Karl-Heinz-Beckurts-Preis für Professor Zrenner

Prof. Eberhart Zrenner vom Universitätsklinikum Tübingen ist einer der beiden Preisträger des Karl Heinz Beckurts-Preises 2009. Die Preisverleihung findet am Freitag in München statt.

Dieser mit jeweils 30.000 Euro ausgestattete Preis wird vergeben für herausragende wissenschaftlich-technische Leistungen, von denen Impulse für die industrielle Innovation ausgegangen oder zu erwarten sind. "Mit dem Preis würdigen wir in diesem Jahr zwei hervorragende Forschungs- und Entwicklungsergebnisse, die als echte Innovation den Weg in die Anwendung geschafft haben und großen gesellschaftlichen Nutzen versprechen", so der Stiftungsvorsitzende Prof. Günther Wess.

 

Prof. Eberhart Zrenner, seit 1988 Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen, erhält ihn  für  herausragende Ergebnisse in der Forschung, Entwicklung und klinischen Erprobung des  subretinalen elektronischen Netzhautimplantats, die er zusammen mit seinen Partnern und Mitarbeitern erzielt hat, heißt es zur Begründung der Preisvergabe: "Es kann bei erblindeten Menschen Sehleistungen wiederherstellen, die bis hin zur Erkennung von Buchstaben und Wörtern reichen. Dabei wird ein Chip mit 1500 lichtempfindlichen Dioden, Verstärkern und Elektroden unter die Netzhaut eingepflanzt, der das Bild in ein Raster von elektrischen Impulsen umwandelt und über Netzhautneurone an das Gehirn weiterleitet."

 

Der Preisträger  ist ein weltweit anerkannter Fachmann für die "elektrischen" Vorgänge im Auge, insbesondere im Hinblick auf degenerative Erkrankungen der Netzhaut. Als Vorsitzender des Medizinisch-wissenschaftlichen Beirats der PRO RETINA  Deutschland e. V. berät er diese Selbsthilfeorganisation seit vielen Jahren in Forschungsfragen.

Seit 1995 beschäftigt sich Prof. Zrenner mit der Entwicklung dieses subretinalen elektronischen Netzhautimplantates. In der Fachwelt stießen seine grundlegenden Gedanken dazu zunächst auf Ablehnung. Es gelang ihm jedoch, Partner aus anderen Fachgebieten zu einer Zusammenarbeit zu motivieren. Unterstützt auch von der PRO RETINA  begannen erste Untersuchungen. Ein umfangreiches Verbundprojekt wurde formuliert - und erhielt eine Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Über Jahre hinweg leitete er dieses komplexe Projekt, an dem viele verschiedene Forschungseinrichtungen beteiligt waren. Schließlich konnte die klinische Pilotstudie begonnen werden. Der entscheidende Durchbruch gelang im Herbst 2005: Erste Implantationen gelangen, der Sehchip funktionierte! Das Vorhaben wurde dann auf wesentlich breiterer Basis vorangetrieben und erste Ergebnisse  2007 im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt; die Informationen fanden ein enormes Echo und gelangten sogar in die abendlichen Hauptnachrichten des Fernsehens.

Prof. Zrenner hat die klinische Pilotstudie soweit vorangetrieben, dass einzelne blinde Patienten in der Lage waren, Gegenstände des täglichen Lebens zu erkennen und sogar Buchstaben und Wörter zu lesen. Nach Meinung vieler Fachleute führt das von ihm  geleitete Vorhaben damit weltweit das Rennen um den ersten Sehchip für Blinde an. In einer spontanen Reaktion betonte der Preisträger die Qualität des Teams, das diesen Erfolg ermöglicht hat. "Damit wird natürlich nicht nur eine Person ausgezeichnet, sondern die gesamte Mannschaft, die über viele Jahre hinweg an die Idee geglaubt und erfolgreich zusammengearbeitet hat", so Prof. Zrenner.

Quellen: www.beckurts-stiftung.de, www.ool.de, Pressemitteilung Retina Implant AG

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Zuletzt geändert am 28.12.2014 19:02