Zapfendystrophie

Charakterliche Herausforderung Sehbehinderung

Jede Sehbehinderung ist zunächst eine persönliche Katastrophe, die verarbeitet werden muss, egal, ob sie überraschend auftritt oder ob sie sich langsam ankündigt. Jede Sehbehinderung stellt einen mehr oder weniger brutalen Einschnitt in die Lebensplanung und Lebensgestaltung dar. Aber auch hier gilt: unser Denken bestimmt unser Reden, unser Reden unser Handeln, unser Handeln formt unseren Charakter und unser Charakter formt unser Schicksal. Was uns das Schicksal schickt, haben wir nicht in der Hand. Aber wie wir mit dem Schicksal umgehen, das wirkt auf die Entwicklung unseres Schicksals ein: ob wir z.B. aktiv-mutig an Schwierigkeiten herangehen oder passiv-ängstlich. Und viele Behinderte machen langfristig die Erfahrung, dass das Schicksal ihren Charakter herausgefordert hat und sie letztlich an dieser Herausforderung gewachsen sind.

Das Leben mit Behinderung reißt aus dem üblichen quirligen, aber auch oberflächlichen Leben heraus, zwingt zum bewussten Umgang mit den eigenen Fähigkeiten und Reserven, zum Stillhalten, zum Aushalten, zum Mut, von geliebten romantischen Gefühlswelten Abschied zu nehmen und sich auf die eigenen Emotionen einzulassen, es stellt unsere zwischenmenschlichen Beziehungen auf die Probe und führt uns gnadenlos vor Augen, ob wir uns selbst aus dem heraus definieren und lieben, was wir tun und leisten, oder ob wir uns so annehmen, wie wir sind.

Wir müssen neu definieren, was wir unter Glück verstehen, wir müssen aus der Einschränkung heraus bewusst Ziele setzen, und wir müssen vielleicht Lebensbereiche völlig neu ordnen, durch die wir uns sonst durchgemogelt hätten. Wir werden echter und authentischer und entdecken, was wir wirklich dazu brauchen, um uns lebendig zu fühlen.

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Ein wichtiges Moment kann in diesem Zusammenhang der Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe sein, mit Menschen, die vom gleichen Schicksalsschlag betroffen sind. Zum einen dürfen wir Ihnen hier die Arbeit der PRO RETINA Deutschland e. V. und ihre Berater und ihre Betroffenenkreise empfehlen, zum anderen aber auch die Blindenvereine, die mittlerweile nachgezogen haben und spezielle Abteilungen für Sehbehinderte eingerichtet haben. Denn Sehbehinderte haben ganz eigene Probleme, die sich von Blinden teilweise erheblich unterscheiden, aber individuell ebenso belastend empfunden werden.

Die Einstellung der Gesellschaft hat sich in den letzten 20 Jahren erfreulicherweise zugunsten der Behinderten verändert, nicht zuletzt durch das Engagement der Selbsthilfevereinigungen. Kein Wunder – eine möglichst chancengleiche Teilhabe der Behinderten am gesellschaftlichen Leben ist für jeden Nichtbehinderten die beste Vorsorgeversicherung, falls er selbst einmal behindert werden sollte. Und wir alle wissen, wie rasch das passieren kann. Jeder Betroffene, der sich selbst einsetzt und bemüht, wird in unserer Gesellschaft Hilfe finden und sollte diese selbst erfahrene Hilfe wiederum anderen zugute kommen lassen.

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Zuletzt geändert am 12.01.2017 13:22