Eine gelungene Eheberatung für das Leben mit einer unerwünschten Braut

von Michael Richter

Werbung macht man nur für Gegenstände oder eine Idee, die vom Standpunkt des Werbenden aus betrachtet, die Angesprochenen noch nicht ausreichend in den Händen halten oder im Kopf vereinnahmt haben. Die gefürchtete Krankheit Altersabhängige Makula-Degeneration (AMD) ist aber schon angekommen, obwohl sie keiner als Braut haben will. Manch einer weiß noch nicht einmal, dass er schon zwangsverheiratet ist. Keiner will das Arrangement einer Zwangsehe. Aber wenn sie schon einmal geschlossen werden musste, der "Ehepartner" und seine Angehörigen, ja sogar das gesamte soziale Umfeld, müssen nun lernen, damit umzugehen, zu leben und das Alltagsleben neu begreifen.

Dazu gehört auch, dass es den einfachen Weg einer Scheidung zurzeit noch nicht gibt. Leider ist es auch für den Betroffenen nicht möglich, die ganze Angelegenheit mit dem gewohnten schnellen Blick zu meistern, denn der geht für den Betroffenen oft mehr oder minder verloren und für die Angehörigen und Mitmenschen wird er sich schnell als zu flüchtig und oberflächlich erweisen. Aus all diesen Gründen ist die nun vorliegende Broschüre "Jetzt erst recht" der PRO RETINA sehr wichtig. Der Zwangsverheiratete hat, wenn beide Augen betroffen sind, Angst vor der Blässe und Schwärze der Blindheit, und wenn nur ein Auge betroffen ist, na ja, dann benutze ich eben halt das andere mehr. Anfänglich wird man sich manchmal selbst blind machen, indem man sich hochprojiziert, was alles nicht mehr möglich ist. Aber die AMD mach nicht blind, es sei denn, man macht sich selbst blind. Auch nur mit einem Auge geht es nicht so gut, wie anfänglich gedacht. Es bleibt ein brauchbares Sehvermögen, aber das Leben wird entschleunigt. Ist das nicht etwas, wonach man sich manchmal sehnt? Ein Leben mit weniger Hektik? Das wäre schon schön, wird jeder die Hände hochreißend sagen, aber dazu brauche ich am allerwenigsten die AMD.

Aber wenn die Zwangsehe einmal vollzogen ist? Weniger ist mehr, langsamer ist sicherer, intensiver ist gründlicher, ruhiger ist erfolgreicher, beschränkend ist erweiternd? Wer solche Entsprechungen für sich findet, hat gewonnen. Die Zwangsbraut nimmt und der Bräutigam kann geben. Das Verkehrsschild auf der Autobahn des Lebens heißt Akzeptanz. Allerdings braucht man für diese Richtung ein wenig Mut und Selbstvertrauen. Diesen Mut kann man schöpfen aus der vorliegenden Broschüre.

Die Zwangsbraut wird umfangreich in ihrer Hartnäckigkeit vorgestellt und ihre mögliche Disziplinierung aufgezeigt. Das Wichtigste aber in dieser Eheberatung ist, dass einige Ehepartner aufrichtig und offenherzig über ihr Eheleben sprechen. Sie machen Mut, unendlich viel Mut für alle Lebenslagen. Glückwunsch allen Autoren und Beteiligten für diese gelungene Eheberatung. Leider ist zurzeit noch keine Scheidung möglich, aber ein erfülltes Leben mit dieser hartnäckigen Braut.

Zuletzt geändert am 20.12.2013 18:14