Zapfendystrophie

Krankheitsbild - Allgemeine Informationen

Zapfen

Die Zapfen sind die höchstentwickelten Sehzellen des Auges. Knapp fünf Prozent der Zapfen bilden das Zentrum der Netzhaut, die sogenannte "zentrale Grube" (Fovea centralis) des sogenannten "gelben Fleckes" (Macula lutea), auch die "Stelle des schärfsten Sehens" genannt. Diese in der Makula lokalisierten zentralen Zapfen sind für die Sehschärfe und die Sehwahrnehmung bei Helligkeit entscheidend. Die übrigen Zapfen verteilen sich in der sogenannten Peripherie der Netzhaut, zwischen den dort vorherrschenden Stäbchen, und nehmen in ihrer Dichte (Anzahl der Zellen pro Fläche) zur Peripherie hin ab.

Der Mensch besitzt etwa sechs Millionen Zapfen, die sich nach ihrer speziellen Farbempfindlichkeit in Blau-, Grün- und Rotzapfen unterscheiden. Die Zapfen können sich an sehr unterschiedliche Helligkeitszustände anpassen. Ein einzelner Sehreiz, d.h. ein Lichteinfall einer bestimmten Farbstufe (Wellenlänge), setzt in den Zapfen eine komplizierte biochemische Kette von Reaktionen in Gang, die letztlich einen Impuls an den weiterleitenden Sehnerven auslöst. Bevor die Zapfen einen erneuten Lichtreiz aufnehmen können, müssen weitere biochemische Reaktionen ablaufen, um die Zapfen wieder in die Ausgangssituation zu bringen. Diese Erregungs- und Erholungsphasen können mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 mal pro Sekunde ablaufen.

Zapfendystrophie

Als Dystrophie bezeichnet man eine fehlerhaft angeborene Anlage einer körperlichen Struktur, hier der Netzhaut, die früher oder später in unterschiedlichem Ausmaß zu einer Fehlfunktion dieser Struktur führt. Die Ursache dieser Funktionsstörungen liegt also in der Zelle selbst begründet, z.B. in einer genetischen Fehlprogrammierung (Mutation). Im Gegensatz hierzu bezeichnet man es als Degeneration, wenn eine normal angelegte Körperstruktur altersbedingt Fehlfunktionen entwickelt.

Eine Dystrophie der Zapfen bedeutet, dass die biochemischen Reaktionen zur Aufrechterhaltung eines regulären Zellstoffwechsels nicht mehr korrekt ablaufen können. Es können z.B. Abfallstoffe, die bei den Reaktionen anfallen, nicht in der erforderlichen Geschwindigkeit abgebaut und rückgewandelt werden und verstopfen als Müll die Zellen, die langfristig daran zugrunde gehen.

Zum Seitenanfang

Krone des Sehsystems

Die Zapfen der Makula und der Netzhautperipherie entsenden über den Sehnerven ihre Signale in das Sehareal der Großhirnrinde und sind dafür verantwortlich, dass wir ein scharfes farbiges räumliches Bild unserer Umwelt exakt erfassen. Andersherum ausgedrückt: nicht funktionierende Zapfen, insbesondere die in der Makula, setzen die Schärfe des Bildes, die Exaktheit der Farbwahrnehmung, die Lesefähigkeit und die grundsätzliche Schnelligkeit des Sehens herab. Aus diesem Grund werden die Zapfen auch als "Krone des Sehsystems" bezeichnet. Das gesamte optische System des Augapfels (z.B. Linse und Glaskörper) ist darauf ausgerichtet, die einfallenden Bilder auf die Stelle der Zapfen in der "zentralen Sehgrube" zu bündeln, dem Ort des "zentralen Sehens".

Stäbchen

Neben den ca. 6 Millionen Zapfen besitzt die Netzhaut des Auges etwa 120 Millionen Stäbchen in der sogenannten "Peripherie", dem Ort des "peripheren Sehens". Die Stäbchen können nur hell und dunkel unterscheiden, dies jedoch in höchster Empfindlichkeit. Die Stäbchen beginnen ihre Arbeit, wenn es dunkel wird, und entwickeln in der Dunkelheit ihre höchste Empfindlichkeit auf kleinste Lichtreize.

Bei hoher Helligkeit hingegen sind die Stäbchen vollständig abgeschaltet, sozusagen geblendet, und arbeiten nicht, sondern überlassen die Seharbeit vollständig den Zapfen. Je dunkler es wird, umso weniger arbeiten die Zapfen und umso mehr treten die Stäbchen in Aktion. In einer hellen Vollmondnacht in unbeleuchteter Natur arbeiten nur die Stäbchen und geben uns ein Schwarzweißbild mit sehr hoher Auflösung kleinster Lichtpunkte, z.B. Sterne. Deshalb sehen wir Sterne am Nachthimmel am besten, wenn es vollkommen dunkel ist (kein Mondlicht) und wenn wir ein bisschen "danebenschauen", also mit der Peripherie der Netzhaut sehen.

Grob kann man sagen, dass ein Fehlsichtiger, dessen Zapfen nicht mehr arbeiten, so scharf sehen kann, wie man als Normalsichtiger z.B. bei Vollmond eine Zeitung lesen kann. Der Fehlsichtige sieht im Dunkeln theoretisch genauso gut wie ein Normalsichtiger. Leuchtet jedoch in der Dunkelheit eine Lichtquelle auf, z.B. ein Scheinwerfer, schalten sich beim Normalsichtigen die Zapfen an, gewöhnen sich langsam an die Lichtstärke und sehen dann in Helligkeitsschärfe. Der Fehlsichtige hingegen ist von dieser Lichtquelle nur geblendet, weil seine Stäbchen maximale Helligkeit melden und abschalten und die Zapfen nicht arbeiten.

Ein anderes Beispiel: beim Hochleistungssport mit hoher Geschwindigkeit schaltet das Großhirn die Stäbchen ab und konzentriert sich vollkommen auf die Seheindrücke der Zapfen. Der Sportler benutzt nur noch den sogenannten Tunnelblick der zentralen Zapfen.

Zum Seitenanfang

Sehschärfe

Die Sehschärfeder Menschen ist in einem gewissen Rahmen individuell unterschiedlich und auch abhängig vom Lebensalter. Der Normalwert der Sehschärfe entspricht der durchschnittlichen Fähigkeit der Gesamtbevölkerung, zwei getrennte Punkte in der Ferne gerade noch als getrennt wahrzunehmen, wobei optimale optische Korrekturen (Brillen) benutzt werden. Diese mittlere Sehschärfe des Bevölkerungsdurchschnitts wird einer Sehschärfe von 100 Prozent gleichgesetzt.

Anders formuliert kann man normalerweise aus einer Entfernung von 100 Metern ein Zeichen in einer gewissen Größe scharf sehen, richtig erkennen oder lesen. Eine Sehschärfe von z.B. 125 Prozent, die bei Jugendlichen noch häufig vorkommt, bedeutet dann, dass man das gleiche Zeichen noch aus 125 Metern Entfernung lesen kann. Eine Sehschärfe von 80 Prozent, z.B. bei einem älteren Menschen, bedeutet, dass man 80 Meter vor dem Zeichen stehen muss, um es zu erkennen. Eine Sehschärfe von zehn oder zwei Prozent bei einem Fehlsichtigen mit Zapfendystrophie bedeutet analog, dass dieser Fehlsichtige das gleiche Zeichen erst lesen kann, wenn er zehn oder zwei Meter davor steht.

Der Fehlsichtige sieht z.B. genauso wie der Normalsichtige ein Verkehrsschild oder eine menschliche Gestalt in der Ferne, aber er kann die Zeichen auf dem Schild oder das Gesicht der Gestalt nicht lesen oder erkennen. Die Sehschärfe heißt medizinisch Visus und wird in das Fern-Sehen (Fernvisus) und das Nah-Sehen (Nahvisus) unterteilt.

Lesen Sie die weiteren Kapitel zum Krankheitsbild der Zapfendystrophie:

Zurück zur Startseite Zapfendystrophie

Zum Seitenanfang

Zuletzt geändert am 12.01.2017 13:21