Regionalgruppenarbeit - Ein Thema für die Jugend von Manuel Ott

In den über 60 Regionalgruppen der PRO RETINA finden Mitglieder bundesweit eine wichtige Basis für den Erfahrungs- und Informationsaustausch. Sie bilden ein unverzichtbares Fundament unserer Vereinsarbeit. Viele Betroffene knüpfen ihre Kontakte im Rahmen von Regionalgruppentreffen und sie nutzen die Möglichkeit, ohne größeren zeitlichen Aufwand in Kontakt mit Gleichbetroffenen zu treten. Wenn sich neue Mitglieder nach Angeboten der PRO RETINA erkundigen, gelangen sie meist automatisch an ihre nächstliegende Regionalgruppe.

Dies gilt natürlich ebenso für jüngere Betroffene - auch sie sind auf der Suche nach örtlich gut zu erreichenden Veranstaltungen und Treffen. Soweit, so gut: Dennoch stellt sich dieser Sachverhalt in der praktischen Umsetzung als nicht ganz einfach dar.

Viele Angebote - wenig Jugend

Die inhaltliche Spannbreite regionaler Veranstaltungen ist vielfältig und abwechslungsreich: Medizinische Vorträge, Hilfsmittelinformationen, Ausflüge und Stammtische. Dies alles ist prinzipiell für Menschen unterschiedlicher Altersstufen gleichermaßen interessant. Dennoch lässt sich feststellen, dass jüngere Teilnehmer, und darunter verstehen wir Betroffene zwischen 16 und 30 Jahren, verhältnismäßig selten zu finden sind. Ein Grund hierfür liegt sicherlich in den Erkrankungsbildern selbst. Die Symptome von RP oder MD tragen für viele jüngere Menschen häufig noch keine solch signifikanten Auswirkungen, dass ein "Bedarf" für den aktiven Erfahrungsaustausch innerhalb einer Vereinigung besteht.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass es grundsätzlich keine Nachfrage seitens junger Betroffener gibt. Unsere jährlichen Jugendwochenenden sprechen für sich, Des weiteren erhalten wir durchaus gezielte Anfragen nach regionalen Kontakten, zumeist von neuen Mitgliedern. Insofern bleibt die Frage zu stellen, warum jüngere Betroffene so selten auf diesen Veranstaltungen zu finden sind.

Sie kommen... aber nicht alleine!

Fast jede/r RegionalgruppenleiterIin wird bestätigen können, dass hin und wieder doch auch ein jüngerer Interessent zu einem RG-Treffen erscheint - einmal, zweimal und anschließend nie wieder. Dies liegt jedoch keineswegs am gebotenen Programm der entsprechenden Veranstaltung, sondern vielmehr daran, dass dieser jüngere Betroffene zumeist der einzige "Vertreter" seiner Altersgruppe auf dem Treffen ist - und deshalb Schwierigkeiten hat, Anschluss zu finden.

Ein Umstand, der für RG-Leiter/innen nicht leicht zu bewältigen ist. Es drängt sich die Frage auf, wie man auch diesen Teilnehmer längerfristig in regionale Aktivitäten involvieren kann. Die einzige Lösung hierfür liegt im Unterstützen seiner "Peer Group" durch Kontaktvermittlung. Ein Jugendlicher alleine am RG-Stammtisch hat natürlich "schlechte Karten" in Bezug auf den Erfahrungsaustausch von für ihn relevanten Themen.

Wo sich jedoch bereits zwei jüngere Mitglieder treffen, kann eine Basis entstehen. Wenn es einem/einer RG-Leiter/in gelingt, den Kontakt zwischen zwei oder mehreren jungen Betroffenen herzustellen und diese gemeinsam an einer Veranstaltung teilnehmen, ist der Grundstein für eine eigendynamische Entwicklung von regionaler Jugendarbeit gelegt. Es gilt also, einen "Blick" für die vereinzelt auftauchenden jüngeren Mitglieder zu entwickeln und sie im Gedächtnis zu behalten, um bei der nächsten Gelegenheit einen entsprechenden Kontakt herzustellen.

Dies ist natürlich leichter gesagt als getan: Das Aktivitätsniveau ist unterschiedlich hoch, nicht jedes Mitglied ist an regelmäßigen Treffen interessiert und nicht jeder vermittelte Kontakt führt automatisch zu langfristigen Bindungen. Dennoch ist es die einzige Möglichkeit eines Versuches, junge Mitglieder in die regionale Arbeit zu involvieren. Gemeinsam sind sie motiviert(er)!

Ein Beispiel: RG-Jugend Hannover

Vereinzelt trifft man sie: Die motivierten jungen Leute, die sich nicht nur als Jugend-Ansprechpartner ihrer Region zur Verfügung stellen, sondern auch noch selbst aktiv nach weiteren potentiellen Mitgliedern Ausschau halten. So geschehen in Hannover, wo sich Ute Pfannschmidt vor knapp fünf Jahren auf die Suche nach der Jugend machte - und fündig wurde!

Man einigte sich darauf, separate Treffen zu veranstalten und begann mit drei Teilnehmern in einer Pizzeria. Die Kontakte hielten, die Anzahl stieg. Wo immer ein jüngeres Mitglied im Raum Hannover auf sich aufmerksam machte, wurde es unweigerlich, geradezu magnetisch, von der hiesigen Jugendgruppe aufgesogen. So ist eine Teilnehmerzahl von zehn bis 13 Leuten nun keine Seltenheit mehr.

Dass man es mit der Altersspanne hier nicht allzu genau nimmt, und durchaus auch "Mitdreißiger" dazu zählt, stellt absolut kein Hindernis dar, sondern entpuppt sich als spannende Möglichkeit für den Erfahrungsaustausch zwischen jüngeren und jung gebliebenen Mitgliedern. Die Aktivitäten reichen vom gemeinsamen Mittagessen bis zu Veranstaltungen mit kulturellem Schwerpunkt.

So gehören Museumsbesuche genauso dazu wie Ausflüge in die nähere Umgebung, z.B. nach Hildesheim, Bückeburg oder sogar Göttingen.

Wie man sieht, besteht also kein prinzipieller Unterschied zu "normalen" RG-Treffen - außer, dass sich hier Betroffene einer anderen Altersgruppe zusammen geschlossen haben.

Wir von der bundesweiten Jugend werden weiterhin einen wesentlichen Fokus auf die Etablierung unserer regionalen Arbeit setzen und soweit es geht Kontakte vermitteln. Dass wir hierbei auf die Unterstützung der regulären Gruppen zählen können, wurde auf dem RG-Leiter-Seminar Ende Mai 2005 in Bad Meinberg deutlich. Es herrschte große Offenheit und Kooperationsbereitschaft gegenüber unseren Anliegen und Vorschlägen. Seitdem kam es bereits zur Vermittlung von einzelnen Kontakten aus den Regionen und wir sind zuversichtlich, hier nach und nach eine stärkere Präsenz zeigen zu können.

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Zuletzt geändert am 01.11.2010 17:23