahl der Patienten weist sogenannte "retikuläre Drusen" auf. Dies sind netzartige (retikulär) Ablagerungen (Drusen). Eine neue Studie am Universitätsklinikum Bonn zur AMD hat zu dieser überraschenden Entdeckung geführt: demnach finden sich bei Betroffenen extrem häufig charakteristische Veränderungen der lichtempfindlichen Netzhaut.

Retikuläre Drusen bei 2/3 der AMD-Patienten

Bei zwei Dritteln aller untersuchten Patienten konnten die Bonner Mediziner derartige retikuläre Drusen nachweisen. Bislang nahm man an, dass es vor allem krankhafte Prozesse unterhalb der Netzhaut sind, die zum Sehverlust führen. Die Bonner Wissenschaftler haben AMD-Patienten mit einer Kombination zweier Verfahren untersucht. Sie erhielten so einerseits durch die Pupille detaillierte Bilder vom Augenhintergrund mit der lichtempfindlichen Netzhaut. Andererseits konnten sie auch virtuelle hoch auflösende optische Schnitte durch die Netzhaut und die darunter liegenden Gewebeschichten durchführen. "Wir konnten so markante Veränderungen auf Ebene der lichtempfindlichen Sehzellen sichtbar machen", erläutert Prof. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. "Dies war umso überraschender, als man bisher annahm, dass sich die Erkrankung im Wesentlichen in anatomisch tieferen Schichten abspielt und nicht primär auf Ebene der Photorezeptoren."

Die Bonner Augenheilkundler haben inzwischen Netzhautaufnahmen von mehr als 500 Patienten aus einer internationalen, multizentrischen Studie untersucht. Dabei zeigte sich, dass derartige Veränderungen, die so genannten retikulären Drusen, keineswegs selten sind: "Wir finden diese Veränderungen bei mehr als zwei Dritteln der Betroffenen", sagt der Bonner AMD-Experte Dr. Schmitz-Valckenberg. "Vielleicht ermöglicht dieser Befund mittelfristig auch neue therapeutische Ansätze."

Weitere Forschungsarbeiten 

Zunächst will das Bonner Forschungsteam in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den USA nun herausfinden, woraus die retikulären Drusen bestehen. Zusammen mit Humangenetikern aus Regensburg versuchen sie zudem, Erbanlagen zu identifizieren, die für die Entstehung dieser Veränderungen verantwortlich sind. Bislang dachte man, dass Ablagerungen aus "Stoffwechselmüll" für den Tod der Sinneszellen in der Makula-Region verantwortlich sind. Diese so genannten "Drusen" sammeln sich bei AMD-Patienten unter der Pigmentzellschicht der Netzhaut. Retikuläre Drusen wurden zwar bereits vor 20 Jahren als vermeintlich seltenes Phänomen beschrieben. Wo sie sich genau befinden und woraus sie bestehen, wurde aber nie genauer untersucht, da sie nur bei wenigen Patienten aufzutreten schienen.

Prof. Frank Holz ist Mitglied des Wissenschaftlich Medizinischen Beirats der PRO RETINA; Dr. Steffen Schmitz-Valckenberg war u.a. der Empfänger der MD-Preises der PRO RETINA im Jahre 2005.

Die Ergebnisse der Bonner Forscher sind kürzlich in der Zeitschrift "Ophthalmology" erschienen.

Quelle: Universität Bonn

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Zuletzt geändert am 31.12.2013 14:59