HJMD (Hypotrichose mit juveniler Makuladystrophie)

Nonsene Mutation (sinnentstellende Mutation)

Bei vielen Netzhauterkrankungen können unterschiedliche krankheitsauslösende
Mutationen die Ursache sein.

In dem Verfasser bekannten Fall, liegt eine sogenannte Nonsense Mutation,
eine Punktmutation bei der nur eine einzelne Nukleinbase betroffen ist vor.
Es gibt nun wiederum verschieden Formen von Punktmutationen wie z.B.Deletion,Insertion und Substitution.
Bei einer Substitution unterscheidet man weiter in „nonsense“- , „missense“- , „silent“-, „readthrough“- Mutation.

Eine molekulargentische Diagnostik kann die genaue Mutationsart im Rahmen einer genetischen Beratung diagnostizieren.
Wissenschaftler benötigen diese detaillierten Informationen für ihre Forschung zum Beispiel für die Durchführung und Planung von klinischen Studien.

Auszug aus der ausführlichen Krankheitsbeschreibung:
Bei einer diagnostizierten sogenannten Nonsense Mutation,eine Mutation bei der durch den Austausch einer einzigen Base in der DNA-Sequenz ein Stop-Codon entsteht.
Dadurch kommt es in der Proteinbiosynthese zum vorzeitigen Kettenabbruch. Es resultiert ein verkürztes, funktionsloses bzw. in der Funktion minderwertiges Protein.
Translationales Überlesen eines Stop-Codon, die sogenannte „Read-Through-Therapie“,
kann durch Verabreichung von bestimmten Stoffen ein Überlesen von Stop-Codons bewirken und somit zu einem brauchbaren Protein führen.
Dieser Ansatz ist allerdings nur bei eng begrenzten Mutationen denkbar, die unterschiedliche Erkrankungen verursachen.
Hierzu gibt es schon vielversprechende Klinische Studien, wie bei der Muskeldystrophie des Typs Duchenne und Mukoviszidose.

Begriffserklärung:
Als Stop-Codon wird in der Genetik vereinfacht das Abbrechen der Proteinsynthese in einer Zelle bezeichnet.
Bei einem weiteren Verfahren, dem sogenannten Exon-Skipping, wird der defekte Genabschnitt während der Synthese übersprungen.
So könnte zwar ein verkürztes aber dennoch intaktes Protein gebildet werden.

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Stand der Forschung:
Das Mainzer Forscherpaar Kerstin Nagel-Wolfrum und Uwe Wolfrum veröffentlicht im Februar 2016 einen ausführlichen Artikel zum Thema.
Dieser Artikel zeigt, dass es sich um eine relevante Therapieoption,
gerade auch bei erblichen Augenerkrankungen handelt.
Quelle: Pubmed Targeting Nonsense Mutations in Diseases with Translational Read-Through-Inducing Drugs (TRIDs). - (externes Angebot)

Die ProRetina berichtete schon im Jahr 2012 über diesen Therapieansatz für das humane Usher-Syndrom
Therapieansatz für das humane Usher-Syndrom
und verlieh den Retinitis Pigmentosa Forschungspreis 2012 an Frau Dr.phil.nat. Kerstin Nagel-Wolfrum.
Retinitis Pigmentosa Forschungspreis 2012

Weiteres zum Stand der Forschung auf diesem Gebiet auf der
privaten Homepage des Verfassers:
HJMD Forschung - (externes Angebot)

Zuletzt geändert am 28.08.2016 00:40