Projekt zur Entwicklung einer "Künstlichen Synapse" auch bei Netzhauterkrankungen

Photorezeptoren sind hoch spezialisierte Zellen, die das ins Auge einfallende Licht in elektrische Impulse umwandeln. Durch Freisetzung des Botenstoffes Glutamat, eines wichtigen Neurotransmitters des zentralen Nervensystems, aus den Nervenendigungen (Kontaktstellen der Nervenzellen, sogenannte Synapsen) der Photorezeptoren werden diese Impulse an die nachgeschalteten Nervenzellen der Netzhaut und dann des Gehirns weitergeleitet und damit letztendlich ein Seheindruck erzeugt. Verlust oder Schädigungen der Photorezeptoren führen bei vielen Netzhauterkrankungen zu Seheinschränkungen bis hin zur Erblindung.

Nun hat sich eine Gruppe von Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen zusammengetan, um in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt ein so genanntes "autonomes neurochemisches Implantat" zu entwickeln. Dieses Implantat soll durch eine gezielte und steuerbare Freisetzung des Botenstoffes Glutamat die Funktion einer künstlichen Synapse im Nervensystem übernehmen. Das Prinzip dieses "Schalters" soll in Studien an der Netzhaut erarbeitet werden und hat hier zum Ziel, degenerierte Photorezeptoren zu ersetzen. Langfristig sollen aber auch andere geschädigte Schaltkreise im Nervensystem durch den Einsatz solcher Implantate mit verschiedenen Botenstoffe gesteuert werden: so könnte ein solches Implantat für die Behandlung weiterer neurodegenerativer Erkrankungen des Gehirns (z.B. Parkinson) eingesetzt werden.

Das Konsortium setzt sich zusammen aus Biologen, Medizinern, Physikern und Ingenieuren vom Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut Reutlingen, den Universitäten Oldenburg und Tübingen und dem Helmoltz-Zentrum für Materialien und Energie in Berlin.

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Zuletzt geändert am 28.12.2014 19:04